Das Konzert des russischen Turezki-Chors, das am Wiener Schwarzenbergplatz stattfand, illustriert, dass Kulturschaffende ohne EU-Staatsbürgerschaft aus Covid-Risikogebieten trotz formalen Einreiseverbots in Österreich auftreten können. Möglich wird dies durch eine Ausnahme, die Einreisen "im Rahmen des gewerblichen Verkehrs" erlaubt. Support kommt auch von Österreichs Botschaften.

Der in Russland populäre Turezki-Chor hätte schon im Mai 2020 anlässlich von 75 Jahren Kriegsende in Wien auftreten sollen. Doch die Coronapandemie erzwang eine Verschiebung des Konzertevents. Am Donnerstagabend war es schließlich am Schwarzenbergplatz so weit. Nach Vorlage eines Corona-Sicherheitskonzepts erteilten die verantwortlichen Magistratsabteilungen ihre Erlaubnis zur Abhaltung. Die mit einem Gesundheitszeugnis ausgestatteten Musiker kamen mit einem der raren Direktflüge aus Moskau nach Wien.

"Möglich wurde das durch die funktionierende Zusammenarbeit der Behörden. Konkret meine ich damit die Wiener Stadtregierung, die in einem Brief von Bürgermeister Michael Ludwig das Projekt unterstützte, und das österreichische Außenministerium, das eine Note verfasste", kommentierte die Produzentin des Wiener Konzerts, Irina Dshajani, gegenüber der APA. Das Schreiben sei Grundlage dafür gewesen, dass die Musiker nach Österreich einreisen konnten.

Verordnung lässt Ausnahmen zu

Formal sieht die geltende Verordnung des Gesundheitsministeriums vor, dass Drittstaatsangehörige aus Covid-Risikogebieten nicht nach Österreich einreisen dürfen. Für Kulturschaffende ohne EU-Staatsbürgerschaft existiere jedoch eine Ausnahmeregelung, bestätigten Sprecher von Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer sowie des Gesundheitsministeriums gegenüber der APA.

So sie in Österreich auftreten, fällt das "in den Rahmen des gewerblichen Verkehrs". "Bei der Einreise muss das glaubhaft gemacht werden", erläuterte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Dies könne an der Grenze mit einem Arbeitsvertrag, einer offiziellen Arbeitseinladung oder entsprechenden Schreiben belegt werden, sagte er.

Um auf Nummer zu sicher zu gehen, kontaktierten österreichische Kulturmanager zuletzt aber auch zusätzlich das Außenministerium. Konkrete Schreiben wurden dabei jeweils von den Vertretungsbehörden ausgestellt, betonte eine Sprecherin des Außenministeriums. "Wir können bestätigen, dass Personen, die ein solches Schreiben mit sich geführt haben, in der Regel das Boarding möglich war", erklärte sie. (apa)