Wie ein Gefährt aus einer anderen Welt schiebt sich der Koloss vor die Einfahrt zu einem der Canali von Venedig. Das Traumschiff wirkt wie UFO aus einer fernen und feindlichen Galaxie. Mit seiner Masse degradiert es die Stadt zu Bauklötzen, die man jederzeit durcheinanderwerfen kann. Die Vibrationen seiner Motoren und die Sogwirkungen seiner Schrauben zerren an den ohnedies maroden Pfählen der Lagunenstadt. Seine Abgase verpesten die Luft mehr, als es der Geruch der Kanäle jemals getan hat. "Wir sind hier", scheint es zu sagen, "uns bringt niemand hier weg." Was Kriegsmarinen mit ihren Raketenkreuzern und Flugzeugträgern erreichen, macht die Kreuzschifffahrt auf friedliche Weise: Sie nimmt Häfen gleichsam in Besitz. Ohne eine einzige kriegerische Handlung zu setzen, hat das riesige Schiff ein imperiales Gebaren.

Die Gegenwart ist eine Zeit der Seefahrt. Nur dringt diese Tatsache in wesentlich geringerem Ausmaß ins Bewusstsein als in früheren Zeiten, weil die heroischen Leistungen wie Entdeckungsfahrten, Kap-Horn-Umsegelungen, die schnellsten Fahrten der Teeklipper von China nach England und glücklicherweise auch Seeschlachten einer anderen Epoche angehören.

Schwimmende Städte

Die zivile Seefahrt der Gegenwart hat zwei lukrative Geschäftszweige: Transportfahrten und Kreuzfahrten. Transportfahrten sind gezielte Fahrten von einem Hafen in einen anderen. Sie dienen in der Regel dem Warenverkehr. Im Passagierverkehr sind sie nur bei Fährverbindungen relevant. Kreuzfahrten sind indessen reine Urlaubs- und Vergnügungsfahrten für Passagiere.

Die Kreuzfahrten sind in der letzten Zeit immer öfter in die Schlagzeilen gekommen als besonders umweltschädlich. Tatsächlich sprechen die Fakten eine unmissverständliche Sprache. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) erklärt, "dass bereits ein mittleres Kreuzfahrtschiff mit 3000 Urlaubern und etwa 90.000 Brutto-Registertonnen pro Tag etwa 150 Tonnen Treibstoff (Schiffsdiesel im Hafen und Schweröl auf See) verbraucht. An einem Seetag bei Höchstgeschwindigkeit von etwa 21,5 Knoten steigt der Schwerölverbrauch sogar auf 240 Tonnen pro Tag." Die "Harmony of the Seas" bläst Schätzungen zufolge an einem einzigen Tag etwa 450 Kilogramm Feinstaub in die Luft.

Ein Schiff mit umweltfreundlichen Flettner-Rotoren. - © BY-SA 3.0
Ein Schiff mit umweltfreundlichen Flettner-Rotoren. - © BY-SA 3.0

Schweröl ist ein Raffinerie-Abfallprodukt. Es ist dermaßen umwelt- und gesundheitsschädlich, dass es an Land verboten ist. Es enthält 3500 Mal mehr Schwefel, als auf den europäischen Straßen für Autos erlaubt wären. Mehr als sieben Tonnen Schwefeldioxid erzeugt ein Kreuzfahrtschiff am Tag. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs an Umweltbelastungen, die von Kreuzfahrtschiffen ausgehen.