Brücken bauen

Oder Twixt, das jüngste der Spiele (Abbildung in der Mittelspalte): Eine gewisse Verwandtschaft besteht zu Go, denn auch bei Twixt werden nur farblich unterschiedliche Steine in Form von Türmchen gesetzt oder genauer: gesteckt und dann mit Brücken verbunden. Es gewinnt, wer eine durchgehende Brücke von einer Kante zur gegenüberliegenden bilden kann. Das Spiel ist extrem knifflig, in der Regel führt der kleinste Fehler zum Verlust der Partie. Erfunden hat es Alex Randolph, ein ehemaliger Agent des US-Nachrichtendienstes, im Wiener Café Hawelka. Randolphs biografischer Hintergrund ist denkbar weltläufig: In Böhmen als Sohn einer Amerikanerin und eines Russen geboren, Schule in der Schweiz, dann Umzug in die USA, dann nach Wien: Sollte er dieses Errichten von Brücken, aus denen sein Leben bestand, in einem Spiel ausgedrückt haben?

- © stock.adobe.com /BVDC
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Die Wikinger wiederum, dieses raue Rabaukenvolk, spielte mit Leidenschaft Hnefatafl (Abbildung in der fünften Spalte): Ein Strategiespiel mit ungleichen Kräften: Der König in der Mitte muss vor einer an den Rändern postierten Übermacht in Sicherheit, nämlich an einen Spielfeldrand gebracht werden. Die Wikinger, die bei ihren Raubzügen beides erfahren haben, nämlich sowohl in der Unter- wie in der Überzahl zu sein und aus beidem Vorteile zu ziehen, haben dieses eigene Erleben wohl in ihren Tafl-Spielen transzendiert.

- © saran_poroong - stock.adobe.com
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Bei Mühle (Abbildung in der ersten Spalte) und Backgammon (Abbildung in der zweiten Spalte) kann man solche Überlegungen nicht anstellen, weil die Ursprünge der Spiele nicht gesichert sind. In beiden Fällen weiß man nur eines über sie: Sie liegen weit, sehr weit zurück in der Geschichte. Die Römer etwa spielten mit Leidenschaft Rundmühle, aber auch sie sind schon späte Spieler. Das älteste bisher gefundene Mühlespiel datiert auf 1400 vor Christus und stammt aus Ägypten.

Backgammon fällt etwas heraus, weil der Motor des Spiels nicht das Brett und die Steine selbst sind, sondern Würfel. Gespielt wurde es bereits von den Griechen der Antike - ob sie die Erfinder oder nur die Importeure waren, ist unsicher wie die wahre Bedeutung der Würfelwürfe für Sieg oder Niederlage: Gewiefte Spieler behaupten, bei der richtigen Strategie wären die Würfe weitestgehend gleichgültig. Weitestgehend, wie gesagt. . .

Wer ist Go-Star?

Keines dieser Spiele kann es freilich an Popularität mit dem Schach aufnehmen. Aber vielleicht liegt es wirklich auch daran, dass den anderen Spielen bisher die Stars fehlten. Würde es helfen, wenn Kim Jong-un und Donald Trump die Abrüstung von einer Partie Go abhängig machten - oder wäre zu befürchten, dass nachher niemand mehr irgendein Spiel spielen könnte?

Dann lieber doch nicht. . . - und Go, Mühle, Backgammon, Hnefatafl und Twixt so spielen wie bisher - mit der Familie und mit Freunden.

Und Schach natürlich auch. Nur frisch drangehen - und ja nicht matt werden!