Die Wichtigkeit des Nichtwissens

Die moderne Gesellschaft gründet auf Risiken und Unsicherheiten, die das Leben erst lebenswert machen. Es sind paradoxerweise die Ungewissheiten, die der Gesellschaft Stabilität verleihen. Kein Mensch würde morgens aufstehen, wenn er wüsste, dass er um 17.34 Uhr auf dem Heimweg einen Unfall hat - oder bestohlen wird. Und wahrscheinlich würde man auch keinen Hauskredit abschließen, wenn man weiß, dass man in einem Jahr sterben wird. Natürlich ist sich jeder bewusst, dass das Dasein endlich ist. Das gehört zum metaphysischen Gepäck des Menschseins. Doch das Wissen um den genauen Zeitpunkt der Endlichkeit, das zeigt der Film "Countdown" sehr schön, stürzt die Gesellschaft in schwere psychologische Konflikte. Das Leben macht plötzlich keinen Sinn mehr. Es scheint, als erfüllte Nichtwissen in einer Wissensgesellschaft eine wichtige Funktion.