Ibiza - das Wort verbinden Österreicher schon lange nicht mehr mit dem schicken Badeort auf den Balearen, sondern vielmehr mit dem Ex-Vizekanzler Heinz Christian Strache und dem "Ibiza-Video", das in Österreich einen Skandal ausgelöst hat, wie ihn die Republik selten gesehen hat. Dieser Thematik und weiteren aktuellen Geschehnissen wie der Coronakrise oder zahlreichen Protestbewegungen, widmet sich ein neuer Teil der "Haus der Geschichte" Hauptausstellung.

Dabei hat ein USB-Stick im Skandal eine Schlüsselrolle gespielt und brachte die österreichische Politik 2019 wochenlang durcheinander. Den Original USB-Stick, welcher der "Süddeutschen Zeitung" durch Unbekannte zugeschickt wurde und die unleserlichen Notizen des Journalisten der SZ kann man sich jetzt in der Ausstellung ansehen. Denn was im Zuge dieser Aufdeckung passierte, war einmalig - zum ersten Mal in der Geschichte Österreichs wurde der Regierung vom Parlament Misstrauen ausgesprochen, was zur Übergangsregierung von Brigitte Bierlein führte. Auch das war einmalig - noch nie gab es in Österreich eine Frau an der Spitze der Regierung, mit Bierlein hatte Österreich aber ein halbes Jahr lang eine Bundeskanzlerin.

Über dem USB-Stick und dem Foto von Bierlein hängen Ibiza-Protest-Relikte - unter anderem ein "Ibiza 18.5.19"-T-Shirt und ein Schild auf dem "Neuwahlen jetzt!" zu lesen ist. Zudem findet man in der Ausstellung das Video des Bundespräsidenten Van der Bellen, in welchem er die "Schönheit und Eleganz der Verfassung" lobt.

Die Hauptausstellung widmet sich vor allem gesellschaftlichen Umbrüchen in der Gesellschaft wie diesem und großen wirtschaftlichen oder politischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte. Bei der Betrachtung der letzten Jahrzehnte Österreichs, wird auch deutlich, dass seit Beginn der 2010er Jahre vor allem Protestbewegungen und Bürger im Mittelpunkt großer sozialer Umbrüche stehen. Proteste gegen Klimawandel, für Gleichberechtigung und über politische Themen formten die letzten Jahre maßgeblich.

Auch die "Einzelfälle" der FPÖ werden mit Ausstellungsstücken kritisch betrachtet, zwei Liederbücher und ein Auszug aus dem Oster-Gedicht der Braunauer FPÖ namens "Stadtratten" sind als neue Exponate zu sehen.

"Bilder von draußen"

Der politischen Auseinandersetzung mit dem Thema Migration widmet sich ein eigener Bereich der Ausstellung, hier sind unter anderem Relikte aus dem Jahr 2015 zu sehen, als es zu einem erhöhten Anstieg an Asylbewerbungen in ganz Europa kam. Das von Herbert Kickl erfundene Schild "Ausreisezentrum" hängt im Museum direkt neben einer orangen Schwimmweste aus dem Mittelmeer.

Auch Corona lässt das Haus der Geschichte nicht los. Zusätzlich zu den neuen Exponaten kann das Haus der Geschichte auch mit einigen interaktiven Punkten aufzeigen. Es gibt eigens für Fotos zwei Selfiepoints, so kann man zum Beispiel scheinbar in den österreichischen Bergen auf einem Sessellift sitzen, um ein Foto zu machen. Selbstgemachte Bilder können auch Teil der Ausstellung werden, indem sie auf Touch-Screen-Bildschirmen innerhalb geladen werden. Im Internet können die Fotos zu ausgewählten Themen wie "Wieder draußen" hochgeladen werden und sind dann direkt auf dem Bildschirm in der Ausstellung zu sehen. Auf einem Wahlpult kann man zudem an einer Befragung teilnehmen und an einem anderen Eck gibt es philosophische Fragen im A5-Format zum Mitnehmen. Auch Urlaubsbilder aus dem mehr oder weniger freiwilligen Urlaub in Österreich kann man direkt in die Sammlung schicken.

Besonders beeindruckend bei der Einbindung der Besucher in die Ausstellung ist die riesige Post-It-Wand im letzten Ausstellungsraum. Auf die Frage "Wofür lohnt es sich zu kämpfen?" findet man hier hunderte Antworten von Besuchern - "Toleranz, Meinungsfreiheit, Klimaschutz, Sichtbarkeit und Liebe", aber auch "kaltes Bier" und "Lasagne" sind zu lesen.