Morgen ist Freitag der 13. Nur so als Warnung gesagt. Schlimmer geht’s nimmer.

Doch. Wenn einem an einem Freitag, den 13. eine schwarze Katze von links über den Weg läuft, während man unter einer Leiter durchgeht, sollte man schauen, ehebaldigst zu einem vierblättrigen Kleeblatt zu kommen. Oder einem Rauchfangkehrer zu begegnen und dann einen Knopf eines Bekleidungsstücks so lange zu halten, bis man eines Fensterpolsters ansichtig wird, was allerdings im relativ warmen September mit Problemen verbunden sein könnte. Will denn niemand ein Hufeisen werfen? Obzwar dieses zum höchst unsanften Beulenerzeuger an der Stirn werden könnte an solch einem Freitag den 13. Was weiß man schon?

Am besten im Bett bleiben, Decke übers Ohr und hoffen, dass Bett, Haus und Welt an diesem Tag nicht zusammenkrachen.

Irrationale Welt

Wobei just der morgige Tag helfen kann, die Koordinaten der Vernunft zu wahren oder, je nachdem, wiederzugewinnen. Der 13. September ist nämlich der "Wider-den-Aberglauben-Tag". Einer dieser kuriosen Feiertage? - Ja, schon. Aber einer von den wirklich wertvollen dieser Art.

Gar nicht oft genug kann man die Vernunft einfordern. Und zwar, ja: auch heute. Als ob unsere europäische Gegenwart sich zunehmend der Vernunft hingeben würde. Weit gefehlt! Flache Erde und gefakte Mondlandung, Reptiloide und Bilderberger-Verschwörung, Homöopathie, Impfverweigerung, Chemtrails und vieles mehr zeigen nur eines: Der Mensch ist für den Schwachsinn bereit. Niemand ist immun. Es gibt Ärzte, die sind Zeugen Jehovas und glauben pflichtgemäß, dass Vollbluttransfusionen gegen göttliches Recht verstoßen. Es kommt nur darauf an, dass der richtige Schwachsinn auf die richtige Schwachstelle trifft.

Woher Aberglaube überhaupt kommt? Naturgemäß ist vieles kulturell bedingt. Die erwähnte schwarze Katze etwa bedeutet bei uns Pech, in England indessen Glück - zumindest in einigen Regionen. Was aber steckt am Anfang hinter dem Aberglauben?

Wahrscheinlich die mehr oder minder angeborene Hoffnung des Menschen, den Zufall manipulieren zu können.

Zum Beispiel: Vielleicht hat seinerzeit einmal eine Steinzeitfrau ihrem Steinzeitmann eine glückliche Jagd gewünscht, aber was er dann nach Höhle gebracht hat, war statt des erwarteten Mammuts eine Handvoll halbvertrockneter Pilze. Seither hält sich der Aberglaube, man könne etwas verschreien, also das Schicksal beeinflussen, indem etwas laut ausspricht. Das ist der Grund, weshalb man unter Landratten "Hals- und Beinbruch" und unter Seeleuten "Mast- und Schotbruch" wünscht: Man hofft, das Glück herbeizuzwingen, indem man das Unglück verschreit.