Vom altbekannten "Babyelefanten" übers Notfalldosenbrot bis hin zu Installationen zu Arbeitslosigkeit: Das Technische Museum bietet mit der neuen Ausstellung "Corona Impact" bis 4. September eine Rundschau über die Auswirkungen von Covid-19 auf unseren Alltag an.

Den Rahmen für die Pop-Up-Ausstellung bilden 17 Stationen, welche sich an den 17 "Sustainable Development Goals" (SDGs) der Vereinten Nationen orientieren. Dabei handelt es sich um eine weltweit empfohlene Agenda für nachhaltige Entwicklung bis 2030. Die Ziele reichen von Armutsbekämpfung, leistbarer und nachhaltiger Energie bis hin zu Idealen wie "Frieden und Gerechtigkeit". Seit 2017 sind die 17 SDGs im österreichischen Regierungsprogramm verankert, das Technische Museum hat sie Anfang dieses Jahres ins eigene Leitbild aufgenommen.

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Ungleiche Krise

Die Ausstellung versucht aufzuzeigen, welche Auswirkungen die Pandemie auf das Erreichen dieser Ziele hat. Untersucht wird beispielsweise, welche bestehenden Missstände und Ungerechtigkeiten durch die Pandemie sichtbarer wurden. Dabei zeigt sich, dass vor allem bereits benachteiligte Gesellschaftsgruppen wie ethnische Minderheiten oder Frauen am meisten von der Krise betroffen sind.

Eine der Stationen weist auf die androzentrische Sicht der Medizin hin: Fast alle Masken und Schutzausrüstungen wurden nach männlicher Norm konzipiert und schützen Frauen oft nur unzureichend. In einer weiteren Installation sind Masken mit Variationen der Aufschrift "I can’t breathe" zu sehen - ein Hinweis auf die "BlackLivesMatter"-Bewegung, welche auf strukturelle Diskriminierung aufmerksam macht.

"Corona Impact: An-Denken in 17 Stationen" soll Besuchern einen Anstoß geben, eigene Handlungen zu überdenken und sich mit anderen über persönliche Erlebnisse der vergangenen Monate auszutauschen. Einen Impuls dafür liefern Alltagsgegenstände, die die Corona-Krise global geprägt haben und schon am Beginn der Schau ersichtlich sind: ein Einkaufswagen voller Klopapier, ein Absperrzaun, auf dem Lebensmittelsackerl "zur freien Entnahme" aufgehängt sind und ein ein Meter großer Babyelefant.

Neue Denkanstöße

Welche Lehren können wir aus der Krise ziehen? Die Installationen antworten: In Zeiten von Klimawandel und globalen Abhängigkeiten ist es wichtig, gegebene Strukturen zu hinterfragen und über Alternativen nachzudenken. Denn die Pandemie habe andere Lösungsansätze aufgezeigt und somit Regionalität und Nachhaltigkeit wieder mehr in den gesellschaftlichen Fokus gerückt, meint Peter Aufreiter, der Direktor des Technischen Museums.

Für die Konzeptplanung von "Corona Impact" wandte das Technische Museum den Ansatz des "Rapid Response Collecting" an, welchen sich schon das Wien Museum und das Haus der Geschichte sowie einige andere österreichischen Museen zunutze machen. Er ermöglicht, aktuelle Geschehnisse fast zeitgleich auszustellen, Exponate flexibel zu erweitern und damit den immer schneller werdenden gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung zu tragen. Ziel sei zudem die Ermutigung und Ermächtigung junger Menschen, zukünftige Entwicklungen aktiv mitzugestalten. Auch in Zukunft soll es mehr Ausstellungen dieser Art geben, um den öffentlichen Diskurs zu fördern, meint Aufreiter.

Digitale Sammlung

Auch die Erweiterung in den Digitalen Raum ist Teil der neuen Ausrichtung. Die bisherige Sammeltätigkeit des Technischen Museums beschränkte sich nur auf materielle Kultur, mit dem Beginn eines neuen Jahrzehnts fängt aber auch für das Museum eine neue Ära an: die digitale. So gibt es seit 2020 ein eigenes Kustodiat für die Aufbewahrung digitaler Objekte, das erste dieser Art in Österreich.

Für eine vertiefende Auseinandersetzung mit der Corona-Thematik hat das Technische Museum im Rahmen der Schau einen eigenen Youtube-Kanal eröffnet. Dieser soll den Zugang zu weiteren Daten, die in der Ausstellung keinen Platz mehr gefunden haben, leichter machen, wie etwa ein Video zur Frage "Wie ist es Obdachlosen während des Corona-Lockdowns ergangen?"