Tag des Brotes ist heute und zugleich Welternährungstag. Ein sinnvolleres Zusammentreffen ist kaum möglich. Denn Brot steht für Leben. Und das wohl, seit der Mensch zum ersten Mal Mehl mit Wasser vermischt und den Brei auf einem heißen Stein getrocknet hat.

Die Sprachaffinen werden darauf verweisen, dass es das Deutsche ja ohnedies ganz leicht macht, dem Mysterium Brot auf die Schliche zu kommen. Ja, gewiss, die Spitzfindigen werden einwenden, dass der Brotlaib mit "a" geschrieben wird, der menschliche Leib hingegen mit "e". Aber das ist eine Marginalie, die sich aus der Barockzeit in die Gegenwart gerettet hat. Der Laib mit "a", so erklärt das Lexikon, ist als Maßeinheit gedacht, der Leib mit "e" als Bezeichnung für den Körper.

Je nun, soll sein - Laib oder Leib, es geht um den Zusammenhang von Brot und Leben.

Mythos Brot

Und diesen Zusammenhang stellt nicht allein die deutsche Sprache her. Das Neue Testament etwa verwendet an einer seiner wichtigsten Stellen die Brot-Symbolik, wenn Jesus beim Letzten Abendmahl das Brot mit seinen Jüngern teilt und sagt: "Dies ist mein Leib."

Dabei spricht er freilich nur aus, was in seiner Tradition gang und gäbe ist: Wenn man miteinander das Brot teilt, dann teilt man ein Stück Leben. So kann denn auch Antoine de Saint-Exupéry in seinem "Flug nach Arras" ein wesentlich weiseres Wort schreiben als alles, was er seinem naseweisen Kleinplanetenbewohner in den Mund legt: "Der Geschmack des geteilten Brotes hat nicht seinesgleichen."

Fern aller religiösen Zusammenhänge kreisen um dieses tägliche Brot unzählige Sprichwörter und Zitate. Und fast immer geht es in ihnen darum, dass Brot Leben, im schlimmsten Fall Überleben bedeutet. "Mit Brot ist kein Kummer eine Not" sagt etwa ein spanisches Sprichwort, und in Russland heißt es: "Das Brot hält den Menschen warm, nicht der Pelz." Und einer meinte gar: "Die Menschen brauchen nicht Freiheit, sie brauchen Brot." Das sagte Fjodor Michailowitsch Dostojewski, der als Strafgefangener wegen revolutionärer Umtriebe wohl um den Wert der Freiheit wusste und doch das Brot über sie stellte. Das erinnert stark an die Bitte um das tägliche Brot im Vaterunser.

Apropos: Es ist angesichts der russischen Brot-Besessenheit, die nur noch von der im deutschsprachigen Raum übertroffen wird, kein Zufall, dass in Nikolai Gogols grandioser Groteske "Die Nase" der Barbier Iwan Jakowlewitsch eine Nase ausgerechnet in einem Laib frisch gebackenen Brotes findet, das er mit Zwiebeln zum Frühstück essen will, und zwar statt Kaffee zu trinken. Solche Frühstücksgewohnheiten wären übrigens einer gesonderten Betrachtung wert. Allein, wenn man daran denkt, welchen Stellenwert der Morgenkaffee auf Facebook einnimmt, da zieht er fast mit der Katze gleich. Aber das nur am Rande.