Hüpfen und Springen im Zoom-Kindermuseum. - © J.J. Kucek
Hüpfen und Springen im Zoom-Kindermuseum. - © J.J. Kucek

Dass Museen nicht unbedingt die buntesten und lustigsten Orte sind, weiß jedes Kind. Diesem Vorurteil widersetzt sich das Mitmach-Konzept des Zoom-Kindermuseums im Wiener Museumsquartier. Auch bei der neuen Ausstellung "Von Kopf bis Fuß" haben die Kuratoren für Kinder ab sechs Jahren wieder ordentlich den Zauberstab geschwungen und Bildung zum Anfassen und Ausprobieren geschaffen.

Bei "Von Kopf bis Fuß" geht es um das Wunder des eigenen Körpers. Am Anfang erhalten Kinder und Eltern eine kleine Einführung zur Ausstellung und insbesondere zu den Zellen, den winzig kleinen Einzelteilen, aus denen jeder von uns besteht. Dann geht’s los. Unter hautfarbenen Stoffbahnen liegt die Station zum ersten Sinnesorgan: die Haut. Es soll ordentlich hingefühlt werden, Mikroskope laden zur Selbstuntersuchung von Leberfleck und Muttermal ein und über Farbkarten kann eingeschätzt werden, ob die eigene Hautfarbe sich eher im Bereich "Ahornsirup" oder "Marsmännchen" bewegt.

Körpererfahrungen. - © JJ.Kucek
Körpererfahrungen. - © JJ.Kucek

Weiteres Highlight ist das "Rotzlabor". Klingt eklig? Ist es auch! Gemeinsam mit einer Aufsichtsperson wird der reinigende Rotz zusammengepanscht und mit Weißen Blutkörperchen, der Exekutive des Immunsystems, versehen.

Dann geht’s ans Keime-Rausspülen. Im Rotzlabyrinth wird der zuvor fabrizierte Nasenschnodder nun genutzt, um kleine Krankheitserreger von einer schiefen Ebene zu waschen. Zielgenauigkeit ist gefragt! Überflüssig zu erwähnen: Dieser ist ein äußerst reinigungsintensiver Zwischenstopp, bevor es für die kleinen Besucher dann weiter in den Magen-Darm-Trakt geht.

Im Traum-Raum

Durch einen riesigen rosaroten Mund flutschen sie über die Speiseröhrenrutsche weiter in den Magen, wo unter verdauungstypischem Gegurgel Trampolin gehüpft werden kann. Es folgen der Dünndarm, in dem ein Gewirr aus roten Gartenschläuchen die Einfaltungen der Darmwand darstellen soll, ein gruslig-dunkler Dickdarm und schließlich eine helle, kreisförmige Öffnung am Ende des Tunnels, durch die man in einen großen Haufen brauner Polsterwürste purzelt.

Ein kurzer Abstecher zum Herz-Kreislaufsystem. Da muss ordentlich gepumpt werden, damit auch das Gehirn mit Sauerstoff versorgt ist und vor Freude aufleuchtet. Auch die Notwendigkeit von Bewegung für ein gesundes und langes Leben, wird den Zwergen nahegelegt. Auf einem Fernseher zeigen zwei Betreuer Yoga-Positionen zum Nachmachen vor. Als ob das moderne Kind noch Hampelmänner oder Strecksprünge machen würde, also bitte. Vorletzte Station ist dann das Körpertheater, wo die Kleinen lernen, Körpersprache mit Emotionen zu assoziieren. Und wer nach all der Aufregung erledigt ist, dem wird der letzte Stopp gefallen: Im Traum-Raum sind Schlafmützen willkommen.

Man ist sich nicht ganz sicher, ob man in einem Museum oder einem Indoor-Abenteuerspielplatz gelandet ist, wenn man das Zoom-Kindermuseum betritt. Alles ist bunt und lädt zum Erforschen ein. Der Spieltrieb kleiner Rabauken wird genutzt, um ihnen diskret Wissen unterzuschummeln, und das funktioniert erstaunlich gut. Einziges mögliches Manko: Das Thema Geschlechtsorgane und Sexualität wird völlig außer Acht vorgelassen. Auch wenn man das recht junge Alter der Besucher (sechs bis zwölf Jahre) bedenkt, so wünscht man sich doch ein zartes Heranführen an die Thematik, damit von klein auf Sexualität als etwas Natürliches vermittelt und Tabuisierung entgegengewirkt wird. Da hätte man sich doch etwas mehr Wagemut gewünscht.