Manchmal wird der Moment der Freude von einem gewissen Gefühl des im Hals steckenden Kloßes überlagert. Wenn man zwar ein großes Ziel erreicht hat, in dem aber eine andere, noch viel größere, Herausforderung steckt. Zumal, wenn man eigentlich gar nicht damit gerechnet hat - und plötzlich klar wird, dass man jetzt liefern muss. So ging es dem ORF, als Conchita Wurst überraschend den Song Contest gewann. Und so geht es wohl auch den Organisatoren von Bad Ischl 2024 sowie den Ländern Oberösterreich und Steiermark, die nun im Scheinwerferlicht und in der Pflicht stehen, etwas Ordentliches daraus zu machen.

Dass Oberösterreich nun plötzlich in einem beschleunigten Prozess hektisch ein Kulturleitbild für das Land zusammenzimmert, sagt in diesem Zusammenhang viel aus. Es ist ja nicht so, dass man nicht viele Jahre Vorbereitungszeit für grundsätzlichere Überlegungen gehabt hätte. Möglicherweise liegt es auch daran, dass das Land zunächst wenig begeistert von den Umtrieben der roten Stadt war und erst jetzt, wo die Kuh aus dem Stall ist, realisiert, dass die Sache wohl nicht glimpflich ausgehen wird - vor allem finanziell. Denn das Konzept, das Bad Ischl vorgelegt hat, ist im langjährigen Vergleich eher unambitioniert angelegt. Mit 30 Millionen Euro will man auskommen. Dass es dabei wohl nicht bleiben wird, scheint jedoch schon jetzt klar. International üblich sind Beträge, die mehr als doppelt so hoch sind, nämlich rund 70 bis 80 Millionen Euro. Graz 2003 hat schon vor 16 Jahren weit mehr als 65 Millionen Kosten verursacht. Für das Kulturhauptstadtjahr Linz 2009 werden Kosten von 68,7 Millionen Euro genannt.

Aber was steht auf der Habenseite eines Kulturhauptstadtjahres? Wie kann man verhindern, dass zwar Millionenbeträge an Steuergeld mobilisiert werden, die jedoch als Einmaleffekt verpuffen, ohne das die Stadt mittelfristig etwas davon hat? Als Musterbeispiel für eine nachhaltige Entwicklung gilt Liverpool, das sein Kulturjahr 2008 ausrichtete. Auch Liverpool war damals Außenseiterkandidat. Die etwas abgetakelte Industriemetropole schaffte es jedoch, in einem mühsamen Prozess viele hunderte lokale Initiativen an Bord zu bringen. 2008 löste einen enormen Bauboom und Modernisierung aus. Die Stadt öffnete sich zum Fluss, der Strand wurde neu gestaltet, das Albert Dock wurde kulturell erschlossen und ist heute Weltkulturerbe.

Liverpool als Modell

Sogar die Tate Modern eröffnete 2008 in einem Backsteinbau eine Filiale - sie ist heute eines der besucherstärksten Kunstmuseen Englands. Ein moderner Neubau des Stadtmuseums, die "British Music Experience" im ehemaligen Hauptsitz der Titanic-Reederei (Liverpool ist immerhin die Beatles-Stadt) sowie das neue Einkaufszentrum "Liverpool One", eines der größten Englands, wurden realisiert. Sicherlich: Vieles wäre auch ohne Liverpool 2008 gekommen, aber der konzertierte Schub hat die sieche Stadt sprunghaft vorangebracht.