Es sind vor allem die umfassenden Bauprojekte, die auch von Graz 2003 noch immer nachwirken. Das moderne Kunsthaus in gewagter und doch sympathischer Architektur, die Helmut-List-Halle mit ihren 1200 Plätzen, das Literaturhaus und die hochgradig dekadente weil völlig unnötige Murinsel sowie das Kindermuseum. Auch wenn nicht alle Impulse gleich wirksam waren, muss man sagen: Graz 2003 hat die Stadt durch die geballten Investitionen nachhaltig verändert. Denn diese Flächen wollen bespielt werden, sie sind ein Motor für künftige Aktivitäten. Während die Kunstprojekte weitergezogen sind, sind die Chancen geblieben.

Denn rund um die Kulturhauptstadt-Initiative hat sich eine Art Wanderzirkus etabliert. Menschen und Projekte folgen den Spuren des öffentlichen Geldes und ziehen von einem Hauptstadtjahr zum nächsten. Dort bleiben sie, machen ihr Ding und ziehen dann zum nächsten Lokalpolitiker, der bereit ist, sich gegen gutes Geld ein bisschen Avantgarde zuzukaufen. Gegen dieses Geschäftsmodell ist an sich nichts einzuwenden - auch so kann ein kultureller Austausch in einem geeinten Europa funktionieren. Nur ist das eben weder nachhaltig noch wird die lokale Bevölkerung eingebunden.

Kleinliches Lokal-Gezanke

Liest man nun die Genese von Bad Ischl 2024, so werden Zweifel wach, ob man in der Region Salzkammergut verstanden hat, welche Chance einem da in den Schoß gelegt werden kann. Vielleicht wird jetzt so manchem klar, dass kleinliches Bürgermeister-Hickhack und Eifersüchteleien, wer da jetzt aller dabei sein darf und wer nicht, besser umgehend einzustellen sind, will man sich nicht vor dem versammelten Europa mit Schulhofstreiterein blamieren.

Die Idee, in einer Region mit hochfrequentem Tourismus ein Kulturhauptstadt-Jahr zum Thema Tourismus und Hypertourismus und darum, wie man mit Tradition, Kultur und alternativer Kultur umgeht, zu machen, ist spannend, aber freilich nicht ohne Risiken. Schließlich sagt man dem Publikum, dass man es eigentlich durch ein anderes ersetzen will. Statt den Fototouristen soll nun Kultur-Avantgarde einziehen.

Mag sein, dass das 2024 gelingt, aber Beispiele in den letzten 30 Jahren zeigen: Diese Menschen werden nur bleiben, wenn man schon heute über den Tag der Finissage hinausdenkt. Zumal sich Bad Ischl den Titel mit Estlands zweitgrößter Stadt Tartu und dem norwegischen Bodø teilt. Ein bisschen Gamsbart und Sisi-Nostalgie wird da nicht ausreichen.