Wer weiß schon, was die Zukunft bringt. Je schneller sich die Uhrzeiger dem Gefühl nach drehen, je größer die Schritte sind, die der Fortschritt zurücklegt, desto stärker kommt der Schwebebalken Zukunft vielen vor wie ein vernebeltes Zerrbild aus der Glaskugel einer alten Wahrsagerin. Werden wir uns in paar Jahren alle von Pillen ernähren? Finden wir uns im nächsten Jahrhundert in einem postapokalyptischen Brachland wieder? Oder übernehmen irgendwann doch die Computer das Kommando? Man weiß es nicht. Was man aber weiß, ist, was schon einmal war. Also wendet man den Blick bisweilen gerne zurück in die Vergangenheit. Nicht ohne Grund erleben Retro-Kult und Nostalgie seit einiger Zeit enormen Aufschwung. Doch ein Blick zurück beruhigt nicht nur die Nerven und entlockt dem einen oder anderen 90er-Kind auf einer 90ies-Party einen Juchazer, wenn es endlich wieder nach Teen-Spirit riecht, sondern er kann gerade in Richtung Zukunft sogar lehrreich sein.

Dokumente, Fotos, Briefe - alle geben Auskunft über Familienangehörige... - © Christophe Fouquin / Adobe Stock
Dokumente, Fotos, Briefe - alle geben Auskunft über Familienangehörige... - © Christophe Fouquin / Adobe Stock

Vom Hobby zum Buch

Auch Susanne Schober-Bendixen hat in den vergangenen zehn Jahren immer wieder mal zurückgeschaut. Am Anfang hat sie die Forschung nach der Geschichte ihrer Familie eher als beiläufiges Hobby betrieben, vor einem Jahr hat sie schließlich ein Buch darüber herausgegeben: "Die Tuch-Redlichs" – die Geschichte ihrer jüdischen Familie, die in Mähren eine Tuchfabrik betrieben hat. Die hat sie schließlich zum Jüdischen Friedhof Währing geführt, wo sie mittlerweile mit dem Verein "Rettet den Jüdischen Friedhof Währing" und den monatlichen Aufräumaktionen Freiwilliger die Vergangenheit nicht nur Revue passieren lässt, sondern sie auch vor ihrem endgültigen Vergessen schützen will. Während die meisten hier über das staunen, was die Friedhofsmauern sonst verbergen, und tatkräftig beim Unkrautjäten und Müllwegschaffen helfen, hat der Friedhof für Schober-Bendixen eine persönliche Dimension: Ihre Urururgroßeltern liegen hier begraben. Darauf ist sie im Zuge ihrer Ahnenforschung gestoßen.

Begriffsdefinition

Wobei Ahnenforschung eigentlich nicht der richtige Begriff ist, findet Leopold Strenn, Gründer und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Familien- und regionalgeschichtliche Forschung (kurz: ÖFR). Ahnen sind alle, die vor uns waren. Was die meisten hobbymäßig betreiben, ist eingrenzbar auf Familienforschung. Und wer dabei jetzt an einen weißhaarigen alten Mann an einem wuchtigen Schreibtisch denkt, liegt weit daneben. Die Genealogenstammtische, die Strenn in Wien und Nieder-österreich veranstaltet, bekommen auch von Frauen und jungem Publikum immer stärkeren Zulauf.