Prag. "Die Nachrichten von meinem Tod sind stark übertrieben", hat Mark Twain einmal gesagt. Karel Gott, die tschechische Schlagerlegende, hat im Februar mit einem ähnlichen Statement aufhorchen lassen. In seiner Heimat war das Gerücht vom Ableben des Sängers durch die Sozialen Medien gegeistert. "Ich möchte jener Person ins Gesicht schauen, die mich lebendig begraben hat. Vielleicht hat sie sich zumindest dabei amüsiert", reagierte Karel Gott via Facebook. "Für alle, die sich Sorgen um mich machen: Mir geht es gut."

An diesem Mittwoch wartete man leider vergeblich auf eine solche Entwarnung: Karel Gott ist in der Nacht davor im Alter von 80 Jahren verstorben. "Er ist zu Hause von uns gegangen, in ruhigem Schlaf, im Kreis seiner Familie", erklärte seine Ehefrau Ivana Gottova. Im September 2019 hatte der Sänger öffentlich gemacht, dass er an akuter Leukämie litt. Eine erste Krebserkrankung am Lymphsystem hatte er wenige Jahre zuvor überstanden.

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Vom Lehrling zum Weltstar

1939 war Karel Gott im böhmischen Ort Pilsen geboren worden, nach der Schule strebte er vorerst den Beruf des Elektrikers an. Der Lehrling vernachlässigte aber auch sein Gesangstalent nicht, trat in den Prager Tanzcafés auf und wurde bei einem Nachwuchswettbewerb entdeckt: Der tschechoslowakische Bandleader Karel Krautgartner nahm ihn in der Folge auf eine Tournee mit und vermittelte ihn dem Prager Konservatorium. Dort schulte der Jüngling drei Jahre seinen Gesang und entwickelte jenen warmen, kultivierten Klang, für den er später als "die Goldene Stimme aus Prag" gerühmt wurde. Wesentliche Impulse empfing er auch im Ausland: Noch bevor die Weltkarriere des Karel Gott begann, verbrachte er im Jahr 1967 sechs Monate in Las Vegas, wo Entertainment-Ikonen wie Frank Sinatra und Sammy Davis Jr. den Ton angaben.

Im Sommer 1968 stand er dann erstmals im großen Rampenlicht: Karel Gott trat für Österreich beim Eurovision Song Contest mit dem Lied "Tausend Fenster" aus der Feder von Udo Jürgens an. Die Teilnahme bescherte ihm zwar nur den bescheidenen 13. Platz, sicherte ihm aber die Aufmerksamkeit der Schlagerindustrie der Bundesrepublik Deutschland.

In der Folge ließ Karel Gott die Kasse mehr oder minder unausgesetzt klingeln, die Hits kamen Schlag auf Schlag: 1969 beglückte der "Sinatra des Ostens" mit der unverkennbaren Aussprache das Schlagerpublikum mit seiner "Lady Carneval", ein Jahr danach folgte die Fernweh-Ode "Einmal um die ganze Welt", 1979 beschwor Karel Gott mit seiner "Babièka" das Kolorit der tschechischen Kindheit, 1985 nahm er unter dem Titel "Fang das Licht" eine Glückshymne auf, die sich einer ganzen Generation via "Wurlitzer" eingeprägt hat. Seinen vermutlich größten Hit hatte der Sänger allerdings schon davor mit der "Biene Maja" gelandet, dem Titellied zu der gleichnamigen Kinderserie. Diese Musik ließ vergessen, dass die Zeichentrick-Reihe rund um eine pummelige Biene und ihren müßiggängerischen Freund Willi vorrangig in Japan entstanden war: Das Lied von der "Biene Maja", komponiert von Gotts Landsmann Karel Svoboda, vermengte eine nektarsüße Melodie mit einem Tröpfchen Melancholie und verlieh der TV-Serie gemeinsam mit Gotts Honigtenor eine tschechische Note. Als Single landete das Lied 1977 auf Platz eins der Schlagerparade des NDR.

Staatstrauer in Tschechien

Ein Spitzenplatz, auf den Karel Gott längst abonniert war. Der Belkantist des Schlagers verkaufte Schätzungen zufolge mehr als 50 Millionen Tonträger, wurde mit rund 50 silbernen, goldenen und diamantenen Schallplatten ausgezeichnet. Die meisten seiner Veröffentlichungen sang er auf Deutsch, dennoch wählte das tschechische Publikum Karel Gott 40 Mal in fünf Jahrzehnten zum beliebtesten Künstler.

Entsprechend groß ist die Trauer im Heimatland über den Tod des Sängers, der sich politisch niemals deklarierte und sich vor allem als musikalischer Bote des Frohsinns verstand. Am Zaun seiner Prager Villa prangten am Mittwoch Blumen; am Rathaus seiner Geburtsstadt Pilsen wurde Trauerbeflaggung gehisst. Der tschechische Regierungschef Andrej Babiš kündigte ein Staatsbegräbnis im Prager Veitsdom und einen nationalen Trauertag an, den das Parlament noch absegnen muss. "Karel Gott hat sich das mit Sicherheit verdient", erklärte der 65-jährige Politiker und würdigte den Sänger als "einen der größten Tschechen". (irr)