Jedenfalls: Im Mittelalter, als die Kirche zwecks Machterhalt den Menschen einredete, dass sozusagen hinter jedem Mauereck der Böse gierig auf Menschenseelen lauere, galt die Katze als Tier des Teufels. Die Ägypter der Antike hatten sie wegen ihrer Mäusefangkunst zur Göttin Bastet erhoben - nun aber schrieb man der Katze Hochmut und Lüsternheit zu. Mit einem Mal war sie das Tier der Hexen. Aber die Umwertung all dessen, was im Heidentum göttlich war, traf nicht allein die Samtpfoten.

Ein keltischer Mythos

Besonders die schwarzen Katzen hatten es schwer: Sie galten nicht nur als Tiere der Hexen, sondern man sagte den Hexen auch nach, sie könnten sich in schwarze Katzen verwandeln. Was dazu führte, dass schwarze Katzen zu Tausenden getötet und, ja, selbst das: verbrannt wurden. Dass schwarze Katzen heute noch ein verhältnismäßig seltener Anblick sind, liegt in diesem Irrwitz begründet. Er setzt sich auch im Aberglauben fort, schwarze Katzen seien Unglücksboten, ganz speziell dann, wenn sie von links über den Weg laufen. Die linke Seite nämlich galt als die üble Seite. Das merkt man nicht zuletzt an Redewendungen wie, dass etwas eine "linke Sache" oder eine "linke Tour" sei. Bitte allfällige politische Assoziationen hintanstellen.

Zweimal der gleiche Aberglaube, aber mit anderer Ursache: In England galten schwarze Katzen lange Zeit ebenfalls als Unglücksboten. Dort hat es allerdings mit der keltischen Mythologie zu tun - die dann, wie auf dem Kontinent, in den Hexenglauben mündet. Die Kelten glaubten an die Existenz einer Kreatur, die sie Cait Sith nannten und die wie eine riesige schwarze Katze mit einem weißen Fleck auf der Brust aussah. Der Legende zufolge kann Cait Sith die Seele einer Person stehlen.

Heute ist Cait Sidh übrigens ein Thema der Kryptozoologie: In England sollen sich große Katzen herumtreiben. Erst am 28. März dieses Jahres meldete ein gewisser James Stephenson aus Harrowbarrow (Cornwall), er habe beobachtet, wie eine große (und mit Sicherheit schwarze) Katze ein Lamm im Maul davontrug.

Jedenfalls waren die schwarzen Katzen auch in England übel beleumundet. Das führte wohl dazu, dass im 16. Jahrhundert in Lincolnshire ein Mann Steine auf eine schwarze Katze warf. Die Katze floh in das Haus einer als unheimlich geltenden Frau, die am nächsten Tag blaue Flecke am Körper hatte. Damit war der Beweis für die Verwandlung von Hexen in Katzen erbracht. Nun ging es auch in England den schwarzen Katzen an den Kragen. Mit den Siedlern schwappte der Aberglaube dann nach Amerika über.

Aber nicht überall in Europa und den USA gelten schwarze Katzen automatisch als Unglücksboten. Manchmal hängt es von ihrem Weg ab, ob sie Glücks- oder Unglücksbotin ist. In England etwa sind die mittelalterlichen Spinnereien zugunsten neuzeitlicher modifiziert: Dort bringt es jetzt Glück, wenn die schwarze Katze auf einen zugeht, aber Pech, wenn sie sich abwendet. Schlecht ist es auch für Schiffe, wenn vor dem Ablegen eine schwarze Katze an Bord und dann wieder von Bord geht.