Einst verbrannten Frauen im Rausch psychedelischer Drogen in Woodstock ihre BHs, weniger als ein Jahrzehnt später schnürten sich in New York und London die ersten Punks die Springerstiefel und Anfang der 1980er begannen schwarz gekleidete, leichenblasse Gestalten mit allerlei Metallapplikationen im Gesicht, eingeschüchterte Passanten zum Wechseln der Straßenseite zu veranlassen. Jugendbewegungen haben viele Gesichter und Facetten. Oftmals sind sie eine Reaktion auf die politischen Umstände, siehe friedliebende Hippies im Angesicht des US-amerikanischen Vietnamkriegs, und/oder sozialen Bedingungen ihrer Zeit, so zum Beispiel die britischen Mods, die durch teure Kleidung und exzessiven Lebensstil ihrer Herkunft aus der Arbeiterklasse zu entkommen suchten. Mit einschlägiger Kleidung, Frisur und Make-up gaben (und geben) die juvenilen Subkulturen auch Lebenseinstellung und Normen sowie Musikgeschmack ihrer Mitglieder vor.

Der gemeine "eMensch"

Alle Jahre wieder kommen dahingehend neue Trends auf, diesmal lauten die klingenden Namen der neuen Subkulturen: "eBoys" und "eGirls" sowie "Softboys". Dass diesmal Soziale Medien und die entsprechende Selbstinszenierung auf selbigen nicht zu kurz kommen darf, versteht sich von selbst. Schließlich ist diese Generation mit Handy, Internet und Co groß geworden. Das "e" in "eBoys" und "eGirls" steht für "electronic", dementsprechend spielt sich ein hoher Anteil dieser Subkultur online in sozialen Netzwerken wie Instagram oder TikTok ab. Während der Hashtag "eBoy" auf TikTok 100 Millionen Views aufweist, sind es bei "eGirl" sogar über eine halbe Milliarde. Beide Begriffe können sowohl rein deskriptiv wie auch in abwertender Weise verwendet werden. "eGirls", als dominierender wie auch länger bestehender Archetypus der "ePeople", zeichnen sich durch punkige Kleidung und starkes, Goth-inspiriertes Make-up aus. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf das Rouge gelegt, das nicht nur auf die Wangen, sondern auch auf die Nase aufgetragen wird. Weiters gehören kleine schwarze Herzen unterhalb der Augen zum Standardrepertoire. Das Haar wird gerne in Zöpfchen getragen und in alle Farben des Regenbogens getönt. Es entsteht eine schräge Mischung aus zum Teil recht freizügiger Kleidung und kindlichen Elementen, Verniedlichung und Objektifizierung. Obligatorisch ist außerdem, ebenso bei den männlichen Vertretern der Bewegung, eine intensive Präsenz auf Sozialen Medien und das Kultivieren einer regelrechten Online-Persona. "eBoys" sind äußerlich schnell an ihrer Kleidung nach Skater- und Emo-Ästhetik, schwarzem Nagellack, dem einzelnen baumelnden Ohrring und der voluminösen Haarpracht zu entlarven, die ihnen immer wieder neckisch in die Augen fällt.