Mithilfe teils Jahrhunderte alter Gemälde wollen zwei Forscher mit Unterstützung von Kunstfans die Evolutionsgeschichte von Früchten und Gemüse analysieren. Man besitze vielleicht einen Teil des genetischen Codes bestimmter antiker Pflanzen, oft aber keine gut erhaltenen Exemplare, erklärte der belgische Biologe Ive De Smet. Kunstwerke könnten helfen, die Evolution dieser Arten zurückzuverfolgen.

Beispielsweise hatten Wissenschafter auf Abbildungen aus dem alten Ägypten dieselben Streifen auf Wassermelonen festgestellt, die die Früchte heutzutage haben, wie De Smet vom Flämischen Institut für Biotechnologie im belgischen Gent und der Kunsthistoriker David Vergauwen im Fachblatt "Trends in Plant Science" schreiben. Zusammen mit der DNA eines Melonenblatts aus einem Pharaonengrab lag der Verdacht schließlich nahe, dass die Frucht bereits vor mehr als 4.000 Jahren kultiviert wurde.

Nach diesem Prinzip wollen die Forscher nun Abbildungen von Früchten und Gemüse etwa in Stillleben oder Darstellungen der Jungfrau Maria untersuchen. Um ihre Datenbank an Gemälden zu erweitern, hoffen sie außerdem auf die Hilfe von Museen auf der ganzen Welt. Daher bitten sie Kunstliebhaber darum, ihnen Bilder von Gemälden weltweit zu schicken, auf denen pflanzliche Nahrung abgebildet ist.

 

ÖAW fördert Forschungen zum Kulturerbe

Hat Vincent van Gogh um 1886 das "Stillleben mit Wiesenblumen und Rosen" gemalt? Lange war sich die Kunstwelt uneinig, bis vor wenigen Jahren die Forschung mithilfe von Makro-Röntgenfluoreszenzanalyse das Geheimnis lüften konnte. Dank der Röntgentechnik konnte nachgewiesen werden, dass die Farbpigmente des Gemäldes mit anderen zeitgenössischen Blumenbildern van Goghs übereinstimmen.

Einzigartige Kulturschätze warten auf ihre Erforschung

Die sogenannte "Heritage Science", also die interdisziplinäre Erforschung des Kunst- und Kulturerbes, bringt immer wieder überraschende Erkenntnisse wie diese ans Licht. Ein neues Förderprogramm der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zielt darauf ab, dass es in Zukunft noch mehr werden. Österreichs Museen, Galerien, Bibliotheken und Archive verwahren umfangreiche Sammlungen, zudem bergen auch Monumente und Ausgrabungsstätten sowie (prä-)historische Fundstätten unzählige Objekte einzigartiger Natur und Geschichte. Doch viele dieser materiellen Kulturgüter sind noch wenig erforscht.

Die ÖAW will daher mit ihrem Förderprogramm "Heritage Science Austria", das aus Mitteln der Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung finanziert wird, Teams von Wissenschaftler/innen an Museen, Bibliotheken, Universitäten und weiteren Forschungs- und Kulturinstitutionen dabei unterstützen, neue Forschungsvorhaben zum kulturellen Erbe zu starten sowie dafür notwendige technische Infrastrukturen aufzubauen und innovative Methoden auszuarbeiten. Einzelne Projekte werden mit bis zu 600.000 Euro gefördert, die Gesamtfördersumme ist 4,5 Millionen Euro. Die Dauer der Förderung beträgt maximal vier Jahre. Die Erkenntnisse aus allen geförderten Projekten werden per Open Access der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Konflikte und Klimawandel bedrohen kulturelles Erbe

"Die Erforschung unseres kulturellen Erbes trägt wesentlich dazu bei, das Wissen über unsere Geschichte zu erweitern und an kommende Generationen weiterzugeben", sagt Michael Alram, Numismatiker und Vizepräsident der ÖAW. "Wir brauchen auch mehr Heritage Science, um aktuellen Bedrohungen unseres Kulturerbes zu begegnen. Kriege und Konflikte bringen kulturelle Schätze weltweit in Gefahr, durch die Folgen des Klimawandels können historische Denkmäler oder Kulturerbestätten beschädigt werden. Heritage Science kann dazu beitragen, Zerstörtes wenigstens virtuell zu rekonstruieren oder geschichtsträchtige Bauwerke "klimafit" zu machen", so Alram weiter. (apa/dpa)