Johann Baptist Metz, Begründer der "Neuen Politischen Theologie", ist am Montag im Alter von 91 Jahren in Münster gestorben. Der emeritierte Münsteraner Hochschullehrer galt als einer der bedeutendsten Vordenker in der Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965).

Der Schüler Karl Rahners hatte Einfluss auf Entstehung und Entfaltung der lateinamerikanischen Befreiungstheologie. Jürgen Habermas, der mit Metz befreundet war, würdigte den Verstorbenen als "sensiblen Gesprächspartner". Metz sei aus seiner Generation "vielleicht der Theologe, der sich am leidenschaftlichsten an der für ihn existenziellen Frage abgearbeitet hat, in welcher Sprache nach dem Holocaust überhaupt noch von Gott geredet werden" könne.

Der 1928 in Auerbach in der Oberpfalz geborene Metz promovierte nach Studien in Bamberg, Innsbruck und München in Philosophie und Theologie und wurde 1954 zum Priester geweiht. Nach Jahren in der Seelsorge lehrte er von 1963 bis 1993 in Münster Fundamentaltheologie. Nach dem Konzil war er auch Berater des römischen Sekretariats für die Nicht-Glaubenden.

Warnung vor Verbürgerlichung des Christentums

Metz warnte immer wieder vor einer Verbürgerlichung des Christentums und einer "Vergleichgültigung" der Gesellschaft. Inspiriert wurde er auch von der sogenannten Frankfurter Schule um die Philosophen Theodor W. Adorno, Max Horkheimer und Habermas. Die von Metz begründete "Neue Politische Theologie" stieß indes bei Joseph Ratzinger, dem inzwischen emeritierten Papst Benedikt XVI., auf große Skepsis.

Die Universität Wien, an der der vielfach ausgezeichnete Theologe von 1993 bis 1997 eine Gastprofessur innehatte, verlieh ihm 1994 den Ehrendoktor. (red./KNA)