Wobei es, zugegeben, ja auch recht netten und sympathischen Aberglauben gibt, den nämlich, der so ein wenig augenzwinkernd stattfindet. Im Theater etwa gibt es massenhaft davon. (Und, ja: Nicht alles davon ist wirklich augenzwinkernd - kommt halt auf die Person an.) "Macbeth" etwa gilt als Unglücksstück, wenn man den Titel ausspricht; ergo heißt es unter Schauspielern "das schottische Stück". Und, bitte, die Bühne mit dem rechten Fuß zuerst betreten, das gilt für alle Stücke, ob von Shakespeare, Goethe oder Nestroy. Und nichts in der Farbe Lila tragen. Und wenn jemand toi-toi-toi wünscht, niemals und unter gar keinen Umständen dafür "danke" sagen. Das gilt auch außerhalb des Theaters. Die Lautmalerei des toi-toi-toi ersetzt übrigens das bis ins 19. Jahrhundert zu diesem Zweck übliche Ausspucken zum Zweck, böse Geister zu verscheuchen.

Oder die Sache mit dem vierblättrigen Kleeblatt: Das geht aufs Mittelalter zurück. Man glaubte auf das Alte Testament bezogen, Eva habe ein vierblättriges Kleeblatt aus dem Paradies mitgenommen, es sei also ein Teil des Gartens Eden, und auf das Neue Testament bezogen symbolisiert es das Kreuz und die vier Evangelien. Die Seligkeit ist obendrein selten. Wissenschafter vermuten, dass etwa unter tausend Kleeblättern eines vierblättrig ist.

Aber jetzt wird’s echt haarig. Denn dass man es suchen kann, das vierblättrige Kleeblatt, sich quasi als Glückssucher gebärdet, ist eine neumodische Anwandlung, die nur zeigt, dass die jungen Leut’ keine Ahnung von solchen Dingen haben. Die Großeltern- und Urgroßelterngeneration nämlich wusste noch, dass ein gesuchtes vierblättriges Kleeblatt gar nichts bewirkt. Man muss es ungewollt finden, nur dann verheißt es Glück - weil man ja das Glück nicht selbst aktiv findet, das ist dann schon rein sprachlich nicht Glück, sondern Erfolg. Das Glück, das echte, widerfährt einem ohne eigenes Zutun.

Zündhölzer vom Seemann

Freunden keine Messer schenken (sie zerschneiden die Freundschaft), keinen Spiegel zerbrechen (Scherben bringen Glück, Spiegelscherben hingegen sieben Jahre das Gegenteil davon), im Zimmer keinen Regenschirm aufspannen, nicht vor dem Geburtstag gratulieren - das alles bringt Pech. Gibt’s noch Raucher? - Bitte die Zigarre oder Zigarette nicht an einer Kerze anzünden, sonst stirbt ein Seemann. Der Hintergrund ist, dass Seemänner, die kein Schiff fanden, oft Zündhölzer verkauften. Wegen der Sparsamkeit des Rauchers kann also der Seemann nichts zu essen kaufen und verhungert. Nicht auszudenken also, was erst die Anti-Raucher-Maßnahmen der Seefahrt antun! Und beim Anstoßen mit Gläsern unbedingt in die Augen schauen, sonst folgen sieben Jahre schlechter Sex. Bitte nicht fragen, woher das kommt. Es ist einfach so. Gerade auf Hochzeiten zu beachten, die ohnedies Feste des Aberglaubens sind (die Braut muss etwas Gebrauchtes, etwas Geborgtes und etwas Blaues tragen, sonst geht die Ehe schief).

Die Katze und der Sex

Wenn doch etwas passieren sollte, man also der schwarzen Katze zwar ausgewichen, dabei aber unter eine Leiter geraten ist, bei dem pechhalber auf dem Fuße folgenden Wolkenbruch den Schirm entfaltet hat und ihn dann in der Wohnung zum Trocknen aufgespannt hat, just in dem Moment, da man mit der Freundin anstoßen will, sich erinnert, dass man den Schirm zumachen muss, weil sonst was Böses passiert und vor Schreck mit ihr den Augenkontakt verliert beim Anstoßen (ganz blöde Situation!) - dann, ja dann ist guter Rat... billig: Einfach einmal darüber nachdenken, welchen Einfluss eine schwarze Katze auf das Sexleben haben könnte. Nicht einmal die selbsterfüllende Prophezeiung kann das erklären, die freilich eine gute Erklärung dafür ist, wenn einer von einem Pech ins nächste taumelt. Wer sich nämlich auf Glück und Pech fixiert, liefert sich auf Gedeih und Verderb den Irrationalitäten aus und sieht Zusammenhänge, wo keine sind.

Und Freitag der 13.? Den haben rund 7,63 Milliarden Menschen. Was bedeutet, dass morgen 7,63 Milliarden Menschen echt Pech haben müssten.

In diesem Sinne: Toi-toi-toi für morgen. Nicht "danke" sagen!