Tage wie diesen sollte es nicht geben dürfen!

Der letzte Samstag im September ist der "Tag der Geisterjagd". In diesem Jahr ist das der 28. September. Aber lasst doch die Gespenster in Frieden spuken!

Wobei: Der Tag ist erstens amerikanisch, obwohl die Ghost-Hunting-Organisation internationale Ansprüche anmeldet (zu Recht - Gespenster gibt es auch in Europa, wie jeder Schotte freigiebig erzählen kann), und zweitens ist es eine Sache der Übersetzung. "Ghost Hunting" ist eher "Ghost Watching". Man schaut, ob man ein Gespenst findet, nicht dass man es einsperrt oder ihm sonst etwas antut, wie es die "Ghostbusters" im Film machen, der ohnedies wegen Gespensterquälerei höchst dubios ist.

Leintuch über dem Kopf

Gespenster sind faszinierend. Ein anziehendes Konzept steckt hinter ihnen: Nach dem Tod geht es weiter. Das Gespenst beweist das Überleben der Seele, der Lebensenergie, wie auch immer man es nennen mag, was den Menschen zum Menschen macht. Weshalb sich die dahingeschiedene Seele unter einem Leintuch verstecken muss? - Nicht darüber nachdenken, das ist gewiss nur der Versuch, sozusagen aufgelöste Konturen eines Menschen darzustellen.

Stimmt schon, Gespenster tauchen so auch in der Literatur auf, zum Beispiel als Otfried Preußlers "kleines Gespenst", das die Sonne sehen will und sich, von deren Strahlen getroffen, schwarz färbt.

Marleys Gespenst in Charles Dickens "Weihnachtsgeschichte" und Oscar Wildes "Gespenst von Canterville" hingegen erscheinen in menschlicher Form. Und sollte der Geist in Shakespeares "Hamlet" mit Bettlaken über dem Kopf auftreten, kann das nur ein Regietheater-Gag sein. Ein ordentliches Gespenst tritt nicht als wandelnder Wäscheständer auf, es verbreitet vielmehr dieses gewisse Gefühl von "da ist doch etwas im Zimmer, was nicht im Zimmer sein dürfte . . ."

Damit zu den bösen Gespenstern der beiden nicht bluts-, aber in diesen Geschichten geistesverwandten Autoren mit Nachnamen James. Henry hat die perfekteste Gespenstergeschichte überhaupt geschrieben, weil sie möglicherweise keine Gespenstergeschichte ist. Es kann nämlich sein, dass der Spuk in "The Turn of the Screw" nur im überspannten Geist der Ich-Erzählerin stattfindet. Es wäre aber auch möglich, dass der Spuk real ist. Mit beiden Sichtweisen ist die Geschichte der unheimliche Klassiker schlechthin. Apropos Henry James: Auch "Owen Wingrave" gewinnt seine fabelhafte Spannung aus der schlichten Frage, was genau dieses Ende bewirkt hat.