Bereits am Wochenende haben sich die Anzeichen verdichtet, nun ist es fix: Andrea Mayer, vormals Ecker, wird zur Staatssekretärin für Kultur avancieren und damit die Nachfolge von Ulrike Lunacek antreten. Der Erweiterte Bundesvorstand der Grünen hat am Montagabend einen entsprechenden Vorschlag von Parteichef Werner Kogler angenommen.

Corona-bedingt trat das Parteigremium per Videokonferenz zusammen. Mit 100 Prozent der abgegebenen und gültigen Stimmen (anwesend waren 29 der 33 Stimmberechtigten) wurde Mayer, die über Video mit den Anwesenden diskutierte und Fragen beantwortete, angenommen. Zuvor hatte der Bundesvorstand der Grünen nach Beratung mit dem Parlamentsklub eine einstimmige Empfehlung an den Erweiterten Bundesvorstand abgegeben.

Namhafte Vertreter der Szene, darunter Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger und Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder, haben Mayer bereits Vorschusslorbeeren gestreut: 1962 in Amstetten geboren, gilt sie als profunde und dicht vernetzte Kennerin des Kulturbetriebs.

Nach einem Studium der Germanistik, Geschichte und Rechtswissenschaften in Wien wurde sie vom langjährigen Kunstminister und SPÖ-Politiker Rudolf Scholten in seinen Mitarbeiterstab aufgenommen. Nach einem Intermezzo im Wissenschaftsministerium war es mit Claudia Schmied erneut eine rote Kulturministerin, die Mayer in ihr Team aufnahm und zur Leiterin der Kunstsektion des Bundes bestellte.

Früher in Aufsichtsgremien der Salzburger und Bregenzer Festspiele

Die Spitzenbeamtin aus Niederösterreich war dann auch Chefin der Sektion, als diese um die Agenden der bisherigen Kulturabteilung erweitert wurde. Zudem saß Mayer in den Aufsichtsgremien der Salzburger und Bregenzer Festspielen und leitete das Kuratorium des Belvederes im Krisenjahr 2016, als die Ära von Direktorin Agnes Husslein-Arco nach Compliance-Vorwürfen unverhofft endete.

Im Februar 2017 betrat Mayer schließlich berufliches Neuland, und das nicht im Gefolge eines SP-Politikers: Bundespräsident Alexander Van der Bellen, vormals Spitzenpolitiker der Grünen, setzte mit Mayer erstmals eine Frau an die Spitze seiner Kabinettsdirektion.

Diese Verbindung hat wohl – nebst hoher Sachkenntnis – dazu beigetragen, dass Mayer nun auf die Wunschliste der Grünen für das Kulturstaatssekretariat geriet. Der kleine Regierungspartner ist dabei durch sein Statut dazu gezwungen, den Posten einer Frau zu übertragen.

Eine Nachfolge war nötig, nachdem die Grüne Ulrike Lunacek am Freitag abgetreten war und damit einem Sturm der Kritik Rechnung getragen hatte. Die verdiente Europa-Politikerin, so der Tenor, habe im Kulturbereich weder durch Kompetenz noch die nötige Tatkraft geglänzt, um den wirtschaftlich darbenden Bereich nach der Corona-Krise wieder hochzufahren.

Die Arbeit wartet schon

Auf die Nachfolgerin warten nun nagende Fragen. Zwar hat die türkis-grüne Regierung in der Vorwoche einen Stufenplan zur Ingangsetzung des Kulturbetriebs vorgelegt: Ab 29. Mai sind Kleinveranstaltungen erlaubt, ab Juli Events mit bis zu 250 Personen, ab August dürfen es bis zu 1000 Besucher sein, falls ein Konzept zur Ansteckungs-Prophylaxe vorliegt. Doch eine Gretchenfrage ist offen, nämlich ob der Sicherheitsabstand von einem Meter auch bei Proben einzuhalten ist – und Letztere müssen bald wieder auf den großen Bühnen beginnen, um die Saison im Herbst plangemäß zu starten. Entsprechend nachdrücklich fordern unter anderem die Staats- und Volksoper rasche, verbindliche Vorgaben. Die Regierung hat für den 25. Mai eine Präzisierung angekündigt – wohl schon unter Mitarbeit der neuen Staatssekretärin.

Morgen, Dienstag, ab 11 Uhr wird sich Mayer gemeinsam mit Vizekanzler Kogler im Ministerium für Kunst, Kultur, Öffentlicher Dienst und Sport der Presse stellen. (irr)