Alles ist Erfindung. Nur ist das in einigen Fällen so vergessen wie der Name des Erfinders. Und nicht jede Erfindung lässt die Augen so leuchten wie eine Dampfmaschine, eine Schiffsschraube oder eine Mondrakete. Zum Beispiel hat irgendwann ein Steinzeitler gemeint, dass es sich auf dem harten Boden ungut schläft. Also schnell ein paar Steinplatten im Rechteck aufgestellt und den Freiraum innen mit Moos und Seetang aufgefüllt. Dem Erfinder des Bettes hat keiner ein Denkmal gesetzt - außer er sich selbst, eben mit seiner Erfindung. In Skara Brae auf Orkney Mainland kann man sie begutachten. Die Unterschiede zu Fred Feuersteins Lebensumständen sind marginal.

Der Reiz der Erfindungen

Oder: Gesetzt den Fall, jemand muss ein schweres Objekt heben, kommt ihm eine Vorrichtung zugute, die im Prinzip ein Flaschenzug sein wird. Diesmal weiß man den Namen des Erfinders: Archimedes. Seine Lebensdaten: ungefähr 287 bis 212 vor Christus. Jeder Baumarkt müsste ihm ein Denkmal setzen.

Am kommenden Samstag ist der Tag der Erfinder. Das ist kein Zufall, denn dieser 9. November ist der Geburtstag von Hedy Lamarr. Die gebürtige Wienerin durchbricht die Phalanx der meist männlichen Erfinder. Obendrein hat sie ein spektakuläres Vorleben als die Schauspielerin, die als erste in einem Film eine ausgiebige Nacktszene und einen Orgasmus gespielt hat. Das war in "Ekstase", 1933. 1937 verließ Hedy Lamarr Österreich. Sie war Jüdin und wusste die Zeichen der Zeit zu deuten.

In den USA entwickelte sie 1942 gemeinsam mit dem Komponisten George Antheil, der aufgrund seiner frühen avantgardistischen Werke als "Bad Boy of Music" bekannt war und in einem Werk mit Lochstreifen für mechanische Klaviere gearbeitet hatte, das Frequenzsprungverfahren. Es war zur Steuerung von Torpedos gedacht, doch das wesentlichste Anwendungsgebiet ist heute das mobile Telefonieren.

Der Reiz der Erfindung - der Reiz des Erfinders: Schon in Kinderbüchern wird er ausgekostet, aber meistens haben diese Erfinder etwas Seltsames an sich, sind Eigenbrötler oder Spinner, wie etwa, nomen est omen, Professor Hirnschlag, dessen Abenteuer der Brite Norman Hunter erzählt. Es ist keine allzu drastische Übersetzung des Namens, der Erfinder nützlicher Dinge, denen allen eines gemeinsam ist, nämlich nicht zu funktionieren, heißt im Original "Brainstawm".

Nun gibt es ganz seriöse Erfinder, die ganz seriöse Erfindungen gemacht haben. Wer wollte einem Benjamin Franklin (Blitzableiter), einem Viktor Kaplan (Turbine) oder einem Peter Mitterhofer (Schreibmaschine) absprechen, den Ernst des Lebens erfahren zu haben, zu dessen Versüßung ein Paul Fürst durch die Erfindung der Mozart-Kugel einen wesentlichen Beitrag geleistet hat?

Aber, Hand aufs Herz, wirklich spannend wird es erst, wenn zwei sich streiten. Wer hat‘s erfunden? - Im Zweifelsfall: die Chinesen, ganz egal, ob Schießpulver, Papier oder Magnetkompass. Also kann man das Reich der Mitte getrost ausklammern, weil es sonst langweilig wird, und sich westlichen Breiten zuwenden. Die Schiffsschraube - Josef Ressel oder Robert Fulton? Das Motorflugzeug - die Brüder Wright oder Gustav Weißkopf? Die Glühlampe - Thomas Alva Edison oder Heinrich Göbel?

Und dann sind da noch die richtigen Spinner. Soll man Leonardo da Vinci hier einreihen oder bei den Genies, die nur ihrer Zeit voraus waren? Immerhin: Fallschirm, Taucheranzug, Kampfpanzer. Jedenfalls ist Nikola Tesla ein idealer Kandidat für den Thron der Spinner-Erfinder: Wechselstrom - gewiss, aber auch die "freie Energie", die jüngst wieder die Esoteriker fesselt.

Sogar ein Tisch ist irgendwann einmal erfunden worden. - © donatas1205/stock.adobe.com
Sogar ein Tisch ist irgendwann einmal erfunden worden. - © donatas1205/stock.adobe.com

Apropos Erfinder: Wer denkt da nicht an Daniel Düsentrieb? Im Original heißt er Gyro Gearloose und wurde von Carl Barks für die Donald-Duck-Comics erfunden. Die geniale Namensgebung im Deutschen stammt von Erika Fuchs. "Dem Ingeniör ist nichts zu schwör", sagt er und erfindet einen Brotschmierapparat und ein tragbares Loch.

Da fällt einem Travnicek alias Helmut Qualtinger ein, der hat "Würstel, die nicht platzen können" erfunden. Da sie aus Gummi bestanden, konnte man sie zwar nicht essen. "Aber sie tun auch nicht platzen", beharrte Travnicek völlig zurecht.

Frisch auf also zu neuen Erfindungen: Egal, ob Gartenschlauchstopfapparat, Steingutvasenpresse oder ein Klebstoff, um herabgefallenes Laub wieder anzukleben - vielleicht ergibt sich daraus etwas Brauchbares. Schließlich war auch Johann Friedrich Böttgers Porzellan eine Zufallserfindung.

Natürlich gab es das lange vorher schon bei - erraten: den Chinesen. Wetten, das Bett geht auch auf ihr Konto?