Heute ist der Tag der schwarzen Katze. Na, das kann was werden! Zwangsläufig vordringlichste Aufgabenstellung: Ein Hufeisen muss her. Irgendwo bei einem Bauern wird doch in einer Scheune solch ein rostiges Trumm hängen. Bitte nicht auf schräge Ideen verfallen und einem Fiakerpferd auf dem Stephansplatz eines klauen, das kommt gar nicht gut an, weder beim Kutscher noch beim Pferd, dessen Tritt noch mehr schmerzt als die Faust des Kutschers.

Außerdem gibt es ja noch andere Schutzmöglichkeiten. Ein vierblättriges Kleeblatt zum Beispiel wird doch mitten im August zu finden sein. Die Suche danach kann immerhin einen schönen Ausflug ergeben. Auf ins Grüne! Und im alleräußersten Notfall kann man sich ja in der Wohnung verbarrikadieren. Hilft ein Aluhut eigentlich nur gegen Chemtrails oder auch gegen die Ausstrahlung einer schwarzen Katze?

Aber wieso soll eine schwarze Katze überhaupt Unglück bringen? Eine Grüne Mamba - das wäre verständlich. Nach einem Vollbiss tritt beim Menschen, so keine Gegenmaßnahmen getroffen werden, der Tod durch Atemlähmung nach wenigen Stunden ein. Ein Weißer Hai - dessen Gefährlichkeit wird zwar maßlos übertrieben, dennoch: Kuscheltier ist er keines. Der Blaugeringelte Oktopus wäre auch durchaus verständlich, ein Exemplar allein hat genug Gift, um mit seinen schmerzlosen Bissen 25 Menschen und mehr mit dem Einundsiebziger fahren zu lassen, den es freilich in Australien nicht gibt, wo das Tierchen vorkommt.

Der Katze Kern

Aber eine schwarze Katze? - Schlimmstenfalls ein paar krallengezeugte Striemen kann es da geben und einen schmerzhaften Biss. Aber der Mensch ist doch, bitteschön, keine Maus und auch kein Kanarienvogel, und ein Goldfisch wohl auch nicht. Da sei die Evolution vor! Also, bitte, was soll das mit der schwarzen Katze und dem Unglück?

Natürlich hat er wieder seine Pranken im Spiel, er, der All-Böse. Gerade noch Schlangerich im Paradies, jetzt schwarzer Kater. Dass er bei Goethe Kern eines Pudels ist, kann man nur dem Humor des Dichtergottes zuschreiben. Vielleicht hat sich Mephisto dem Faust sowieso als schwarzer Kater präsentieren wollen und hat bloß den falschen Zauberspruch erwischt? - Nein, stimmt nicht: Goethe konnte Hunde nicht ausstehen, seit ihn die Pudel-Affäre um den Hund des Schauspielers Rudolf Karsten um seine Weimarer Intendanz gebracht und ihm einen Spottvers eingetragen hat: "Dem Hundestall soll nie die Bühne gleichen / und kommt der Pudel, muss der Dichter weichen". Aber das ist eine andere Geschichte. Hier gilt es der schwarzen Katze und nicht einem kernigen Pudel.