In der Stadt Raipur in Bangladesh strömten dieser Tage zehntausende gläubig Muslime zusammen, um dicht aneinandergedrängt "heilende Weise" aus dem Koran zu sprechen, um damit das Corona-Virus zum Verschwinden zu bringen, berichtete die BBC. Man kann sich vorstellen, wie das epidemiologisch ausgegangen sein wird.

Nun hat es dergleichen natürlich auch beispielsweise im Christentum gegeben; typischerweise allerdings vor etwa 500 Jahren.

Episoden wie diese – im Jahr 2020 - scheinen zu belegen, dass der Islam eine durch und durch rückständige Religion ist, ja geradezu die Hauptursache am bresthaften Gesamtzustand der ganzen islamischen Welt in fast jeder Hinsicht ist.

Extrem faktenbasiert, wissenschaftlich und ohne jeden Schaum vor dem Mund hat sich der islamkritische niederländische Soziologe Ruud Koopmans zur Aufgabe gemacht, diese These zu überprüfen. Die Ergebnisse hat er in dem Buch "Das verfallene Haus des Islam – Die religiösen Ursachen von Unfreiheit, Stagnation und Gewalt" nun vorgelegt.

Wissenschaftliche Methode

Wer sich vom etwas spekulativen Titel eine Generalabrechnung mit dem Islam im Stile von Thilo Sarrazin oder der verstorbenen Oriana Fallaci erwartet, wird freilich enttäuscht werden – genauso wie unreflektierte Muslime, die jede Kritik an ihrer Religion für Blasphemie halten. Koopmans hält sich strikt an die wissenschaftliche Methode, und das tut dem Buch außerordentlich gut.

Sein Befund über die Befindlichkeit der islamischen Welt ist verheerend, was aber leider nur die Wirklichkeit abbildet: "Ich habe die Lage der Menschenrechte in islamischen Ländern untersucht, die Rechte von Frauen, von Homosexuellen und von religiösen Minderheiten. In all diesen Bereichen hat sich die Lage in islamischen Ländern in den vergangenen Jahrzehnten verschlechtert: In internationalen Statistiken dazu belegen sie die letzten Plätze", diagnostiziert er. "Rund drei Viertel aller Kriege und Bürgerkriege werden heute zwischen oder in islamischen Ländern ausgetragen. Der islamistische Terrorismus hat in den vergangenen Jahrzehnten enorm zugenommen. Rund 85 Prozent aller Opfer von Terroristen weltweit gehen auf das Konto radikalislamischer Gruppen."

Nicht minder trist ist die wirtschaftliche Lage: "Erfolgreiche Industrienationen finden sich fast nur außerhalb der islamischen Welt. Ich habe etwa Ägypten und Südkorea verglichen, zwei Länder, die Anfang der 70er Jahre auf ähnlichem Wirtschaftsniveau waren. Südkorea hat seitdem den Anschluss an den westlichen Wohlstand geschafft, während Ägypten heute schlechter dasteht als die meisten anderen Länder."

Oder im Anekdotischen: "Zwischen 1979 und 2014 wurden mehr Bücher ins Finnische als ins Arabische und Türkische übersetzt." Angesichts der Tatsache, dass es etwa fünf Millionen Finnen, aber eine halbe Milliarde arabisch- und türkischsprachige Menschen gibt, ein deutlicher Hinweis auf eine gewaltige Rückständigkeit dieser Welt.

Vor allem, wenn man das Pech hat, kein Mann zu sein: "Nach allen internationalen Statistiken über die Rechte der Frau gibt es keinen Teil der Welt, in dem die Situation der Frauen so schlecht ist wie in der islamischen Welt. Wenn Unterdrückung, Intoleranz und Gewalt nichts mit dem Islam zu tun haben, warum sind sie dann in der islamischen Welt so weit verbreitet? Der Islam, der in jeder Hinsicht unbeschmutzt, friedlich, demokratisch, tolerant und frauenfreundlich ist, ist ein schöner Traum, hat aber wenig mit der Realität des Islam im Hier und Jetzt zu tun."

Die Realität des Islam

Die Realität des Islam – das ist für den Autor der Kern des Problems, nicht der Islam an sich. Schuld sei vielmehr eine seit den 1970er-Jahren feststellbare starke Radikalisierung des Islam, befeuert von einem üblen Cocktail aus Öl-Milliarden der Golfanrainer und deren fundamentalistischen Überzeugungen, die sich mit Hilfe des vielen Geldes wie ein Krebsgeschwür über den halben Planeten verbreitet haben.

"Während die westlichen Länder kulturell immer vielfältiger werden, verwandelt die religiöse Säuberung die islamische Welt zunehmend in eine homogene kulturelle Wüste, in der nur eine Wahrheit ein Existenzrecht hat," diagnostiziert er; mit den bekannten tristen Ergebnissen.

Das hat einiges für sich, lässt freilich ein wenig außeracht, dass die islamische Welt auch vor dieser Radikalisierung nicht unbedingt der fortschrittlichste Ort dieser Welt war. Und dass der Islam in der Anschauung seiner Gläubigen die einzige monotheistische Religion ist, die davon ausgeht, dass ihre Heiligen Schriften wörtlich von Gott selbst stammen und daher nicht interpretierbar sind; ein hartes Hindernis zu von Koopmans eingemahnten Modernisierung des Islam.

Fazit: Ein absolut lesenswertes Buch, gerade in Zeiten des medialen Corona-Overkills.