Von den Vertretern der Hochkultur werden die diversen sommerlichen Mozart- und Johann-Strauß-Konzerte zwar als reine Tourismuskonzerte belächelt. Doch für viele freie Musiker und fortgeschrittene Musikstudenten sind diese Veranstaltungen eine Möglichkeit, sowohl finanziell über den Sommer zu kommen, als auch künstlerisch im Geschäft zu bleiben. Nun ist der kulturelle Lockdown vorüber, die Wiener Klassiktempel haben - wenn auch mit starken Einschränkungen - wieder ihre Tore geöffnet. Doch mit Juli beginnt die Sommerpause. Es ist zu vermuten, dass, trotz der Aufhebung der Reisebeschränkungen, den Mozart- und Strauß-Konzerten das Publikum fehlen wird.

"Alle reden von den Nöten der Hotels - aber die Touristen kommen nicht wegen der Hotels nach Wien. Sie kommen wegen der Musik", sagt Sylvia Moser, Inhaberin sowohl des Wiener Residenzorchesters als auch des Wiener Hofburgorchesters, im APA-Gespräch. Etwa 150.000 Gäste versorgen die beiden Ensembles in den Räumlichkeiten von Palais Auersperg, Hofburg, Konzerthaus und Staatsoper in einem normalen Sommer mit gediegener Wiener Klassik im leicht zugänglichen Format mit Orchester, Gesangssolisten und Ballett.

Großes Besuchersegment abgedeckt

"Es gibt zwischen Hochkulturbetrieb und Kleinkunst oftmals keine Wahrnehmung für diese Konzertunternehmen, die allerdings jede Menge Steuern zahlen, ohne Subvention oder Sponsoring auskommen und wirklich die Touristen nach Wien locken", so Moser. Für viele Wiengäste steht ein Besuch der Staatsoper oder des Musikvereins auf der To-Do-List, doch sind sie einmal da, gibt es oftmals entweder keine Karten mehr, oder es ist Sommerpause.Mit dem Wiener Mozartorchester, das im Musikverein spielt, dem Kursalon Hübner, der Orangerie Schönbrunn sowie den beiden Orchestern aus dem Hause Moser deckt man ein großes Besuchersegment ab. In puncto Umsatz kann man sich mit den großen Staatstheatern messen.

Nachdem seit dem Corona-Lockdown alles abgesagt wurde, dürfte man in den Sommermonaten eigentlich wieder spielen. Aber die Besucher werden ausbleiben. Für die oftmals als Wolfgang Amadeus gewandeten Verkäufer, die an touristischen Hotspots Konzerttickets anbieten, hatte die Stadt im Vorjahr sogar eigene Zonen definiert. Dabei machen die Individualtouristen, die dabei angesprochen werden, zumindest bei Residenz- und Hofburgorchester nur 15 bis 20 Prozent des Publikums aus. Die große Mehrheit besteht aus Reisegruppen.

Gruppenreise fallen weg

"Die Länder, aus denen unsere Gäste kommen, sind von Corona schwer betroffen", erklärt Moser. Die meisten Gruppen reisen aus China, den USA, Südamerika und Korea an. "In China werden noch keine Gruppenreisen verkauft. In den USA und in Südamerika ist daran ohnehin nicht zu denken. Und in Korea sind in den vergangenen Wochen dutzende Reisebüros in Konkurs gegangen."

Während Kulturschaffende im Staatssekretariat und die Tourismusbranche im entsprechenden Ministerium vertreten ist, sehen sich die Touristen-Konzertveranstalter ohne Lobby. Von den Corona-Hilfsmaßnahmen der Regierung wird man zwar profitieren - die Ausfälle einer ganzen Saison werden sie aber nicht kompensieren.

Rosen streut Moser dem "Zusammenhalt innerhalb der Kulturszene". Die großen Häuser hätten sie bisher großzügig aus den Mietverpflichtungen entlassen, endgültig abgesagt ist der Sommer aber noch nicht. "Vielleicht bekommen wir noch einige Konzerte mit österreichischem Publikum zustande", appelliert Moser etwa an Wientouristen aus den Bundesländern. (apa)