Dieser unsägliche Schreck, der einem durch sämtliche Glieder zuckt, wenn man die bevorzugte Lagerungs-Jacken- oder Hosentasche für das geliebte Mobiltelefon befühlt, die Fingerspitzen aber ins Leere tasten. Der Puls steigt, die Handflächen schwitzen, wo ist der ständige Begleiter bloß abgeblieben?

Was man da erfährt, ist ein akuter Anfall von Nomophobie - lautmalerisch zusammengesetzt aus No-Mobile-Phone-Phobia, eine vom UK Post Office geprägte Abkürzung der Trennungsangst vom Smartphone. Sie ist laut gängiger Definition eine Begleiterscheinung der gemeinen Handyabhängigkeit, deren schwerste Fälle sich vor allem in der Bevölkerungsschicht der Teenager und jungen Erwachsenen finden und zumal auch mit zwanghaftem Selfie-Verhalten einhergeht. Spaß und Blödeleien beiseite, handelt es sich hierbei um ein ernstes Thema und ein Verhaltensmuster, das den Alltag Betroffener sowie deren psychische und langfristig auch physische Gesundheit nach Expertenmeinung erheblich beeinträchtigen kann. Und da hört sich der Spaß dann definitiv auf.

Sucht wird zumeist mit Substanzmissbrauch in Verbindung gebracht, was allerdings nur eine Möglichkeit ist, sich tief im Sumpf der Abhängigkeit zu verlieren. So gibt es auch die sogenannten Verhaltenssüchte, wie Michael Musalek, Ärztlicher Direktor des Anton Proksch Instituts im 23. Wiener Gemeindebezirk, erklärt. Dazu gehören etwa die Spielsucht oder auch die Kaufsucht. Der Begriff Sucht bezeichnet laut Musalek ein Abhängigkeitssyndrom sowie eine schwere Erkrankung. Sie wird durch sechs Kriterien beschrieben, deren zentrales der Kontrollverlust Betroffener ist. Weitere Kriterien sind: Toleranzentwicklung, für gleiche Effekte wird bald eine höhere Dosierung benötigt; "Craving", der Drang das Suchtmittel erneut zu konsumieren; körperliche Abhängigkeit, sie zeigt sich zum Beispiel in Entzugserscheinungen; Konsum des Suchtmittels trotz negativer Konsequenzen; und schließlich, als Spätkriterium, die Ausrichtung des kompletten Lebens auf die Sucht. Sind mindestens drei der Kriterien über einen Zeitraum mehrerer Monate zutreffend, so wird die Erkrankung als Sucht eingestuft. Allerdings werden auch schon ein bis zwei zutreffende Kriterien mitunter als problematisch erachtet.

Die Sucht nach "World of Warcraft"

Neben den Klassikern Alkohol, Nikotin und diversen synthetischen Drogen bieten sich inzwischen auch die etwas exotischeren Süchte unseres modernen Zeitalters an. Die Neigung zur Sucht ist immer auch von der Verfügbarkeit des jeweiligen Suchtmittels abhängig, betont Musalek, und das geliebte Smartphone ist eben stets zur Hand. Doch eine tatsächliche Mobiltelefon-Sucht gibt es laut dem Experten so nicht. Vielmehr verweist er auf die große Oberkategorie Online-Sucht, die sich in die Abhängigkeit von Online-Glücksspiel, Social Media und sogenannten Persönlichkeitsspielen, bei denen man relativ lange im Internet bleiben muss (ein Beispiel ist etwa "World of Warcraft"), einteilen lässt.