Hat Jesus gelacht? Der Ende 2018 verstorbene jüdische Schriftsteller Amos Oz schrieb in "Jesus und Judas", einem seiner letzten Bücher, er habe sich in jungen Jahren in Jesus und "seinen herrlichen Sinn für Humor" verliebt. Der deutsche Bibelwissenschafter Klaus Berger, emeritierter Professor der Universität Heidelberg, spürt in seinem neuen Werk "Ein Kamel durchs Nadelöhr?" dem Humor des Wanderpredigers aus Nazaret nach. Berger definiert diesen Humor folgendermaßen: "Umwertung alles dessen, was sonst als ernsthaft, bedrohlich und Angst einflößend wahrgenommen wird; diese Umwertung geschieht als Destruktion der sich aufplusternden Macht zugunsten von Freiheit".

Vom Lachen Jesu ist in der Bibel direkt nie die Rede, nur in apokryphen Texten. Aber muss nicht ein Mensch, der eine "Frohbotschaft" verkündete, der oft mit anderen tafelte und sich sogar "Fresser und Säufer" nennen ließ, einiges an Heiterkeit ausgestrahlt haben?

Auf jeden Fall, so Berger, konnte Jesus mit seinen Aussagen Menschen zu einem befreienden Lachen bringen. Seine Übertreibungen (etwa, dass man Perlen nicht vor die Säue werfen soll) und Verzerrungen (beispielsweise beim Kamel, das eher durch ein Nadelöhr kommt als ein Reicher in den Himmel) dienen der Erkenntnis der Wahrheit und dem Erlernen des richtigen Sehens, meint Berger, der das Fazit zieht: "Jesu Humor ist der Vater aller seiner Weisheit."