Es waren zwei Herzen, die zeit seines Lebens in der Brust von Gustav Peichl schlugen. Da war die unbändige Freude am Bauen, am Planen, an gewagten Entwürfen. Und da war der bissige, manchmal sogar fast von nobler Zurückhaltung geprägte Humor, der stets mit leichter Feder vorgetragen wurde. Der humoristische Vorschlaghammer war seine Sache nicht. Eher der dünne Tuschestift, das Werkzeug des Architekten und Künstlers, das war die Waffe seiner Wahl, wenn es wieder einmal galt, einen Bundeskanzler abzukanzeln.

Und derer gab es viele. Bereits 1954 publizierte er unter dem bekannten Pseudonym "Ironimus" in der Zeitung. Er wählte dieses nach eigener Aussage zum Eigenschutz, da er sonst in der sowjetischen Besatzungszone unter seinem Realnamen keine Karikaturen über sowjetische Offiziere veröffentlichen konnte. Ein Jahr später war die Besatzung zwar Geschichte, aber – wie so oft bei Provisorien in diesem Land – der Name blieb erhalten.

Unter dem Namen Peichl wurde gebaut und unter "Ironimus" ausgeteilt. Nicht umsonst nannte er seine Autobiografie 2013 "Der Doppelgänger". Den Anfang als Architekt macht das Verwaltungsgebäude der Newag-Niogas (1958-60), später die von Peichl entworfenen ORF-Landesstudios, die allesamt demselben Prinzip folgen und in Form von Kreissegmenten um einen Zentralraum angeordnet sind. Mit Liebe fürs Detail: Es sind genau sieben Stufen hinauf in die Direktion. Die Kindertagesstätte des Deutschen Bundestags baute er ebenso wie die Erdfunkstelle Aflenz, bei der Peichl die hochtechnisierte Anlage unterirdisch baute und grasbewachsene Erdhügel darüber legte. Schulen in Wien-Döbling und bei den Dominikanerinnen in Hietzing waren ebenso von Peichl realisiert worden. In Deutschland realisierte er auch die Bundeskunsthalle in Bonn und das Städel Museum in Frankfurt am Main.

Zeichnen als Obsession: Gustav Peichl. - © APAweb , Hans Punz
Zeichnen als Obsession: Gustav Peichl. - © APAweb , Hans Punz

Erst zum 90er im Vorjahr wurden dem Meister zwei große Ausstellungen gewidmet. Eine architektonische im MAK, dem er rund 8000 Skizzen, Konzepte und Pläne im Vorlass übergeben hatte. Und eine im Karikaturmuseum Krems, ebenso ein Peichl-Bau, das den Altmeister mit einer großen Karikaturschau im eigenen Haus würdigte. "In diesem digitalen Zeitalter, in dem meist am Computer geplant wird, postuliert Peichl das Skizzieren als Nachdenken auf dem Papier", analysierte MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein damals.

12.000 Zeichnungen