Elcanos englischer Weltumsegelungs-Nachfolger hatte ebenfalls keine sportliche Großleistung im Sinn: Francis Drake war Pirat, oder sagen wir’s vornehmer: Freibeuter. Das heißt, er hatte von Königin Elisabeth I. von England einen Kaperbrief, der es ihm erlaubte, spanische Schiffe auszurauben. Von spanischer Seite war der Schrieb naturgemäß nicht ratifiziert.

1577 brach Drake mit fünf Schiffen auf. Was er vorhatte, ist umstritten. Möglicherweise suchte er, neben der Ausübung des Piratenhandwerks, versteht sich, den sagenhaften Südkontinent Terra Australis, vielleicht die Nordwestpassage. Oder er folgte dem Kielwasser der spanischen Schiffe, um sie um ihre Schätze zu erleichtern. Drakes Weltumsegelung war quasi ein Nebenprodukt seiner Freibeuterei.

Ehrlicherweise sei zugestanden, dass die Sache mit dem Kaperbrief nicht ganz gesichert ist. Mag sein, dass Drake aus eigenen freien Stücken gehandelt hat. Dafür würde sprechen, dass sich Königin Elisabeth von ihm abwandte, nachdem sie an Bord der "Golden Hind" mit ihm soupiert hatte und den französischen Gesandten Monsieur de Marchaumont darum bat, Drake in den Ritterstand zu erheben, statt es selbst zu tun. Das Gesicht zu wahren war schon damals eine besondere Kunst der Machthaber. Selbstverständlich blieb Sir Francis gut gelitten am Hof der Königin.

Die beiden ersten Weltumsegelungen waren somit keine Absicht. Sie ergaben sich aus dem Kurs der Schiffe.

Die Seele baumeln lassen

Bei Joshuah Slocum war es anders: Der US-Amerikaner suchte das Alleinsein, den Kontakt mit der See. In den Jahren 1895 bis 1898 machte er die erste Einhand-Weltumseglung, bei der er reichlich Zwischenstopps einlegte und die Seele baumeln ließ. Der Törn war der Trip eines Aussteigers.

Sir Francis Chichester hingegen versuchte 1966 auf der "Gypsy Moth IV", seiner Krebserkrankung gewissermaßen davonzusegeln. Er startete am 27. August 1966 in Plymouth und kehrte nach nur einem Zwischenstopp am 28. Mai 1967 zurück. Chichester starb am 26. August 1972. Er gilt in Großbritannien als letzter Seeheld der Nation, obwohl auch der erste Mensch, der allein nonstop die Welt umsegelte, Engländer war, nämlich Robin Knox-Johnston, der im Rahmen des Sunday Times Golden Globe Race nach 312 Tagen allein auf See am 22. April 1969 in Falmouth anlegte. Der Franzose Bernard Moitessier hätte den Sieg in der Tasche gehabt, drehte aber im letzten Moment mit Kurs auf Tahiti ab. Und der Engländer Donald Crowhurst fälschte seine Logbücher, wurde darüber wahnsinnig und verschwand unter ungeklärten Umständen. Darüber gibt es den Film "Vor uns das Meer" mit Colin Firth.

Jules Vernes Mythos

Die Erde umrunden, die Enden der Welt überbrücken: Den Mythos dazu hat Jules Verne 1873 im Roman "In 80 Tagen um die Welt" geliefert. Das Vorbild für seinen Phileas Fogg fand er im US-Amerikaner George Francis Train, einem Kaufmann und Schriftsteller, der 1870 in 80 Tagen um die Erde gereist war. 20 Jahre später brach eine Frau Trains Rekord: Die Journalistin Nellie Bly schaffte die Erdumrundung in 72 Tagen und ohne männliche Begleitung.

Immer weiter schrumpft die Welt, als wäre sie eine vertrocknende Orange. Jetzt kommt die Fliegerei dazu. Schneller und schneller wird alles. Im Jahr 1929 braucht das Luftschiff "Graf Zeppelin" für die Strecke 35 Tage. 31,5 Stunden sind es 1995 mit der "Concorde", die ihren Passagieren zwei Sonnenaufgänge beschert und die 36.784 Kilometer mit Überschallgeschwindigkeit zurücklegt. Noch schneller ist die Raumstation ISS: Sie schafft das mit 28.000 Stundenkilometern in eineinhalb Stunden.

Aber warum denn immer nur aufs Tempo drücken? Wie sagte Goethe? - "Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen." Andrew Siess aus Minnesota umrundete die Welt zu Fuß. Mit damals 25 Jahren ist er der jüngste Weltumrunder (obwohl: Vielleicht war einer der 19 Rückkehrer der Magellan-Reise noch jünger? Wo mag das verzeichnet stehen?) Siess’ Wanderung dauerte 1020 Tage. Mit Fug und Recht kann er von sich sagen, in der Welt zu sein.