Es ist wohl eines der bekanntesten, wenn nicht gar das bekannteste Tanzsolo der Ballettgeschichte: "Der sterbende Schwan" , in dem eine Ballerina auf äußerst delikate Weise mit ihren Armen und Kopfbewegungen die Eleganz eines Schwans mimt, ihre Füße hingegen leicht und leise trippeln. Es ist die Verkörperung der Anmut des Balletts. Daraus ist die Redewendung "spiel‘ nicht den sterbenden Schwan" entstanden, der jedoch das Theatralische des Solos ins Lächerliche zieht, denn wenn es nicht überzeugend präsentiert wird, gleitet der Tanz schnell ins Kitschige. Das rund drei minütige Solo zur Musik des Cello-Solos "Le Cygne" aus "Le carnaval des animaux" (1886) von Camille Saint-Saëns wurde der Primaballerina Anna Pawlowa vom Choreografen Michel Fokine 1907 auf den Leib kreiert und es zählt bis heute zu den schauspielerisch herausfordernsten Partien.

"Der sterbende Schwan" verbindet nun 32 Solistinnen von 22 Ensembles aus 14 Ländern: Sie haben sich unter der Federführung von Misty Copeland, Erste Solistin des American Ballet Theatre, virtuell zu einem Spendenaufruf zusammengefunden, um in Corona-Zeiten Kompagnien und Tänzer zu unterstützen. "Die Künste sind entscheidend, um Menschen zusammenzubringen und sie helfen dabei, die Ereignisse zu verarbeiten. In diesen sehr ungewöhnlichen Zeiten sind es Tänzer, die die Unterstützung wirklich brauchen können", so Copeland. In dem Video # Swans For Relief  tanzen sie gemeinsam oder einzeln, manchmal auch zu zweit in ihren Wohnzimmern, Balkonen oder im Garten eine kurze Frequenz aus dem Solo, die zusammengeschnitten eine bemerkenswert bunte Interpretation des Klassikers ist - sehenswert in seiner Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten des gleichen Stücks, der gleichen Bewegungen und auch als Dokument für die unterschiedlichen Schulen und Stile. Die Verteilung der Mittel – das Ziel sind 500.000 US-Dollar, bisher wurden rund 265.000 US-Dollar gespendet - erfolgt über die Non-Profit-Organisation Entertainment Industry Foundation (EIF) mit Sitz in Los Angeles, die 1942 unter anderem von Humphrey Bogart, James Cagney, Samuel Goldwyn oder den Warner Brothers gegründet wurde.