Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, und daher auch nicht über Design. "Die Welt ist rund", sagte der am Montag 91-jährig verstorbene deutsche Designer Luigi Colani immer wieder gern. "Folglich ist auch mein Design rund. Ich hasse eckige Formen." Colani entwarf im Laufe seines Lebens etliche extravagante Fahrzeuge, die nicht jedermanns Sache waren. Aber sie waren zumindest eines: Design.

Die Autoindustrie geht gern den anderen Weg: Da geht es mehr ums Praktikable. "Die Amerikaner haben die Autos verdient, die sie sich wünschen, nicht die Autos, von denen wir ihnen erzählen, dass sie sie sich wünschen", war Herb Powell, der CEO von Powell Motors, überzeugt. Powell Motors existiert aber nur in der Welt der TV-Serie "Die Simpsons", und in einer Folge aus der zweiten Staffel wurde ausgerechnet Homer Simpson als Otto Normalverbraucher dazu auserwählt, sein absolutes Lieblingsauto selbst zu kreieren. Was dabei herauskam, sollte zum Untergang der fiktiven Powell Motors führen: "The Homer", so nannte man die Kreation, hatte alles, was Homer sich wünschte, sogar außen angebrachte Getränkehalter, eine zweite, hermetisch abgeriegelte Fahrgastkabine für quengelnde Kinder, mehrere Ablagen für den Krusty-Burger, drei verschiedene Hupen an unterschiedlichen Positionen, die alle La Cucaracha spielten. Die Serienepisode von 1992 bezog sich auf ein milliardenschweres Verlustgeschäft, das Ford in den späten 50er Jahren mit seinem Model "Edsel" einfuhr - ein Auto, das Ford damals seiner Zeit voraus wähnte, aber die Kundschaft nicht.

Das Dilemma der Designer

"The Homer": So stellt sich Homer Simpson das ideale Auto vor. - © Fox
"The Homer": So stellt sich Homer Simpson das ideale Auto vor. - © Fox

Diese "Simpsons"-Folge illustrierte ziemlich gut, in welchem Dilemma Autodesigner stecken: Es allen recht machen zu wollen, allen voran der p.t. Kundschaft, ist schier unmöglich. Zu modern, zu altbacken, zu rund, zu eckig, zu lang, zu kurz, zu gestaucht - was lässt sich nicht alles sagen über die Kreationen der Automobilhersteller, die dieser Tage wieder auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt zu sehen sind.

Das Auto hat derzeit überhaupt einen schweren Stand. Es ist Klimasünder Nummer eins, die Autohersteller belügen die Kunden, auf der IAA legen Demonstranten die Messe mit Absperrungen lahm, es soll endlich über grüne Fortbewegungsmöglichkeiten nachgedacht werden. In einer Zeit, in der Aktivistin Greta Thunberg nur mit Windkraft den Atlantik überqueren kann, braucht man sich bitte keinen tonnenschweren SUV in die Garage zu stellen. Es geht doch auch anders.