Rom/Ercolano. Die "Casa del bicentenario" in Herculaneum am Golf von Neapel nahe Rom ist wieder zugänglich. Das Haus gibt Auskunft über die Wohn- und Lebensverhältnisse vornehmer Römer im ersten nachchristlichen Jahrhundert.

Herculaneum, benannt nach dem griechischen Halbgott Herakles, der gemäß der Sage an diesem Ort den Raubmörder Cacus erschlagen hat, wurde, ebenso wie Pompeji, beim Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 nach Christus verschüttet und von der Lava unter Luftabschluss in weiten Teilen konserviert.

Ein Zufallsfund

Die Casa del Bicentenario war aller Wahrscheinlichkeit nach die Villa eines vermögenden römischen Patriziers. - © APAweb / APA/REUTERS/Ciro De Luca
Die Casa del Bicentenario war aller Wahrscheinlichkeit nach die Villa eines vermögenden römischen Patriziers. - © APAweb / APA/REUTERS/Ciro De Luca

Herculaneum war zur Zeit des Vulkanausbruchs eine kleine Hafenstadt mit etwa 4000 Einwohnern. Der Handel spielte offenbar keine große Rolle. Allerdings kam der Stadt ihre malerische Lage und, antiken Berichten zufolge, ihre besonders reine Luft zugute: Reiche römische Familien wählten sie als Freizeitort und bauten dort ihre Villen.

1709 stieß ein Bauer beim Ausschachten eines Brunnens zufällig auf die Reste des Theaters von Herculaneum. Daraufhin kaufte Emmanuel Maurice de Lorraine Herzog von Elbeuf, ein verbannter  französischer Aristokrat, der als Befehlshaber der österreichischen Armee in Neapel stationiert war, das Areal und ließ auf eigene Kosten erste Ausgrabungen vornehmen. Die sogenannte "Große Herkulanerin" und die zwei "Kleinen Herkulanerinnen" schenkte Elbeuf dem Prinzen Eugen in Wien. Aus dessen Nachlass gelangten die Statuen dann 1736 an den Dresdner Hof von Kurfürst Friedrich August II., dessen Tochter Maria Amalia Christina 1738 mit dem König von Neapel und Sizilien, Karl VII., später Karl III. von Spanien, verheiratet wurde. Dieser König Karl VII. ließ ab 1738 systematische Ausgrabungen durchführen, die seither nicht mehr ruhten.

Ein Fresko in der Casa del Bicentenario. - © APAweb / APA/AFP/Andreas Solaro
Ein Fresko in der Casa del Bicentenario. - © APAweb / APA/AFP/Andreas Solaro

Römischer Luxus

Die jetzt wieder zugänglich gemachte "Casa del bicentenario" wurde 1938 entdeckt. Die weiträumige Anlage sowie die luxuriöse Ausstattung mit Mosaikfußböden und mit Fresken bemalten Wänden lassen auf das Haus eines Patriziers schließen. Die Gemälde erzählen den Mythos von Daedalus und Pasiphae und des Liebespaares Venus und Mars.1983 war das Haus geschlossen worden, weil es aufgrund von Baufälligkeit als unsicher für Besucher galt.

Ein Fresko in der Casa del Bicentenario.
 - © APAweb / APA/REUTERS/Ciro De Luca
Ein Fresko in der Casa del Bicentenario.
- © APAweb / APA/REUTERS/Ciro De Luca

An der mehrere Jahre beanspruchenden Restaurierung beteiligte sich Leslie Rainer, Experte des Getty Conservation Institute, das sich am Projekt beteiligt hat. Zu den Sponsoren der Restaurierung zählt die Stiftung Packard. "Diese Restaurierung ist das Resultat einer fruchtvollen Zusammenarbeit zwischen dem italienischen Staat und Privaten zum Schutz unseres archäologischen Kulturerbes", kommentierte Kulturminister Dario Franceschini.

Revitalisierung durch EU-Gelder

Ein Fresko in der Casa del Bicentenario. - © APAweb / APA/REUTERS/Ciro De Luca
Ein Fresko in der Casa del Bicentenario. - © APAweb / APA/REUTERS/Ciro De Luca

Die antiken Stätten Pompeji und Herculaneum waren lange Jahre Schmerzenskinder Italiens. Der für Pompeji zuständige Archäologe Francesco Muscolino spricht von langjährigem politischen Desinteresse, Misswirtschaft und mafiosen Machenschaften. Die beiden Ruinenstätten schienen dem Verfall preisgegeben. Erst, als die EU 105 Millionen Euro bereitstellte, um die beiden UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten zu retten, setzte das grundlegende Umdenken ein, dem sich auch private Geldgeber anschlossen.

Heute sind beide Stätten revitalisiert, und auch die Grabungen konnten wieder aufgenommen werden.