Ab dem morgigen Freitag ist es soweit: Auf die Öffnung der Museen folgen erste Veranstaltungen auf der Bühne. Bis zu 100 Personen dürfen sich in den kommenden Wochen bei Vorführungen einfinden, wo der Ein-Meter-Abstand nicht eingehalten werden kann, herrscht Maskenpflicht. Folgend ein Überblick über ausgewählte Veranstaltungen im kleinen Rahmen quer durch die Genres:

"Letzte Lockerung! - Regierungsfreundliche Texte" im Wiener Kabinetttheater

Ausgerechnet die "Letzte Lockerung" steht am ersten Lockerungs-Abend auf dem Spielplan des Wiener Kabinetttheaters. Ab 20 Uhr liest Wolfram Berger "Regierungsfreundliche Texte" von Walter Serner, Paul Scheerbart, Daniil Charms und Erik Satie, die dazugehörige Musik kommt von Markus Kraler und Nikolai Tunkowitsch. In Serners dadaistischem Text "Letzte Lockerung" aus dem Jahr 1918 spielte der Autor "lustvoll mit den herrschenden Klischees von Moral und Wohlständigkeit" und treibt "Widersprüche zwischen gesellschaftlichem Schein und Sein auf die Spitze", wie es im Verlagstext (Manesse) heißt. Wegen der beschränkten Sitzplatzanzahl (Maskenpflicht!) ist die Vorstellung allerdings bereits ausverkauft, an weiteren Terminen wird gearbeitet (www.kabinetttheater.at).

"Hikikomori" - Soziale Isolation mit Publikum im TheaterArche

Es war Ende März, als Veranstaltungen mit über zehn Personen bereits verboten waren: Da stand im Wiener TheaterArche die Sängerin Manami Okazaki auf der Bühne, im Saal befanden sich vier Personen, darunter Regisseur Jakub Kavin und ein Techniker. Auf dem "Spielplan" stand die eigentlich für den 19. März geplante Uraufführung von "Hikikomori", ein Stück über das soziale Phänomen des Rückzugs in Japan. Theaterleiter Jakub Kavin und Okazaki waren dafür nach Japan gereist, um zu recherchieren. Rund 700.000 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 33 Jahren sollen bereits von dieser Art des kompletten sozialen Rückzugs betroffen sein, bei dem keine Schule besucht oder einer regelmäßigen Arbeit nachgegangen wird und man auch sonst alle Kontakte meidet. Die Autoren Sophie Reyer und Thyl Hanscho wurden gebeten, im schreiberischen Dialog einen Text für ein Solo zu entwickeln, das danach die Sängerin Okazaki unter Kavins Regie probte. Dann kam Corona, nach einigen "Voraufführungen" im kleinsten Kreis kann es nun losgehen. Und das Publikum wird - soviel ist klar - das Stück nun aufgrund eigener Erfahrungen in den vergangenen Wochen mit anderen Augen sehen ("Hikikomori", Premiere am 29. Mai um 20 Uhr im TheaterArche. Weitere Termine: 29. und 30. Mai um 20 Uhr, dann jeweils Donnerstag, Freitag und Samstag bis 4. Juli. Infos und Karten unter www.theaterarche.at/hikikomori/).

Solo von Wolfgang Muthspiel: Porgy & Bess startet am Samstag wieder durch

Gedulden muss man sich noch im Musikbereich, jedenfalls, wenn es um Pop, Rock oder Jazz geht, findet doch üblicherweise ein Großteil dieser Konzerte mit Stehpublikum statt. Das bleibt in naher Zukunft aber weiter unmöglich. Wer hingegen eine den Vorgaben der Regierung entsprechende Bestuhlung anbieten kann, ist im Vorteil. So etwa der Wiener Jazzclub Porgy & Bess, der schon bisher in der Coronakrise eigene Wege ging und Konzerte im leeren Saal live streamte. Ab Samstag sind nun im vom Christoph Huber geführten Venue wieder Gigs mit Publikum möglich. Genauer gesagt finden rund 90 Besucher Platz, wenn um 20.30 Uhr Jazzgitarrist Wolfgang Muthspiel für einen Soloabend die Bühne erklimmt. In den nächsten Tagen folgen dann Darbietungen von Mela (31.5), Lukas König alias Koenig, der sein neues Album "Messing" vorstellt (3.6.), oder Harry Sokal (4.6.). Der "virtuelle" Club mit den Livestreams wird dabei aber fortgeführt (www.porgy.at).

Überraschungsabend in der Kulisse Wien: "Katze im Sack"

Noch etwas warten muss das Publikum der Wiener Kulisse: Dort startet man am kommenden Mittwoch (3. Juni) mit einem Überraschungsabend und kredenzt dem Publikum allabendlich bis zum 5. Juni die "Katze im Sack". Jeweils drei Kabarettisten werden dabei das Publikum zum Lachen bringen, heißt es in der Ankündigung. Einlass ist bereits um 18.30 Uhr, gespielt wird ab 20 Uhr (www.kulisse.at).

Auch Klassik-Liebhaber müssen nicht mehr lange warten

Neben dem Wiener Musikverein und dem Konzerthaus, die bereits für kommende Woche Veranstaltungen unter den neuen Rahmenbedingungen angekündigt haben (www.musikverein.at, www.konzerthaus.at), öffnet auch die Oper Graz ab 4. Juni ihre Pforten. Angeboten wird jede Woche ein anderes Programm, die Bandbreite reicht von einem gemischten Opernabend über Schubert-Werke bis zu einem Tanzabend (www.oper-graz.com). Ebenfalls in Graz finden von 7. bis 10. Juni zehn Konzerte des Recreation-Orchesters, das jeweils vor 100 Besuchern in der List-Halle auftreten wird (https://styriarte.com/recreation).

Grazer "Notprogramm" für die Literatur

Auch Lesungen werden ab sofort wieder möglich sein: So hat etwa das Literaturhaus Graz ein "Notprogramm" auf die Beine gestellt und lädt etwa am 9. Juni zu einer Lesung von Monika Helfer, die ihren Roman "Die Bagage" präsentiert. Am 16. Juni folgt Marlene Streeruwitz mit einer Lesung aus ihrem "Covid 19 Roman" (www.literaturhaus-graz.at).