OK, ich gebe dir zwei Schafe für ein Erz. Aber das ist mein letztes Wort." Wer mit diesem (mit einer Mischung aus Ärger und Flehen vorgetragenem) Satz mitfühlen kann, ist mindestens schon einmal Teil des Catan-Mythos geworden. Denn wer die Insel "Catan" besiedeln will, muss bauen: Straßen. Siedlungen, Städte. Und wer bauen will, braucht bestimmte Rohstoffe. Da sind kleine Deals unter den Mitspielern gerade das richtige Mittel. Ob einem geholfen wird oder nicht, entscheiden die Gegner, oder in diesem Fall Partner: Welche Rolle das Gegenüber gerade einnimmt, entscheidet sich von Runde zu Runde. Und man kann schnell in Ungnade fallen, wenn der Würfel falsch zu liegen kommt.

1995, also vor 25 Jahren, wurde Klaus Teubers Strategie-Brettspiel "Siedler von Catan" Spiel des Jahres. Und setzte so zu einem unglaublichen Höhenflug an, der auch heute noch anhält. Denn die "Siedler"-Spiele gehören zu den erfolgreichsten Spielen der Welt. In 25 Jahren wurde das Spiel (und seine zahlreichen Erweiterungen) mehr als 30 Millionen Mal verkauft, in über 40 Sprachen übersetzt und in mehr als 70 Ländern verlegt. Rund um das faszinierende Spiel hat sich seither eine weltweite Fangemeinde gebildet. Über zwei Generationen hinweg wird nun schon mit Begeisterung gesiedelt, gehandelt und gebaut.

Autor Klaus Teuber hat mehr als 50 Spiele erfunden. Vier davon wurden "Spiel des Jahres". - © Kosmos/Catan GmbH
Autor Klaus Teuber hat mehr als 50 Spiele erfunden. Vier davon wurden "Spiel des Jahres". - © Kosmos/Catan GmbH

Die Geschichte der Siedler ist untrennbar mit ihrem Autor - oder soll man besser sagen Entdecker - verbunden. Die Spielidee entwarf Klaus Teuber, damals noch Geschäftsführer eines Dentallabors, nicht auf dem Reißbrett. Vielmehr erzählte er eine Geschichte. Die Geschichte einer Insel, die in der Wikingerzeit, etwa 850 nach Christus, zu besiedeln ist. Eine Geschichte, die damals aus der Zeit gefallen schien und wenig Gefallen bei den arrivierten Verlagen fand. Einige gaben der Idee den Laufpass, nur bei Kosmos hatte man Weitblick und nahm das Spiel ins Programm. 3000 Stück war die bescheidene Erstauflage, damals noch in edler, aber schlichter Holz-Haptik.

Erst Thema oder Mathematik?

Eine Geschichte zu erzählen war Klaus Teuber immer schon wichtig. "Es gibt Autoren, die kommen eher von der Mathematik. Die entwickeln zuerst einen Spielmechanismus und stülpen dann ein Thema drüber. Oder man hat eine Geschichte, mitunter sogar einen literarischen Ansatz. Das ist eher meine Richtung. Oft ist es auch nur eine historische Begebenheit oder eine bestimmte Zeit, die mich inspiriert", sagte Teuber im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Die Spielidee zu Catan spukte Teuber damals schon länger im Kopf. Teubers Frau und seine Kinder testeten unzählige Male diverse Varianten des Spiels. Aus der Spieletrilogie mit dem Arbeitstitel "Kolonisation" entwickelte sich in kurzer Zeit 1994 das monothematische Brettspiel "Die Siedler". Da kurz vor Markteinführung ein namensgleiches Computerspiel erschienen war, wurde der Titel in "Die Siedler von Catan" erweitert. Der Name Catan ist übrigens ein Produkt des Zufalls: Er wurde aus einer Auswahl von zehn Fantasienamen aus phonetischen Gründen gewählt.

Das Spiel fand Gefallen: Eher einfache Spielregeln, der strategische Faktor, der damals auf dem Markt gerade in Mode kam, und doch eine Portion nivellierendes Würfelglück. Dazu kommt eine enorme Wandlungsfähigkeit. Denn das Spielfeld mit den typischen, in Hexagonen geformten Ländern wird bei jeder Partie neu aufgebaut. Keine Runde ist somit wie die andere. Und die Strategie ist daher jedes Mal neu zu entwerfen, da alle Spieler vor einer neuen, unbekannte Spielsituation stehen.

In der Tat waren die "Siedler von Catan" das richtige Spiel zur richtigen Zeit. Es erschien nicht umsonst in einer Phase, als Brettspiele für junge Erwachsene wieder cool wurden und ein Spieleabend eine angesagte Freizeitaktivität wurde. Dazu kommt die gesellige Komponente: "Es ist ein sehr kommunikatives und friedliches Spiel. Man zerstört nicht, sondern baut auf und muss andere Spieler überzeugen können", sagt Autor Teuber. Während sich im Fahrwasser von Catan dutzendfach Spiele mit immer gewagterem Design und immer komplizierteren Regeln überboten, hielt man es bei Catan und seinen zahlreichen Erweiterungen simpel. Auch die Erweiterungen sind schnell erklärt, wenn man kein Anfänger ist. Und auch sie sorgen dafür, dass jede Runde immer wieder etwas Neues zu bieten hat.

Catan war nicht Teubers erstes preisgekröntes Spiel: Viermal schon gewann der Familienunternehmer die begehrte Auszeichnung "Spiel des Jahres". Die Auszeichnung hatte er erstmals 1988 für sein Debüt "Barbarossa" erhalten. 1990 wurde das geniale "Adel verpflichtet" ausgezeichnet, gleich im nächsten Jahr "Drunter&Drüber". Der kommerzielle Durchbruch gelang ihm aber 1995 mit "Die Siedler von Catan".

Bill Gates ist ein Fan

Seitdem hat die Insel eine konstante Fangemeinde, die oft weite Kreise zieht. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg soll genauso ein treuer Fan sein wie Computer-Unternehmer Bill Gates. Wer bei Reid Hoffmann von LinkedIn zum Vorstellungsgespräch kommt, dem kann es passieren, dass er gegen seine Mitbewerber und den Chef in spe eine Runde "Siedler" spielen muss. Auch Kirsten Bell und Dax Shepard wie auch Mila Kunis zählen zu den Fans der Insel. Und man möchte fast sagen: Selbstverständlich hat das Spiel auch in "The Big Bang Theory" gleich mehrere Auftritte, wenngleich es für den Nerd-Status wohl doch deutlich zu mainstreamig ist.

Dass Spiele manchmal als Nerd-Beschäftigung geringgeschätzt oder abgetan werden, kann Autor Teuber nicht verstehen: "Manchmal bedaure ich, dass Spiele oft verkannt beziehungsweise unterschätzt werden. Spiele haben einen großen sozialen Aspekt und verknüpfen die Menschen miteinander. Als Spielentwickler fühle ich mich als so etwas wie ein Regisseur. Wie die Leute das Spiel dann ausfüllen, das kommt ganz auf die jeweiligen Menschen an. Manchmal wird es zur Tragödie, manchmal zur Komödie." Vielmehr geht es heute um die Geschichte, die erzählte Welt, die ein Spiel aufbaut. Dass ein Spiel durchaus "Literatur im Karton" sein kann, ist noch nicht allen Menschen bewusst geworden.

Nur keine Handelsstraße!

Da passt es doch, dass Klaus Teuber in seinen soeben erschienenen Memoiren "Mein Weg nach Catan" (Verlag Langenmüller) vor allem den Erfolg des Spiels bei den Studenten hervorhebt. Das habe viel dazu beigetragen, dass das Spiel die begehrte Auszeichnung "Spiel des Jahres" erhielt und kommerziell so erfolgreich wurde. In dem Buch gibt Teuber auch Tipps für Anfänger. Wir wollen hier nicht zu tief in die Details der Spielmechanik gehen, aber: Vergessen Sie die "längste Handelsstraße" - viel zu teuer. "Fokussieren Sie sich lieber auf die Siedlungen und Städte", sagt Teuber. Und der muss es schließlich wissen, ist er doch bei einem Catan-Turnier schon einmal guter Zweiter geworden.

Apropos Bau einer Stadt: Hat jetzt jemand ein Erz für mich? Ich würde sogar drei Schafe bieten.