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Jetzt ist das Schnitzel in aller Munde, sogar in denen der Vegetarier und Veganer. Natürlich nicht als Speise, sondern so quasi als Beleg für österreichische Nationalitätsfragen.

Ausgerechnet das Schnitzel.

Nichts als Ärger hat man mit Zugereisten solcher Art!

Aber man kennt das ja aus anderen Bereichen. Der Wolfgang Amadeus Mozart zum Beispiel, Namenspatron einer Konditorware (bei der auch gleich ein paar Betriebe behaupten, sie hätten die "echte" erfunden) im Hauptberuf und Nebenerwerbskomponist, war ein Zugereister aus dem "Erzstift Salzburg". Er war ein "Fürsterzbischöflich-Salzburgerischer". Kaum in Österreich, schreibt er einen Kanon auf seinen eigenen Text mit den Worten "Leck mich im Arsch g’schwindi, g’schwindi! / Leck im Arsch mich g’schwindi!"

Der Ludwig van Beethoven, zugezogen aus Bonn in Preußen: Eben in Wien, schon ergibt er sich dem Trunk. Was sich bei 40 Weinkellern allein im Bereich der heutigen Inneren Stadt sozusagen naturgemäß ergeben haben dürfte. Wenigstens ein Beethoven-Brünnerstraßler hätte herausschauen können, aber nein: Die Europahymne ist das Ergebnis. Nicht schlecht, aber für den Normal-Bürger bedeutungslos.

Die Schnitzel-Identität

Woran also soll man sich als Österreicher zur Identitätsstiftung halten, wenn nicht an das Schnitzel? Fleisch in Panier - das bedeutet Kampf für Österreich! Zumal Panier ja auch Wappen und Kampfgeschrei bedeutet.

Ja, freilich, es gibt schon ein paar andere Möglichkeiten, aber perfekt ist keine: Der Stephansdom versagt bei Nicht-Katholiken, für Riesenrad und Donauturm braucht’s einen schwindelfreien Magen - und obendrein ist das ziemlich wienspezifisch. Einem Vorarlberger braucht man mit dem Donauturm gar nicht erst unter der Nase herumzuwedeln. Die Donau ist überhaupt eine Verräterin aus nationalistischer Sicht: Quelle in Deutschland, Mündung in Rumänien, dazwischen multinationaler Verkehr mit acht Ländern, von denen Österreich nur eines ist. Typisch für so einen Fluss, dass er sich am Ende nicht entscheiden kann, wohin er will: Rumänien, Ukraine, Republik Moldau, wieder Rumänien - ein vaterlandsloses Hin und Her ist das.

Auch die Sachertorte kann man nicht national österreichisch positionieren, weil sie eben qua Namen individualistisch mit dem Sacher verbunden ist. Dessen Gründer, Eduard Sacher, kommt aus Zseliz, was keine ur-österreichische, sondern eine slowakische Stadt ist, und noch dazu ist die Sachertorte zwar weltberühmt als wienerische Tortenkreation, aber man bekommt sie nicht flächendeckend überall. Sogar in Wien soll es Lokale geben, die keine Sachertorte auf der Karte haben. Und, bitte, vergleichen, was besser klingt: "Jedem Österreicher seine Sachertorte" oder "Jedem Österreicher sein Schnitzel"?