Das Jahr 2020 steht für das Wien Museum ganz im Zeichen des Bauens. Denn im Sommer soll der Startschuss für die Arbeiten zur Umgestaltung des Haupthauses fallen. Aber auch eine Ausstellung widmet sich der Architektur: Im Februar startet im Ausweichquartier MUSA eine Schau, die Richard Neutra gewidmet ist. Der gebürtige, vor 50 Jahre verstorbene Wiener wurde durch sein Wirken in den USA berühmt.

Museumsdirektor Matti Bunzl und Finanzdirektorin Christina Schwarz gaben bei der Jahresvorschau am Dienstag einmal mehr Einblicke in den Zeitplan für die große Umgestaltung des Museums am Karlsplatz. Der denkmalgeschützte Bau von Oswald Haerdtl wird generalsaniert und aufgestockt. Derzeit ist man dabei, das Haus vollständig zu entkernen. Die Vergabe der eigentlichen Bauarbeiten an einen Generalunternehmer ist für das kommende Frühjahr vorgesehen.

Der Baubeginn soll im Sommer erfolgen. Der Termin für die geplante Wiedereröffnung im Jahr 2023 soll laut derzeitigem Stand halten. Das Budget für das Projekt beträgt 108 Millionen Euro. "Aus heutiger Sicht bleiben wir im geplanten Rahmen", sagte der Direktor.

Ausweichquartier MUSA

Die Vorarbeiten für das museale Großbauvorhaben laufen schon länger. Das Wien Museum wurde ausgeräumt, wobei die Schaustücke ins Depot und die Mitarbeiter in ein Ausweichquartier übersiedelten. Ein Teil der Haustechnik wird als museales Objekt ins Technische Museum wandern. Erste Grabungen im Umfeld des Wien Museums fanden ebenfalls bereits statt. Dort ist inzwischen auch die Stadtarchäologie aktiv.

Neben den zuletzt präsentierten Überbleibsel einer ehemaligen Verkaufshalle oder Weltkriegs-Überresten wie Helme oder Nazi-Abzeichen wurden nun auch Gruben gefunden. Sie dürften die Fundamente des von Otto Wagner montierten Fassadenmodells für sein Museumsprojekt beherbergt haben, wie Bunzl berichtete. Wagners Entwurf wurde trotz der Werbemaßnahme mit der hölzernen Schablone nie realisiert.

Während des Umbaus des Stammsitzes am Karlsplatz dient das MUSA beim Rathaus als Ausstellungs-Location. Von 12. Februar bis 20. September 2020 wird dort die Schau "Richard Neutra. Wohnhäuser für Kalifornien" gezeigt. Neutra (1892-1970) gelte als der Begründer des "California Modernism" und sei dort ähnlich angesehen wie Frank Lloyd Wright, führte Bunzl aus. Bekannt wurde der Planer mit Wohnhäusern, die sich durch luftige, offene Grundrisse auszeichnen. Für Neutra stand die Schaffung von leistbarem Wohnraum im Blickpunkt - auch wenn seine Häuser längst teure Luxusimmobilien geworden sind. In Wien realisierte er lediglich ein Haus in der Werkbundsiedlung. Der Versuch, in den 1960er-Jahren wieder in Wien Fuß zu fassen, scheiterte.

Die zweite große MUSA-Ausstellung im kommenden Jahr ist Felix Salten (1869-1945) gewidmet. Vom 15. Oktober bis 25. April 2021 lässt das Museum das Leben jenes Mannes Revue passieren, der einer der mächtigste Kulturkritiker seiner Zeit war, das erste Buch über Gustav Klimt verfasste und Teil des Netzwerks des "Jungen Wien" war, zu dem auch Hermann Bahr oder Hugo von Hofmannsthal gehörten. Berühmt bis heute ist er wegen des 1922 veröffentlichten Buchs "Bambi". Der Roman wurde zum Welterfolg, zu dem auch Walt Disneys Zeichentrickfilm beitrug, in dem allerdings aus dem verwaisten Rehkitz ein Hirschkalb wurde.

Der musikalische Jubiläums-Superstar des kommenden Jahres wird auch vom Wien Museum ausreichend gewürdigt: Ludwig van Beethoven. Im ihm gewidmeten Museum in der Probusgasse in Heiligenstadt - einer seiner einstigen Wohnsitze - wird als Leihgabe aus Bonn sogar Beethovens Hörrohr zu sehen sein.

Vom 16. bis 28. Juni wurde zudem ein Beethoven-Festival angekündigt, das auch das Beethoven-Pasqualatihaus in der Innenstadt einbezieht. Bei freiem Eintritt werden Konzerte und Expertengespräche angeboten.

Das Wien Museum betreibt seit einigen Wochen auch eine eigene digitale Magazinplattform. Unter http://magazin.wienmuseum.at wurden zahlreiche Themen aufbereitet. Die Artikel widmen sich der Sammlung, der Forschung oder auch aktuellen Restaurationsprojekten.