Seit der Mensch zum ersten Mal nach oben blickte und einen Vogel sah, möchte er fliegen. Und seit dem ersten Muskelkater überlegt der Mensch, wie er seine eigenen Kräfte schonen und die Arbeit an Gerätschaften jeglicher Art delegieren könne. Nahezu alle bedeutenden Erfindungen der Menschheitsgeschichte, ob man den Geist hinter ihnen namentlich kennt oder nicht, sind auf die eine oder andere Weise Maschinen. Selbst die Stange, mit der der Steinzeitmensch einen Felsbrocken aus dem Weg räumte, ist gewissermaßen eine Maschine.

Den eigentlichen Schritt ins Maschinenzeitalter, in das industrielle Zeitalter, in dem wir heute noch, trotz digitaler Revolution, tief drinstecken, macht der schottische Erfinder James Watt. Sein 200. Todestag jährt sich am kommenden Sonntag, dem 25. August zum 200. Mal. Watt erfand. . .

Umwälzungen durch Maschinen

So, und jetzt Vorsicht! Denn Watt erfand keineswegs die Dampfmaschine. Das war genau genommen der französische Erfinder Denis Papin (1647-1712), der, neben dem Druckkochtopf, auch die Dampfpumpe erfand. Seine Konstruktion verbesserte der Engländer Thomas Savery (1650-1715), dessen Dampfpumpe dann der Engländer Thomas Newcomen (1663-1729) perfektionierte. Der ursprüngliche Zweck dieser Dampfpumpen war ein Einsatz im Bergbau. Newcomens Maschinen schließlich ermöglichten, tiefer zu graben als je zuvor.

Watt verlagerte - man ist versucht, das Wort "lediglich" einzufügen, aber diese Verbesserung ist dermaßen weitreichend, dass es sich verbietet - Watt also verlagerte den Kondensationsprozess aus dem Zylinder in einen eigenen Kondensator und stattete seine Maschine mit Fliehkraftreglern aus, um die Drehzahl bei Belastungsschwankungen konstant zu halten. Die Watt’sche Dampfmaschine mit ihrem Schwungrad, dem Balancier, der Kolben- und der Pleuelstange hat sich als Bild ins kollektive Gedächtnis eingegraben. Das ist die Dampfmaschine, die man vor dem geistigen Auge sieht, wenn man das Wort Dampfmaschine hört.

Diese Watt’sche Dampfmaschine ist es, die den Anfang der Industriellen Revolution verursacht und mit ihr die größten gesellschaftlichen Umwälzungen der Zivilisation in der Neuzeit. Die Watt’sche Dampfmaschine ist die Maschine. Sie kam in Fabriken zum Einsatz, sie trieb Schiffe an und Lokomotiven - und sogar ein Flugzeug, beinahe zumindest, nämlich die 1842 in Großbritannien patentierte Aerial Steam Carriage. Sie erhob sich zwar nie vom Boden, weil der 50-PS-Motor für das 1,4-Tonnen-Fluggerät mit 46 Metern Spannweite zu schwach war. Doch ein unbemanntes maßstabgetreues Modell flog 1848 einige Meter weit in einer Werkshalle. Und sie hat sich doch auch einmal richtig in die Luft erhoben, die Dampfmaschine, denn sie stellte den Antrieb für Henri Giffards Luftschiff, das am 24. September 1852 von Paris nach Trappes flog - immerhin 27 Kilometer. Auch Langstreckenflüge haben einmal klein anfangen müssen.