Die Hauptfigur des Buchs, Hans Drescher, führt zunächst scheinbar ein ganz normales Leben. Er wird 1962 als jüngstes von drei Kindern eines angesehenen Nuklearmediziners in Wien geboren. Der kleine Hansi ist aber irgendwie auffällig und ein "lästiger Fratz". Am Rosenhügel ist seit 1957 der durch Euthanasieversuche in der NS-Zeit belastete Kinderarzt Heinrich Gross der Chef. Dieser spielte bis zu seinem Tod als Gutachter und Experte lange eine geschützte Rolle im Wiener Gesundheitssystem. Er wurde nie von der Justiz nie zur Rechenschaft gezogen.

Anfang der siebziger Jahre wird Hans Drescher von einem anderen SPÖ-nahen Arzt getestet, der die Führung am Rosenhügel übernommen hat.

Die Gestalt des Drescher ist offensichtlich das Alter Ego des Autors Peter Thomas Suschny. Und Suschny schreibt sich in dieser Rolle seine Leidensgeschichte von der Seele. Er ist nämlich - wie er heute mit Bestimmtheit weiß - Autist und leidet am Asperger-Syndrom. Doch über zwanzig Jahre lang wird dies weder vom Gutachter noch den Ärzten am Rosenhügel noch von der Arbeitsmarktverwaltung erkannt. An die alle wendet sich Drescher alias Suschny um Hilfe. Erst seine Schwester, inzwischen Ärztin, findet die Diagnose nach Jahrzehnten heraus. Doch inzwischen hat Drescher/Suschny zahlreiche Jobs verloren, seine Ehe, aus der drei Kinder hervorgingen, ist nicht zuletzt wegen Geldmangels gescheitert.

Autor Peter Thomas Suschny mit seiner Tochter. - © Edition Mandelkern
Autor Peter Thomas Suschny mit seiner Tochter. - © Edition Mandelkern

Eine Geschichte von Diskriminierung, Ignoranz, unterlassener Hilfeleistung und dem klassischen "Wegschauen" statt Zuhören und Zugehen. Jetzt hat der Autor versucht, seine ergreifende Geschichte in einem berührenden Buch zu verarbeiten.

Sachbuch

Am Schauplatz Rosenhügel

Peter Thomas Suschny

Edition Mandelkern, Wiener Neustadt 2019, 352 Seiten,

26 Euro