Bitte nicht hupen - ich fahr‘ ja schon Vollgas", steht auf dem T-Shirt eines Besuchers im Fahrzeug- und Technik-Zentrum des Dorotheums in Vösendorf. Der spaßig gemeinte Spruch umreißt sehr gut, wie Mofa-Fahrer, Fans von alten Klein-Automobilen sowie Vespa-Aficionados drauf sind: Geschwindigkeit ist nicht alles für sie, was zählt, ist dieses Lebensgefühl, das eine gewisse (aber eben nur eine gewisse) Freiheit vermittelt.

Zumeist besichtigen an diesem Tag eher ältere Herren die Exponate der Auktion "Sammlung RRR - Roller Rollermobile Raritäten", bei der am Freitag, dem 10. Juli, fast 130 alte Roller, Mopeds, Motorfahrräder, Puch 500 und allerlei teils skurrile Fortbewegungsmittel unter den Hammer kommen. Einer der Interessenten kommt in Rockerkluft, ein anderer studiert mit Zettel und Stift die alten Raritäten, als wären sie wertvolle Antiquitäten. Ein paar Frauen sind auch zu sehen, aber meist sind sie die "Begleitung".

Zweiräder waren nach dem Krieg sehr beliebt. - © Katharina Sartena
Zweiräder waren nach dem Krieg sehr beliebt. - © Katharina Sartena

Was hier in der Kategorie "Historische Fahrzeuge" beim Dorotheum versteigert wird, ist aber mehr als eine Zusammenstellung von alten Blechkisten oder schrägen Fahrkonstruktionen. Der Besucher wähnt sich in einer Motorshow mit musealem Charakter - nicht alle Fahrzeuge sind noch fahrtauglich, bei manchen scheinen es gar nur mehr die Ruinen zu sein, Marke "Bastlerhit".

Museale Sammlung

Das Besondere an der Auktion ist die Herkunft der Fahrzeuge: Sie entstammen der Sammlung von Erich Schenkel und Norbert G. Mylius, die ihre Leidenschaft fürs Gefährt ein Leben lang verfolgt haben und zwischen 2003 und 2019 das Museum RRRollipop in Eggenburg betrieben; nach der Schließung des Museums wartet das Fahrzeug-Ensemble in seiner letzten gemeinsamen Zusammenkunft auf ein neues Leben bei neuen Besitzern.

Gerade kleine Autos, Motorroller und andere Gefährte waren in den Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gefragte Alternativen zum Automobil. Dieses hatte sich in den 1930er Jahren auch dank des massiven Ausbaus von Produktionsstätten unter den Nazis zu einem vielversprechenden und absatzstarken Produkt entwickelt, das beinahe schon für jedermann verfügbar wurde - zumindest war das die Intention, als die Marke Volkswagen antrat.

Doch der Krieg zerstörte die aufblühende Industrie für viele Jahre: In den Trümmern gab es kaum noch Abnehmer für die Autos, man fiel schnell auf ein Niveau zurück, auf dem das Pferdefuhrwerk zum Standard gehörte. Die Lösung schien daher in einer eher sanften, kleinteiligen Mobilität zu liegen. Vor allem aus Italien machte bald ein Knattern auf den Straßen Schule, das eine neue Form der Mobilität verhieß: "Mit der Vespa war der Motorroller erfunden, und er schenkte einer ganzen Generation, die in die Kriegsjahre hineingeboren wurde, diesen ersten Funken Freiheit", so Wolfgang Humer, Experte für klassische Fahrzeuge beim Dorotheum. Erich Schenkel und Norbert G. Mylius hatten früh begonnen, allerlei motorisierte Untersetzer zu sammeln. Eine Leidenschaft, die bis ins hohe Alter anhielt.

Die Ära der Motorroller stand so lange in einer Blüte, solange die meisten Menschen zu verarmt waren, um sich ein Auto zu leisten. Mit dem zunehmenden Wohlstand hingegen waren auch die Roller bedroht - denn immer mehr Menschen entschieden sich dann lieber für einen bequemen VW als für eine zugige Fahrt auf der Vespa.

Aber Not machte die Roller-Bauer erfinderisch - und so ist es kein Wunder, dass beim Dorotheum jede Menge skurriler Objekte zu finden sind. "Ganz weit vorn waren die Briten", erläutert Humer. "Peel, Frisky oder Scootacar sahen aus wie zu heiß gewaschen, ob Auto oder Ufo sei dabei dahingestellt. In Deutschland hingegen trieb man Pragmatismus zur Perfektion, hatten doch etwa Messerschmitt und Heinkel gerade noch Flugzeuge gebaut." In Frankreich gab es seltsame Gefährte schon vor dem Krieg, und die Italiener waren sowieso Meister in dieser Fahrzeugklasse: "Die Italiener haben allen gezeigt, wie es geht, Vespa und Lambretta auf zwei Räder und die Isetta auf drei zu stellen", sagt Humer.

Allerlei Exoten

Auch in Österreich gab es etliche Exoten, darunter Marken wie Kauba, Megu und Colibri, die heute allesamt fast vergessen sind. Dann kam Puch mit seinem Roller und dem 500 und setzte sich von Null auf Hundert als Platzhirsch auf das Segment.

Großen Wert haben die meisten Exponate bei der Auktion nicht, zumindest keinen materiellen. Doch da spielt vielmehr das persönliche Erleben der Fans eine Rolle; ein Blick ins Internet zeigt, wie groß die Szene all jener ist, die in ihrer Freizeit jede Minute damit zubringen, an alten Motoren herumzuschrauben.

Was die Auktion besonders macht: Zu jedem Exponat gibt es eine persönliche Geschichte der Sammler. Etwa zu der Ur-Lambretta aus dem Jahr 1948, die 1981 für 1,1 Millionen Lire angekauft und umfangreich restauriert wurde. Oder der Kleinwagen New-Map Rolux VB 60 von 1949, dessen 100 ccm Sachs-Motor das linke Hinterrad antrieb und den man als normaler Autofahrer auf der Straße schon einmal übersehen konnte. Ein Steyr-Waffenrad von 1953 ist mit einem Fuchs-Motor ausgestattet - dieser von Ingenieur Anton Fuchs entwickelte Antrieb war sozusagen der Vorläufer des E-Bike: "Mühselig treten war’s zuvor, jetzt fährt sich’s leicht mit Fuchsmotor", hieß der Slogan damals - in der Nachkriegszeit ein Erfolg, da man den Motor an jedem Fahrrad anbringen konnte. Der spezifische Motor in der Auktion hatte ein bewegtes Vorleben: Er diente bis 1979 als Antrieb für das Eiswagerl von Josef "Joe" Trummer, Eisverkäufer am Stephansplatz und Schauspieler in Film und Fernsehen.

Apropos Eiswagerl: Zwar gibt es nicht das Trummer-Radl zu ersteigern, jedoch eines von 1953 mit Fuchsmotor unbekannten Urhebers - es ist das farbenprächtige Highlight der Auktion, mit großer Kühlbox, satt-roter "Eis"-Aufschrift, schattenspendendem Sonnenschirm und ausgewiesenen Schilling-Eispreisen. Rufpreis: schlappe 300 Euro.

Ein Roller war nicht immer zwingend ein rudimentäres Fahrzeug: Schon früh gab es Luxus-Roller, die so manche Harley alt aussehen ließen. Das Maicomobil MB 151 von 1953 zum Beispiel: Hier reiste es sich edel und futuristisch, vom Wetter seitlich geschützt und mit 80 km/h sehr schnell - nicht umsonst lautete der Werbeslogan damals: "Das Auto mit den zwei Rädern."

Blickfang und Tretauto

Gänzlich überdacht und optisch ziemlich unverkennbar hingegen der Messerschmitt KR 175 von 1954 (Rufpreis: 5000 Euro) - ein hellblauer Dreiradler mit 175 ccm 4-Gang Sachsmotor mit selbsttragender Karosserie und Plexiglaskuppel - ein echter Blickfang. Mindestens ebenso charmant: Das Velocar Machet CM 125 Grand Luxe von 1954 - natürlich motorisiert, aber als Kleinstauto schon in den 1910er Jahren gebaut, damals aber eben noch mit Pedalen, die man treten musste. Angeblich, weil die Frau von Konstrukteur Charles Mochet ein gewöhnliches Rad für ihren Sohn als zu gefährlich erachtete.

Die Liste der Objekte mit skurriler Geschichte oder schräger Optik, sie ließe sich noch lange fortsetzen; am besten ist sowieso, die Gefährte haptisch in Augenschein zu nehmen, wozu bis 14 Uhr am Auktionstag die Gelegenheit besteht. Die Leidenschaft der Rollerfans in der Dorotheum-Halle für ihr Hobby war angesichts der zahlreichen Besucher jedenfalls eindeutig, wie man auch an einem weiteren Besucher-T-Shirt ablesen konnte. Da stand: "Sie hat gesagt: Dein Moped oder ich! Manchmal vermisse ich sie."