Trotz des Protests hunderter Kunst- und Kulturschaffender soll die angesehene Budapester Universität für Schauspiel- und Filmkunst an eine regierungsloyale Stiftung übergeben werden. Ein diesbezügliches Gesetz billigte das ungarische Parlament am Freitag mit den Stimmen der Abgeordneten des Regierungslagers.

Der Schritt ist Kritikern zufolge Teil der Bemühungen des rechtsnationalen Ministerpräsidenten Viktor Orban, autonome Bereiche der Kultur zu eliminieren, um die Hegemonie einer völkisch-klerikalen Staatskultur herzustellen.

Die Regierung begründete die Übergabe der wichtigsten Ausbildungsstätte für Theater- und Filmleute in Ungarn an die noch zu gründende staatliche "Stiftung für Theater- und Filmkunst" mit der Notwendigkeit eines "Modellwechsels". Beim Begräbnis eines Kulturfunktionärs seiner Regierung hatte Orban kürzlich erklärt: "Die Kultur ist Kampfzone (...), und wenn wir uns heute den Westen ansehen, stellen wir das mit Schaudern fest."

Den Erwartungen zufolge werden die Schlüsselpositionen der neuen Universitätsstiftung Personen einnehmen, die Orban ergeben sind. Die Stiftung wird über die Führung, Lehre und Ausbildungsrichtlinien der Theater- und Filmuniversität bestimmen.

Mehr als 200 Kulturschaffende, unter ihnen die Schriftsteller Peter Nadas und György Dragoman sowie die bedeutendsten Regisseure und Schauspieler des Landes, protestierten in einer Petition gegen die Aufhebung der Universitätsautonomie. (apa/dpa)