"Journalistenlegende", "Geschichtslehrer der Nation" oder "ORF-Welterklärer" - die Beinamen, mit denen Hugo Portisch von der Kollegenschaft gerne geschmückt wird, verweisen auf seine Verdienste. Für diese wurde der 92-Jährige am Mittwoch von Außen-und Medienminister Alexander Schallenberg im Bundeskanzleramt in Wien mit dem "Großen Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich" ausgezeichnet.

Warum es so lange gedauert hat, bis der 1927 in Preßburg (Bratislava) in der damaligen Tschechoslowakei geborene Portisch für sein Lebenswerk geehrt wurde, umriss sein langjähriger Journalistenkollege Heinz Nußbaumer (76) in einer Laudation. Portisch habe offizielle Auszeichnungen der Republik bisher standhaft verweigert, erzählte der langjährige Kultur-Redakteur und Pressesprecher des verstorbenen Bundespräsidenten Thomas Klestil. "Weil er sich mit seiner konsequenten Distanz zu Orden, Titeln und Huldigungen die Freiheit und Unabhängigkeit seines Denkens, Redens und Schreibens keinesfalls einengen lassen wollte. Eine Haltung, die gerade in einem so kleinen Land wie Österreich mit ihrer vielfachen Nähe von Politik und Medien sinnvoll und durchaus mutig war."

Neutralität versus Auszeichnung

Auch Schallenberg erinnerte daran, dass Portisch erstmals eine Auszeichnung der Republik Österreich akzeptiert habe. Bisher sei für ihn im Vordergrund gestanden, "seine Position als neutrale Instanz zu wahren". Erst die "hinzugewachsenen Altersringe" und wohl auch "die Besonderheit" der aktuell amtierenden - aus Experten und Beamten zusammengesetzten - Bundesregierung - hätten Portisch "zuletzt ein wenig nachgiebiger gemacht", mutmaßte Nußbaumer in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein und Ex-Bundespräsident Heinz Fischer.

Nußbaumer lobte, dass es Portisch gelungen sei, eine breite Öffentlichkeit für die österreichische Zeitgeschichte zu interessieren. "Du hast uns Österreicher - Regierung und Bürger - auf vielfache Weise dazu gebracht, sich der Vergangenheit zu stellen - in ihrer Größe wie auch in ihren Dunkelheiten. Mit Deinen großen Serien 'Österreich II' und 'Österreich I' vor allem, und mit Deinen Appellen, was jetzt zu tun ist, hast Du die Scheunen der Erinnerung so weit aufgemacht, dass sie nie wieder verschlossen werden können."