Während die Bürgermeister der Bewerberstädte nicht vollzählig in Wien anwesend waren, nahmen alle Projektleiter den Jury-Spruch zur Kulturhauptstadt 2024 im Bundeskanzleramt entgegen. Unmittelbar nach dem Jubel der Bad Ischler, gab es Gratulationen und Umarmungen. Sportsgeist unter Konkurrenten, die nun zusammenarbeiten wollen.

"Wir wollen europäisches Role-Model dafür werden, den Tourismus mit Kultur auszubalancieren. Der Kulturtourist ist eine Gegenthese zum asiatischen Reisenden, der manchmal überhaupt nur für ein Foto bleibt", sagte der siegreiche Projektleiter Stefan Heinisch im Gespräch mit der APA.

Zusammengeschweißte Kulturhauptstadtfamilie

Bad Ischl und das Salzkammergut hatte die Frage des Übertourismus in seiner Bewerbung aktiv angesprochen und die Jury auch nach Hallstatt gebracht. "Es war ein Risiko. Wir haben gewusst, dass das eine Gratwanderung ist. Aber wir wissen, dass solche Probleme auch in Matera (die kleine süditalienische Stadt ist 2019 Europäische Kulturhauptstadt, Anm.) und an immer mehr anderen Orten bestehen. Es entsteht gerade so etwas wie eine transnationale europäische Bürgerbewegung, die darauf aufmerksam macht und Auswege sucht."

Die Ischler Kulturhauptstadt-Strategie verfolge bewusst "einen anderen Ansatz statt nur die Bus-Slots zu verteuern". Man gehe bewusst auch in ruhigeren Regionen des Salzkammerguts, etwa ins Almtal. Die "Eigensinnigkeit und Sturheit der Salzkammergutler" habe den anfänglichen Gegenwind überwunden und die "Kulturhauptstadtfamilie" zusammengeschweißt.

Tourismuskritischer Blick

Neben dem oberösterreichischen Teil des Salzkammerguts hätte vor allem das steirische Ausseerland viel Initiative bewiesen. Die Schwerpunkte der Bewerbung, ein bewusster Umgang mit Zeitgeschichte, die Betonung des zeitgenössischen und des tourismuskritischen Blicks hätte etwa die Wolfgangsee-Gemeinden dazu bewogen, sich nicht an der Kulturhauptstadt-Bewerbung zu beteiligen. Auch der Attersee habe bisher kritische Distanz gehalten, obwohl sie bei der gemeinsamen Kulturstrategie mit dabei seien. "Grundsätzlich haben wir weiter eine Drei-Bundesländer-Sache gemeinsam mit Salzburg im Hinterkopf. Die Tür wird nicht zugehen. Es wäre schön, wenn wir sie dazukriegen."

Das täte auch dem Budget gut. Grundsätzlich kalkuliere man derzeit mit insgesamt 30 Mio. Euro, so Heinisch. 10 Mio. Euro stellte Kulturminister Alexander Schallenberg heute in Aussicht, 10 Millionen sollen aus den Gemeinden der Region kommen, 10 Millionen von den beteiligten Bundesländern. "Kultur ist das neue Salz. Dass das ein echt guter Slogan ist, wurde uns immer wieder bestätigt. Der ist auch stark in die Herzen gegangen. Das Thema Salz ist letztlich die DNA, die uns alle zusammenschweißt." Als einzige neue Institution soll im heruntergekommenen Stadtteil Gries in einem 500 Jahre alten, dreistöckigen Haus um rund eine Mio. Euro ein Offenes Kulturhaus entstehen. "Das wollen wir in ein offenes Haus für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft umbauen und damit auch den ganzen Stadtteil aufwerten", sagte Heinisch. (apa)