Der kulturelle Stillstand in der Realität, der einen regelrechten entgegengesetzten Trend in der virtuellen Welt ausgelöst hat, nämlich ein vielfältiges Angebot, hat neue Bereiche erobert: Das Volkskundemuseum Wien lockt vor realer Öffnung virtuell und auch das Belvedere kündigt eine Öffnung in Etappen an. Ein ORF-Schwerpunkt zu Alfred Hitchcock lockt ebenso, wie die Volksopern-Stars im  RadioKulturhaus.
"Nutze dein Museum": Volkskundemuseum Wien mit vielfältigem Online-Angebot

   Seine physischen Türen im Gartenpalais Schönborn muss das Volkskundemuseum Wien aufgrund der Coronakrise zwar noch bis Mitte Mai geschlossen halten, allerdings bietet man unter dem Motto "Nutze dein Museum" online ein vielfältiges Angebot. So ist etwa die im März zu Ende gegangene Ausstellung "Schulgespräche" nun als Online-Schau abrufbar, sind doch 15 thematische Kurzvideos über die Lebenswelten von Wiener Schülern abrufbar. Außerdem wird via Instagram aufgerufen, sich an einer Diskussion über das Jahr 2020 zu beteiligen, wobei im Fokus steht: "Welche Frage muss 2020 gestellt werden?" Zusätzlich gibt es verschiedene Objekte aus der Sammlung zu begutachten, mit Hintergrundinfos und Begleittexten, bieten Online-Publikationen reichhaltigen Lesestoff und gibt es im Archiv-Blog "Abgestaubt" Wissenswertes aus 125 Jahren Museumsgeschichte. (www.volkskundemuseum.at)

Kilian von Seldeneck lädt zur "Gute-Laune-Auktion" für wohltätige Zwecke

   Ein 6-Gänge-Menü von Starkoch Hendrik Otto mit Freunden genießen, sich die Haare endlich wieder schick machen lassen von Berliner Starfriseur Shan Rahimkhan oder auf einen pompösen Opernabend zu Gast in der Intendantenloge bei Matthias Schulz in der Staatsoper Unter den Linden sein - Dinge, auf die man sich nach Coronazeiten freuen kann, lassen sich in der Berliner Benefizauktion von Veranstalter Kilian von Seldeneck am 25. April ab 17 Uhr online, telefonisch oder per Vorgebot ersteigern. Die Erlöse kommen wohltätigen Zwecken respektive der jeweiligen Kultureinrichtung zugute. (https://kvs-auctions.de)

"Master of Suspense": ORF-Schwerpunkt zu Kultregisseur Alfred Hitchcock

   Wer ständig nur Zuhause sitzt, kann sich auch mal langweilen. Für Spannung sorgt in den kommenden Tagen der ORF, widmet man doch dem "Master of Suspense" Alfred Hitchcock anlässlich seines 40. Todestags am 29. April einen umfangreichen Schwerpunkt. Am morgigen Freitag gibt es zunächst in ORF III ab 20.15 Uhr einen zweiteiligen Filmabend mit "Cocktail für eine Leiche" sowie "Familiengrab". Auf ORF 2 begegnet man am Samstag um 9.55 Uhr dem "Mann, der zu viel wusste", während am Sonntag die "dokFilm"-Premiere "Mr. und Mrs. Hitchcock" (23.05 Uhr) auf dem Programm steht. Auch im "Kulturmontag" am 27. April (23.15 Uhr) ist der Kultregisseur im Rahmen der Dokumentation "Filmikonen" ein Thema. Und am 1. Mai wird schließlich Hitchcocks Klassiker "Das Fenster im Hof" ins Heute geholt, wenn auf ORF 1 um 0.20 Uhr die Neuinterpretation "Disturbia" mit Shia LaBeouf ansteht.

ORF Live-Konzertreihe "Wir spielen für Österreich" mit Volksopern-Stars am 26. April

   Lieder aus Franz Lehars "Die lustige Witwe" oder der "Fledermaus" von Johann Strauß, dargeboten von Publikumslieblingen des Wiener Volksopernensembles, gibt es kommenden Sonntag in der zweiten Ausgabe der ORF Live-Konzertreihe "Wir spielen für Österreich" ab 20.15 Uhr auf ORF III und der Klassikplattform fidelio (www.myfidelio.at) zu sehen. Dabei stehen u.a. Johanna Arrouas, Rebecca Nelsen, Kristiane Kaiser, Stefan Cerny und Vincent Schirrmacher in Begleitung von einem Streichquartett des ORF Radio-Symphonieorchesters und Volksopern-Korrepetitor Eric Machanic - unter strenger Einhaltung medizinischer Sicherheitsvorgaben - im Großen Sendesaal vom ORF RadioKulturhaus unentgeltlich auf der Bühne.

Belvedere mit Wiedereröffnung "in Etappen"

Nach den heftigen Diskussion um das Wiederanlaufen des Kulturlebens in Österreich kommt Bewegung in die Debatte um die Bundesmuseen. Diese wären eigentlich erst Anfang Juli aus ihrer coronabedingten Pause zurückgekehrt, obwohl die Regierung eine Wiedereröffnung mit Mitte Mai ermöglicht hätte. Nun kündigte allerdings das Belvedere einen Start "in Etappen" an und fordert eine höhere Basisabgeltung.

Konkret bedeutet das eine "Sonderöffnung" des Unteren Belvedere und der dort laufenden Schau "Into the Night. Die Avantgarde im Nachtcafé" von 15. Mai bis 1. Juni. Das Belvedere 21 soll einer Aussendung zu Folge am 1. Juni folgen, während der Museumsbetrieb im Oberen Belvedere wie schon bisher kommuniziert mit 1. Juli starten werde. Gleichzeitig verwies man darauf, dass dieser Plan unter dem Vorbehalt stehe, "dass die bevorstehenden Verordnungen keine unerwarteten Restriktionen enthalten, die eine Durchführung gefährden".

Außerdem lenkte man den Blick auf die kommenden Jahre, gehe es doch bereits darum, Programme für 2021/22 zu erstellen. "Tatsächlich fehlen uns dafür aber tragfähige budgetäre Rahmenbedingungen, die wir für Vertragsabschlüsse brauchen", wurden Stella Rollig, Generaldirektorin, und Wolfgang Bergmann, wirtschaftlicher Geschäftsführer, zitiert.

In der Coronakrise werde deutlich, dass das heimische Kulturleben wesentlich vom Tourismus lebt. "Wenn wir das Programm und die Größe der Ausstellungsflächen beibehalten wollen, müssen wir bei Wegfall der touristischen Einnahmen entweder die Ticketpreise verfünffachen, was unrealistisch ist, oder die öffentliche Basisabgeltung verdreifachen", so Bergmann. Würde man stattdessen das Programm reduzieren, koste dies auch Arbeitsplätze. "Für die öffentliche Hand ist es daher auch unter diesem Aspekt sinnvoller, durch eine Erhöhung der Basisabgeltung Jobs zu finanzieren als Arbeitslose zu subventionieren."

Ein kurzes Vergnügen wird vorerst jedenfalls der Besuch des Unteren Belvedere bleiben. Die dort zu sehende Nachtcafe-Schau könne "leider nicht verlängert werden", weshalb man sie für die letzten beiden Wochen der regulären Ausstellungszeit wieder zeigt. "Wir wissen, dass viele Menschen diese Schau über alternative Kunstszenen von der Wiener Moderne bis in die 1960er-Jahre noch gerne sehen wollten. Deshalb bieten wir nun diese Möglichkeit an", so Stella Rollig. Für den Rest des Jahres bleibe das Untere Belvedere dann geschlossen, es sind Sanierungsmaßnahmen geplant.

Im Belvedere 21 setzt man auf die ebenfalls noch laufenden Ausstellungen von Herbert Brandl und Eva Grubinger, die bis Herbst verlängert werden. Während das Blickle Kino sowie das Wotruba-Schaudepot geschlossen bleiben, wolle man im Sommer "unter Einhaltung der aktuellen Sicherheitsbestimmungen" auf Outdoor-Veranstaltungen für Community Outreach und Public Program setzen. Eine für April geplante Ugo-Rondinone-Schau wurde auf 2021 verschoben. Diesen Herbst widmet man Maja Vukoje einen Schwerpunkt, im ersten Halbjahr 2021 gibt es "Joseph Beuys. Denken. Handeln. Vermitteln" zu sehen.

Im Oberen Belvedere wird die derzeitige Schließzeit zur Verbesserung der Barrierefreiheit und den Einbau neuer Belüftungsschächte genutzt. Auch die Inbetriebnahme der neuen Kältetechnik wolle man in diesem Zeitraum vornehmen. Ab 1. Juli sind dann für Besucher die Schausammlung sowie die Ausstellungen zu Renate Bertlmann und dem "Meister von Mondsee", die beide bis 13. September verlängert wurden, zugänglich. Längerfristig verschoben wurden hingegen Ausstellungsprojekte zu Gustav Klimt ("Pigment & Pixel", Frühjahr 2021), Salvador Dali und Sigmund Freud (Frühjahr 2022) sowie Klimt im Zusammenspiel mit Rodin, Van Gogh und Matisse (Frühjahr 2023).(apa)