Ihre Gedanken zum Unfehlbarkeitsdogma sind sehr interessant. Woher kennen Sie die kirchlich-theologischen Hintergründe so genau?

Der Widerspruch von zwei "unfehlbaren" Päpsten, die sich in vielen Dingen nicht einigen können, ist der perfekte Ausgangspunkt für ein Drama. Ich habe die Ursprünge der päpstlichen Behauptung der Unfehlbarkeit und die Grenzen dieser Behauptung genau untersucht. Es ist ein faszinierendes Rätsel.

Glauben Sie an einen historischen Wendepunkt innerhalb der katholischen Kirche?

Ich bin seit 50 Jahre Katholik und habe in dieser Zeit wenig Veränderung erlebt. Und obwohl es Klagen gibt, dass sich die Kirche nicht schnell genug ändert, habe ich jetzt trotzdem das Gefühl, dass sich ein Fenster geöffnet hat und frische Luft die Vorhänge durcheinanderwirbelt und den Raum erfüllt.

Sind Sie religiös?

Ich schwanke zwischen Glauben und Nicht-Glauben. Manchmal in einem ruhigen Moment bin ich fast geschockt, wenn ich über etwas Wunderbares auf der Welt nachdenke, für das, meiner Meinung nach, die einzige Erklärung, die ausreicht, um es zu beschreiben, Gott ist.

Filmemacher Wim Wenders argumentiert in seinem Dokumentarfilm über Papst Franziskus, dass Franziskus der Kirche "mehr als die meisten seiner Vorgänger" gebracht hat.

Ich würde ihn allein für seine Positionen zur Umwelt feiern. Aber ich bewundere ebenso, dass er es sich erlaubt, spontan und vernünftig über Fragen der Ungleichheit des Wohlstands, der Homosexualität, der Geschiedenen zu sprechen. Ein Papst, der sagt, dass auch Heiden in den Himmel kommen können, verdient meinen Respekt.

Der oscarnominierte brasilianische Regisseur Fernando Meirelles hat Ihr Drehbuch für Netflix verfilmt - mit Anthony Hopkins als Benedikt und Jonathan Pryce als Kardinal Bergoglio. Welche Rolle spielten Sie während der Dreharbeiten?

Im Wesentlichen war ich ein stiller Beobachter und schrieb gelegentlich einige neue Zeilen, um das Potenzial der beiden charismatischen Schauspieler noch mehr auszuschöpfen. Ich wusste nicht, dass Anthony Hopkins Konzertpianist werden wollte, bevor er Schauspieler wurde. Deshalb war es eine besondere Freude, die Filmsequenz, in der Benedikt Klavier spielt, zu erweitern. Es gibt tatsächlich ein kleines Musikstück, das Anthony selbst komponiert hat.

Und wie war Ihr persönlicher Eintritt in die Filmwelt?

Aufregend und sehr gut bezahlt.

Sie schreiben Theaterstücke, Romane, Drehbücher, sind Produzent. Was treibt Sie an?

Ich denke, der klinische Begriff
ist Aufmerksamkeitsdefizitstörung (lacht) oder man könnte es einfach als Neugierde bezeichnen. Ich liebe neue Herausforderungen. Ich bin gerade mit meinem neuen Buch, das von Arthur Schnitzlers Roman "Der Reigen" aus dem Jahr 1900 in Wien, inspiriert ist und im heutigen New York spielt, fertig geworden. Und wie gesagt, der Wechsel zwischen diesen Medien und Rollen ist für mich kein Problem, sondern erfrischend und verjüngend. Und die Lektionen, die ich bei einer Form lerne, bieten mir bei der anderen auf einmal ungeahnte Möglichkeiten. Zum Beispiel in einer Szene extrem nah heranzuzoomen - nur eben mit Sprache statt mit Bildern. Das Stückeschreiben lehrte mich, wie viel von der Handlung rein in dem Gesagten enthalten sein könnte. Meine Romane haben daher wahrscheinlich etwas mehr Dialoge als normalerweise. Außerdem lernte ich, wie wichtig es ist, Charaktere auf eine für sie einzigartige Weise zum Sprechen zu bringen. Romanautoren übersehen dies oft. Sie lassen alle mehr oder weniger gleich viel sprechen. Das stimmt im richtigen Leben nicht. In Drehbüchern geht es hingegen mehr um Action als um Dialoge. Filmarbeit ist für mich auch ein Gegenmittel gegen die klösterlichen Entbehrungen der Einzelautorenschaft. Ich mag Menschen. Ich genieße die Zusammenarbeit im Team. Das Filmemachen gibt mir diese Möglichkeit. Einen Roman zu schreiben ist, als würde man zwei oder mehr Jahre lang den Atem anhalten.