Das Projekt Time Machine, an dem Icarus zusammen mit anderen internationalen Institutionen arbeitet, soll das Ganze künftig sogar noch stärker miteinander vernetzen. "Dabei geht es um die Entwicklung von Technologien, die all diese alten Schriften automatisch in Big Data verwandeln, sodass all das, was auf Matricula zu finden ist, zu digital verwertbarer Information wird", sagt Icarus-Präsident Thomas Aigner vom Diözesenarchiv St. Pölten. Eine künstliche Intelligenz soll automatisch Bezüge zwischen den historischen Dokumenten herausfinden.

Analoge Recherche

Gerade wenn man über die Vorfahren mehr wissen will als bloß ihre Geburts- und Sterbedaten, bleibt einem eine analoge Recherche aber oft nicht erspart. "Wenn ich für eine Recherche in eine Ortschaft komme, gehe ich zuerst zum Friedhof, dann ins Wirtshaus und dann ins Archiv", erzählt Strenn. "Die Ortsansässigen wissen oft am meisten." Außerdem ist es natürlich immer hilfreich, zuallererst die lebenden Verwandten zurate zu ziehen und sie nach hilfreichen Dokumenten zu fragen. Kann man sie nicht finden und läuft sogar ein verzweifelter Facebook-Aufruf ins Nichts, gibt es immer noch die Möglichkeit, einen Brief mit den eigenen Kontaktdaten auf den Gräbern der Verwandten zu hinterlassen, rät Strenn. Das habe bereits einige Male ganz gut funktioniert.

Was man als Hobby-Genealoge definitiv beherrschen sollte, ist die Kurrentschrift, um die historischen Dokumente auch entziffern zu können. Hat man sie nicht wie ältere Generationen vielleicht sogar noch in der Schule gelernt, gibt es eigene Kurse, die man belegen kann – wie auch zur Ahnenforschung generell –, die Volkshochschulen oder Berufsgenealogen direkt anbieten. Natürlich könnte man einen solchen Berufsgenealogen auch einfach für die Erstellung eines Stammbaumes bezahlen, aber wo bliebe dabei der Spaß am Detektivspielen?

Suche über Landesgrenzen

Susanne Schober-Bendixen hat für ihre Recherche keinen Kurs belegt und auch niemanden bezahlt, der ihr hilft. "Wahrscheinlich hatte ich Glück, dass ich vieles einfach so gefunden habe", sagt sie. Angefangen hat alles mit einem Jugendstilalbum, das sie von der Cousine ihrer Großmutter geschenkt bekam und das sogar einen handgeschriebenen Stammbaum beinhaltete. Als sie in Brünn Stolpersteine für ihre Vorfahren verlegen ließ, erfuhr sie, dass der Jüdische Friedhof in Brünn online katalogisiert ist, und so begann sie, die Namen aus ihrem Album den Gräbern zuzuordnen.

Dass die Recherche bei der Familienforschung über die österreichischen Landesgrenzen hinausführt, ist durchaus üblich, gerade wenn die Suche in Wien als ehemalige Hauptstadt der Habsburgermonarchie, als Knotenpunkt des Vielvölkerstaates beginnt. "Früher oder später führt die Recherche nach Tschechien", sagt Strenn etwa. "Ein großer Anteil der Niederösterreicher und Wiener hat tschechische Vorfahren, weil viele Tschechen in der Habsburgerzeit nach Wien kamen, um Arbeit zu finden." Damit besitzt die genealogische Recherche, die sich von Staatsgrenzen nicht groß beeindrucken lässt, auch eine gewisse politische Dimension. "Ahnenforschung ist das perfekte Mittel, um deutlich zu machen, wie absurd Nationalismus ist", sagt Thomas Aigner.