+Graz. Schulsport: Ein harter Ball trifft Max beim Völkerball ins Gesicht, er brüllt los vor Schmerz. Petra wird erst gar nicht ins Team gewählt wegen ihrer tollpatschigen Art und Anna weigert sich mitzumachen, sie mag nicht gegen ihre beste Freundin spielen. Den meisten wird wohl ein derartiges oder ähnliches Szenario aus der eigenen Turnstunde in Erinnerung geblieben sein. Dabei gibt es aber noch ganz andere Möglichkeiten, den Leibesunterricht lustig und abwechslungsreich für Kinder zu gestalten, wodurch diese sogar nachhaltig gefördert werden - zum Beispiel durch Kinderyoga.

Sibylle Schöppel ist Kinderyogaexpertin. Die diplomierte Pädagogin unterrichtet seit 2001 Kinderyoga und bietet zudem auch in Wien Ausbildungen an, um selbst Kinderyogalehrer zu werden. Erst Anfang August ist in Graz der erste Teil eines mehrtägigen Kurses zu Ende gegangen. Bei dem hat Schöppel den Teilnehmerinnen demonstriert, wie mögliche Yogaeinheiten für Kinder aufgebaut und durchgeführt werden können. Dafür ging es entweder in das eigene Yogainstitut der gebürtigen Grazerin oder in den Stadtpark, wo gemeinsam im Grünen und in entspannter Atmosphäre verschiedene Übungen, sogenannte Asanas, durchgeführt wurden.

Yoga fördert Zusammenspiel der Gehirnhälften

Diese wirken sich nämlich vielseitig positiv auf die kindliche Entwicklung aus. Yoga arbeitet vor allem mit Gegensätzen wie Anspannung und Entspannung, Aktivität und Passivität oder Ein- und Ausatmen. Dadurch trainiert das Kind nicht nur den Körper, sondern auch das Zusammenspielen der gefühlsbetonten rechten und rationalen linken Gehirnhälfte. Je besser die beiden Hemisphären zusammenarbeiten, desto effektiver kann der Verstand auf Gefühle reagieren, diese verarbeiten und kontrollieren.

Durch das Praktizieren von Yoga können Kinder also leichter Aggressionen oder Ängste abbauen und Konzentrationsfähigkeit, Motivation und emotionale Balance werden im Gegenzug gesteigert. So wird nicht nur schulische Leistung langfristiger gefördert, sondern auch soziale Kompetenzen im Umgang mit anderen gestärkt. Zudem wird auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten erhöht, denn durch das regelmäßige Ausführen derselben Haltungen können die Kinder ihren Körper besser wahrnehmen und quasi nebenbei Selbstvertrauen und nervliche Stärke aufbauen. Sogar der Schlaf wird langfristig durch die körperliche Ertüchtigung verbessert.

Aber wie gestaltet man eigentlich so eine Kinderyogastunde? Dass die Sportart mittlerweile auch bei uns angekommen ist, dürfte an niemandem vorüber gegangen sein. Lifestyle-Magazine berichten zuhauf von der "neuen" Trendsportart, die nicht nur für den Körper, sondern vor allem psychische und spirituelle Festigung bringen soll. Aber Vorsicht! Denn bei falscher Ausführung besteht leicht Verletzungsgefahr und zudem kann es eine Herausforderung sein, die Einheiten ansprechend für Kinder zu gestalten.