Es ist eine der seltsamsten Geschichten überhaupt, die von diesem millionenfach angeklickten Video auf YouTube mit klaren Fakten aufbereitet wird. Eine der ganz wenigen Geschichten ist es, bei denen die am festesten gefügten rationalen Weltbilder Risse bekommen, zumal die Sache gut dokumentiert ist. Zugleich ist die Angelegenheit ein Beweis, dass eben doch Verschwörungen existieren, die dazu dienen, wissenschaftlich unerklärbare Phänomene unter Verschluss zu halten.

Dies also hat sich konkret zugetragen: Am 2. Juli 1955, einem strahlend schönen Samstag, fliegt eine als Passagiermaschine ausgestattete DC-4 von New York nach Miami. An Bord von Flug PANAM 914 sind 57 Passagiere und 4 Besatzungsmitglieder. Der Flugzeugtyp Douglas DC 4 fliegt seit 1943. Er ist ein Allrounder des Transportverkehrs auf kurzen und mittleren Strecken. In Deutschland ist er legendär als "Rosinenbomber" während der Berliner Luftbrücke der Jahre 1948/1949. Das Flugzeug gilt, trotz einiger Zwischenfälle, als außerordentlich sicher und zuverlässig.

Knapp vor Miami verschwindet Flug 914 plötzlich vom Radar und taucht nicht mehr auf. Es wird ein Unfall angenommen, der sämtliche Passagiere und Crewmitglieder das Leben gekostet hat.

Die Wahrheit über Flug 914

37 Jahre vergehen. An Flug 914 denken nur noch die Hinterbliebenen der Opfer. Da ereignet sich auf dem Flughafen von Caracas etwas Seltsames: Auf dem Radar taucht plötzlich ein Flugzeug eines nicht angemeldeten Flugs auf. Der Lotse weist es zur Landung ein. Kaum kommt das Flugzeug zum Stillstand, fragt der Pilot, merklich verwirrt, wo man gelandet sei, Flug 914 sei nicht planmäßig verlaufen, es habe Probleme mit der Orientierung gegeben.

Mehrere Mitarbeiter des Flughafens eilen zu der PANAM-DC-4, die bereits die Einstiegsluke öffnet. Auf einmal funkt der Pilot, alle mögen von der Maschine wegbleiben. Die Luke wird geschlossen. Die Maschine startet wieder und fliegt davon ins endgültige Verschwinden.

Zumindest ist das die halboffizielle Version. Es gibt freilich Berichte, dass die Passagiere und Crew das Flugzeug verlassen hätten und unter der Auflage strengsten Stillschweigens zu ihren Familien zurückgekehrt seien. Dieses Faktum sei allerdings von den Behörden vertuscht worden, die die Zeit- und Raumverschiebung wissenschaftlich nicht erklärbar wäre.

Abhängigkeit von Weg und Zeit

Das knapp zehnminütige Video, das diese Vorgänge dokumentiert, wurde vor knapp einem Jahr, nämlich im Juni 2019, auf YouTube hochgeladen und bis heute (Stand 9. April 2020, 10:46 Uhr) sage und schreibe 14.968.067 mal aufgerufen. In Worten: Knapp 15 Millionen Menschen haben es gesehen. Damit wissen 15 Millionen Menschen von den Vorgängen um Flug 914 – und die Verschwörer in der US-Regierung und im Pentagon samt ihrer wissenschaftlichen Berater werden  wohl nicht mehr lange den Deckel auf den unheimlichen Vorgängen halten können.

Die Sache hat nur einen winzigen Haken. Davon etwas später.

Tatsächlich sind Flugzeuge Zeitmaschinen. Wer wollte es bezweifeln? Auch Kutschen, Schiffe, Fahrräder, Autos und die Bahn sind Zeitmaschinen – nicht so gute wie Flugzeuge, aber immerhin. Denn sie alle realisieren den Menschheitstraum einer Relativierung von Zeit und zurückgelegter Strecke. Zum Beispiel ist St. Pölten von Wien aus zu Fuß in etwa 13 Stunden zu erreichen. Mit dem Zug braucht man für die rund 61 Kilometer etwa eine halbe Stunde. Physik und Mathematik bringen  demnach auch die beteiligten Parameter in Abhängigkeit. Die Formel lautet:  Weg (in Metern) = Zeit (in Sekunden) x Geschwindigkeit (in Meter pro Sekunde).

Diese Formel gilt als physikalisches Universalgesetz. Das bedeutet, sie gilt an jedem Ort, gleichgültig, ob dieser Ort die Erde ist, der Weltraum oder irgendein Planet in einem fernen Sonnensystem.

Ausgetrickste Zeit

Diese Formel ist aber auch der Hemmschuh für bemannte Flüge zu anderen Planeten. Leicht lässt sich ausrechnen, dass die Astronauten selbst bei hohen Geschwindigkeiten mit extrem langen Zeitdauern kämpfen müssten. Das gilt übrigens für irdische Marsbesucher ebenso wie für marsianische Erdbesucher, wodurch sich die Frage nach der Wahrscheinlichkeit außerirdischer Besucher auf der Erde, vulgo: Fliegende Untertassen von selbst beantworten dürfte.

Es sei denn…

Es sei denn, den Außerirdischen wäre das gelungen, was auch der Traum der irdischen Physiker ist: die Zeit in der Formel irgendwie auszutricksen.

Genau das dürfte eine natürliche Anomalie auf Flug 914 bewirkt haben. Denn 1955 gab es Zeitreisen allenfalls in der Science-fiction-Literatur, etwa in H. G. Wells‘ sogar schon 1895 erschienenen Roman "Die Zeitmaschine". Physiker freilich konnten nur abwinken: Was schon rein rechnerisch an die Grenzen des Denkbaren stieß, war in der Praxis ohne jede Chance auch nur auf einen ersten Schritt. Also mussten Regierung und Pentagon die Sache so geheim halten wie nur möglich, allein schon, um das auf dem festen Fundament der Physik stehende Weltbild nicht ins Wanken zu bringen.

Und nun? -  15 Millionen Klicks, die alles verändern.

Die Details erklären den Fall

Die Frage ist nur, ob sie das wirklich machen. Denn der Haken kommt in etwa bei Minute sieben: Nichts an der Geschichte von Flug 914 ist nachweisbar. Sie ist eine sogenannte Urbane Legende. Wohl nicht in die Welt gesetzt, gewiss aber verbreitet wurde sie durch einen Bericht der "Weekly World News", einem in Print bis August 2007 erscheinenden Wochenmagazin, laut Eigendefinition "The World's only reliable Newspaper", bei dessen Berichten aus dem Bereich der Seltsamen und Fantastischen nie ganz geklärt wurde, ob sie satirisch oder ernst gemeint waren. So berichtete das Magazin über eine Elvis-Sichtung im Supermarkt, ein Teufelshuhn, es führte ein Interview mit einem Außerirdischen und legte "Beweise" vor, dass der Kapitän der "Titanic" eine Frau war – wohl nach dem Motto "Frau am Steuer…".

Gleichzeitig ist die Geschichte von Flug 914 aber auch ein Lehrbeispiel, wie es Geschichten schaffen, aus ihrem Dasein als erkennbare Urbane Legende herauszutreten und sogar Menschen mit grundsätzlich skeptischer Einstellung zu verwirren: Es geht um die Genauigkeit der Erzählung.

Würde die Geschichte reduziert darauf, dass sie sich irgendwann in den 1950er Jahren irgendwo in den USA zugetragen habe, wäre sie sofort als Lagerfeuer-Story entlarvt. Bei Flug 914 aber werden konkrete Fakten genannt: Die Flugnummer, der Tag, an dem er stattfand, der Flugzeugtyp, die Zahl der Passagiere und die der Crewmitglieder. Wer diese Geschichte erzählt hat, hat mehr oder weniger instinktiv das Rezept von Romanautoren befolgt: Um einen Leser in eine Geschichte hineinzuziehen, ist es notwendig, sie mit allen Details, auch teilweise irrelevanten, auszustatten. Die Kunst besteht darin, diese Details genau zu dosieren.

Was bleibt? – Ein glänzend gemachtes Video, das zeigt, wie mit wenig finanziellen Möglichkeiten gute Clips herzustellen sind. Und es bleibt eine Geschichte, die als Geschichte einfach hinreißend ist, weil sie die Fantasie zu einem Höhenflug anregt. Die Geschichte inspirierte immerhin schon eine Folge in Rod Serlings TV-Serie "Twilight Zone". Wer weiß? – Vielleicht wird jetzt noch einmal ein Roman daraus.