Wir haben versucht, möglichst gut auf die Bedürfnisse der Kulturschaffenden einzugehen", sagt die vor fünf Tagen angelobte Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer bei ihrer ersten Pressekonferenz. Tatsächlich räumt die Verordnung Kultureinrichtungen einigen Spielraum ein, schiebt allerdings auch Verantwortung ab.

Oberstes Gebot ist und bleibt die Ein-Meter-Abstandsregel. Allerdings gibt es einige Ausnahmen: Sollten die Sitze diesen nicht hergeben, wie in vielen Theaterhäusern mit enger Bestuhlung, muss nur der seitliche Platz freibleiben, eine Sitzverteilung im Schachbrettmuster ist demnach möglich. Der Preis für die Unterschreitung der Ein-Meter-Regelung ist allerdings eine Maskenpflicht. Das sei freilich nicht der Idealzustand, aber: "Halbwegs gut besuchte Veranstaltungen mit Maske sind besser als fast leere Säle mit weit auseinander sitzenden Gästen ohne Maske", so Mayer. Auch gilt die Abstandsregel nicht für Personen, die ohnehin im selben Haushalt leben. Angelehnt an die geltenden Regelungen in der Gastronomie, dürfen auch im Theater vier Erwachsene nebeneinandersitzen, zwischen Freunden muss also kein Stuhl frei bleiben.

"Allerhand möglich"

Ab 29. Mai können nun 100 Zuschauer eine Indoor-Veranstaltung besuchen, ab 1. Juli kann auf 250 aufgestockt werden, ab 1. August ist der Besuch für 500, mit Sondergenehmigung sogar für bis zu 1000 Besuchern erlaubt.

Für Open-Air-Unternehmungen, bei denen das Infektionsrisiko geringer ist, wurden die Obergrenzen erhöht: Ab 1. Juli dürfen 500 Personen, ab 1. August 750, mit Sondergenehmigung sogar 1250 Personen einem Kulturereignis beiwohnen. "Da ist allerhand möglich", freut sich Mayer.

Allerdings gelten die Zahlen für Aufführungen mit zugewiesenen Sitzplätzen, Konzerte mit Stehplätzen sind davon ausgenommen, hier gilt eine Obergrenze von 100 Personen. "Mir ist klar, dass das strenge Auflagen sind, aber es ist einleuchtend, dass stehende Veranstaltungen schwerer kontrollierbar sind als jene mit fixen Sitzplätzen", so die Kulturstaatssekretärin.

Damit Großveranstalter eine Sondergenehmigung erhalten, muss der Kulturbetrieb ein Präventionskonzept vorlegen, das von der jeweiligen Bezirksbehörde genehmigt und strichprobenartig kontrolliert wird. Die Verordnung nimmt dadurch in Kauf, dass es zu regionalen Unterschieden bei der Bewilligung kommen kann. Die Behörden müssen regionale Gegebenheiten berücksichtigen – wie Infektionszahlen und Auslastung der Spitäler.

Bei der in der Branche viel diskutierten Frage, unter welchen Rahmenbedingungen in den kommenden Wochen Proben möglich sind, setzt man indes stark auf die Eigenverantwortung der jeweiligen Institutionen, die entsprechende Vorsicht walten lassen sollten. Klar ist jedenfalls, dass auch auf der Bühne die Abstandsregel gegebenenfalls nicht gelten muss. "Wenn es die berufliche Tätigkeit erfordert – und das wird auf der Bühne so sein –, ist von dem einen Meter Abstand abzusehen", so Mayer. Diese Orientierung in Richtung Eigenverantwortung solle dann auch bei Filmdrehs gelten.

Mit der jetzigen Verordnung regelt man die Bedingungen für die nächsten drei Monate. Offen ist nach wie vor, wie die Lage mit Saisonbeginn im September aussehen wird. Mitte Juni will man im Bund mehr Klarheit darüber haben, wie es im Herbst weitergehen könne.

Offen ist außerdem noch, wie der Bund mit Verlustabdeckungen für Kulturbetriebe und dem Einkommensentgang für freischaffende Künstler umgehen werde. "Wir kennen die Sorgen der Kulturschaffenden und werden die Situation in den kommenden Wochen evaluieren", sagt Mayer.

"Mir ist schon klar, dass das nicht das Kulturleben sein wird, wie wir es kennen und lieben", räumt die Kulturstaatssekretärin ein, "aber es ist der beste Kompromiss, den wir erzielen konnten. Ich freue mich jedenfalls auf Konzertbesuche, auch wenn ich Maske tragen muss."