Die österreichische Kulturszene befindet sich bis - vorerst - 30. November in einem zweiten Lockdown. Theater-, Opern- und Konzerthäuser sind ebenso geschlossen wie Kinos, Museen und Kunsthallen, Veranstaltungen mit Publikum sind untersagt. Geöffnet sind nur Galerien und Bibliotheken. Ein Rundblick in andere Länder zeigt: Die Situation anderswo ist meist nur in Details unterschiedlich.

DEUTSCHLAND:

Im Nachbarland Deutschland gilt seit Montag wegen der stark gestiegenen Corona-Infektionszahlen ein Teil-Lockdown in bestimmten Bereichen. Kultur- und Freizeiteinrichtungen müssen wie in Österreich den ganzen November über schließen. Schon im Frühjahr hatten viele Einrichtungen bundesweit geschlossen, in den vergangenen Monaten galten - je nach Bundesland - teilweise deutlich strengere Regeln bei den Besucherzahlen als in Österreich. Der Kultursektor reagierte mit Protest und Unverständnis auf die neuerlichen Einschränkungen. Zahlreiche Theater, Kinos und Orchester kritisierten die pauschale Schließung von Bühnen. Auch die deutsche Kulturministerin Monika Grütters bezeichnete die Schließungen als "echte Katastrophe".

Um die Einnahmenausfälle auszugleichen, sollen Betroffene aus der Kultur- und Veranstaltungsbranche immerhin einen "fiktiven Unternehmerlohn" vom Staat erhalten. Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert kündigte am Mittwoch an, Kulturunternehmen bekämen im November 75 Prozent ihres Umsatzes als direkte Hilfe. Solo-Selbstständige könnten dabei wahlweise den Umsatz des Novembers 2019 oder ihren monatlichen Durchschnittsverdienst des Vorjahres zugrunde legen. Staatliche Hilfen sollen auch jene erhalten, die indirekt von den coronabedingten Schließungen betroffen sind. Anspruchsberechtigt sind alle Unternehmen, die regelmäßig 80 Prozent ihrer Umsätze mit den jetzt geschlossenen Einrichtungen erzielen.

SCHWEIZ:

In der Schweiz setzt man landesweit seit Ende Oktober auf eine Höchstbesucherzahl von 50 Personen bei Kulturveranstaltungen, Theater und Museen können unter diesen Umständen offen halten. Allerdings gibt es regional starke Unterschiede, in einigen Kantonen wurden Schließungen verordnet. Da sich diese regionalen Maßnahmen fast täglich ändern, ist ein Überblick schwierig. Bei der 50-Personen-Grenze handelt es sich allerdings um "Mindestmaßnahmen", wie es auf der Website des Bundesamts für Gesundheit heißt.

Zusätzlich zu Unterstützungsleistungen wie etwa der Kurzarbeit gibt es in der Schweiz umfassende Hilfsangebote. So können Kulturunternehmen, "die aus der Absage, Verschiebung oder eingeschränkten Durchführung von Veranstaltungen und Projekten oder aufgrund betrieblicher Einschränkungen infolge der Umsetzung staatlicher Maßnahmen einen finanziellen Schaden erlitten haben", bei den Kanton eine Ausfallentschädigung (von maximal 80 Prozent der Schadenssumme) beantragen. Es gibt auch Beiträge für "Transformationsprojekte", die die strukturelle Neuausrichtung oder die Publikumsgewinnung zum Gegenstand haben. Darüber hinaus gibt es eine "Nothilfe für Kulturschaffende", wobei maximal 196 Franken (183 Euro) pro Tag ausgezahlt werden. Für 2021 wurden für Hilfen 130 Millionen Franken (rund 120 Mio. Euro) reserviert: Dabei fließen 100 Millionen Franken in die Unterstützung der Kulturunternehmen, dem Verein Suissculture Sociale werden 20 Millionen Franken für die Unterstützung der Kulturschaffenden zur Verfügung gestellt, die Dachverbände erhalten 10 Millionen Franken für die Unterstützung der Kulturvereine im Laienbereich.

Die Mailänder Scala ist seit der Vorwoche geschlossen. - © APAweb / afp/Miguel Medina
Die Mailänder Scala ist seit der Vorwoche geschlossen. - © APAweb / afp/Miguel Medina

ITALIEN:

Die italienische Regierung hat vergangene Woche im Kampf gegen das Coronavirus Kinos, Theater und Konzertsäle geschlossen. Mit dem gestrigen Donnerstag wurden außerdem Museen, darunter auch die Vatikanischen Museen, und Ausstellungen bis zum 3. Dezember dicht gemacht. Eingeführt wurde zudem eine landesweite Ausgangssperre von 22 Uhr bis 5 Uhr. Vier Regionen - Lombardei, Piemont, Aostatal und Kalabrien - wurden von der Regierung aufgrund hoher Infektionszahlen zur "roten Zone" erklärt, in denen mit dem heutigen Freitag ein Lockdown mit kompletter Ausgangssperre gilt.

Auch die seit der Vorwoche geschlossene Scala unter Intendant Dominique Meyer muss dadurch auf ihre traditionsreiche Eröffnungspremiere am 7. Dezember verzichten. Die Saisoneröffnung, ein Highlight der Mailänder Kulturszene, soll durch einen Galaabend ohne Zuschauer ersetzt werden, den die öffentlich-rechtliche TV-Anstalt RAI übertragen wird. Kulturschaffende gehen seit Tagen in großer Zahl gegen die Schließungen und die Coronapolitik der Regierung auf die Straße. Museen seien sichere Orte ohne Menschenandrang, in denen die Schutzvorkehrungen streng eingehalten werden, kritisierte auch Uffizien-Chef Eike Schmidt den Beschluss. Kulturminister Dario Franceschini kündigte diese Woche an, dass die italienische Regierung bis Ende 2020 neun Milliarden Euro an Unterstützungsmaßnahmen für die Branchen Kultur, Tourismus und Freizeit locker machen wird. Kulturschaffende sollen monatlich Beiträge zwischen 600 und 1.000 Euro erhalten.

SPANIEN:

Spanien ist eines der von der Coronakrise am schwersten getroffenen Länder Westeuropas. Wegen der rapide steigenden Zahlen rief Ministerpräsident Pedro Sanchez am 25. Oktober einen zweiwöchigen Notstand (vorerst bis 9. November) aus und ordnete im Rahmen dieser Maßnahme praktisch im ganzen Land eine nächtliche Ausgangssperre an. Nur die Kanaren sind davon ausgenommen. In einigen Regionen, darunter in Katalonien, gelten zusätzliche Einschränkungen wie die Schließung von Kultureinrichtungen wie Kinos und Theater. Museen, Ausstellungen und Galerien sind in Katalonien jedoch mit verringerter Besucherkapazität weiter geöffnet. Es gilt allerdings Maskenpflicht, auch im Freien. Vergangene Woche stimmte das Parlament der Verlängerung des Alarmzustandes - der dritthöchsten Notstandsstufe - bis zum 9. Mai zu. So wie in Italien wächst der Unmut über die Corona-Maßnahmen. Am Wochenende lieferten sich Demonstranten unter anderem in Madrid und Barcelona gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei, es gab Verletzte und Festnahmen.

FRANKREICH:

Frankreich hat mit 30. Oktober den zweiten Lockdown des Jahres verhängt und allen "nicht-essenziellen" Branchen eine Schließung verordnet. Somit sind sowohl Theater als auch Museen erneut zumindest bis Ende November geschlossen. Bereits davor hatte es durch nächtliche Ausgangssperren in einigen Regionen massive Einschnitte ins Kulturleben gegeben.

Laut der Website des Kulturministeriums hat die französische Regierung im März ein 5 Mrd. Euro umfassendes Paket geschnürt, um die Auswirkungen der Coronakrise auch auf den Kultur- und Mediensektor zu bewältigen. Ende Mai wurde ein 2,9 Mrd. Euro schwerer Fonds aufgelegt, aus dem u.a. ein Solidaritätsfonds, staatlich garantierte Darlehen und Steuerbefreiungen gespeist wurden. Für Branchen wie die Filmindustrie gab es Ausfallshaftungen. Erst vor wenigen Wochen wurde erneut ein Hilfspaket mit 115 Mio. Euro Volumen auf den Weg gebracht. 85 Millionen Euro sollen an die darstellenden Künste gehen, darunter Theater, Oper und Tanz, und 30 Millionen Euro an die Kinobranche.

GROSSBRITANNIEN:

Die schrittweise Öffnung von Theatern, Kinos und Konzerthäusern hat in Großbritannien seit gestern, Donnerstag, wieder ein Ende. Aufgrund des verordneten Lockdowns müssen sämtliche Kulturveranstalter - auch die Museen und Galerien - schließen. Bis vor Kurzem hatte das Kulturleben noch unter erhöhten Sicherheitsbedingungen stattfinden können, Theater setzten auf Abstände zwischen Besuchergruppen und Masken.

Bisher hat die Regierung mehr als 257 Mio. britische Pfund (rund 396 Mio. Euro) an 1.385 Theater, Museen und kulturelle Organisationen ausgezahlt. Insgesamt hat Großbritannien einen 1,57 Mrd. Pfund (1,74 Mrd. Euro) schweren "Culture Recovery Fund" zugesagt. Der Mitte Oktober ausgezahlte Zuschuss aus der ersten Tranche sollte den Einrichtungen zum Neustart verhelfen, Jobs erhalten und Möglichkeiten für freischaffende Künstler schaffen, wie es auf der Regierungswebsite heißt. Kulturminister Oliver Dowden: "Die Regierung ist für die Kultur da, und wir haben rund um die Uhr gearbeitet, um diese Rekordinvestition auf den Weg zu bringen." Der Rest des Fonds soll in weiteren Tranchen ausbezahlt werden.

BELGIEN:

Seit 2. November gilt in Belgien ein "verschärfter Lockdown", den der Konzertierungsausschuss zwischen der Föderalregierung und den Regierungen der einzelnen Teilgebiete beschlossen hat. Die Auswirkungen auf die Kulturbetriebe sind dabei massiv. Die Regierung konstatiert auf ihrer Informationsseite für die Bürgerinnen und Bürger nüchtern "Alles ist geschlossen" - was etwa für Kinos, Theater oder Konzerthäuser gilt. Alles ist geschlossen? Nicht alles. Auch in Belgien dürfen wie in Österreich die Bibliotheken offen halten.

Die Maßnahmen gelten nun zumindest bis einschließlich 13. Dezember, wobei manche der kulturellen Leuchttürme des Landes pessimistischer respektive optimistischer auf die Zukunft blicken. Die renommierte Vlaamse Opera in Gent und Antwerpen hat etwa gleich bis Jahresende alle Vorstellungen gestrichen. La Munt/La Monnaie in Brüssel hingegen hält sich derzeit noch einige kleinere Veranstaltungen offen - vorbehaltlich der weiteren Entwicklung.

UNGARN:

In Ungarn gilt seit 4. November erneut der Notstand, der bereits im Frühjahr für Proteste sorgte, da er Premier Viktor Orban ermöglichte, unbegrenzt auf dem Verordnungsweg zu regieren. Die Proteste gegen die rigide Kulturpolitik der Regierung hatten sich in den vergangenen Wochen aufgrund der Übernahme der Regierungskontrolle über die Budapester Universität für Theater und Filmkunst SZFE intensiviert. Attila Vidnyansky, der neue Stiftungsvorsitzende und Freund Victor Orbans, möchte an der Hochschule "linksliberale Tendenzen bekämpfen". Die Anti-Corona-Maßnahmen sind jedoch im Vergleich liberal: Zu ihnen gehört die Schließung der Nachtgastronomie wie Bars oder Diskotheken sowie eine Ausgangsbeschränkung von Mitternacht bis 5 Uhr früh. Museen, Bibliotheken, Archive und Kulturinstitute dürfen unter Einhaltung von 1,5 Meter Abstand besucht werden. Theater und Kinos sind geöffnet, doch darf nur jeder dritte Sitzplatz belegt werden. Es gilt das Schachbrettmuster und der 1,5 Meter Sicherheitsabstand. Maskentragen ist auch während der Vorstellung Pflicht.

Das 55. Filmfestival Karlovy Vary wird nicht stattfinden, zumindest nicht in diesem Jahr. - © APAweb / afp/Michal Cizek
Das 55. Filmfestival Karlovy Vary wird nicht stattfinden, zumindest nicht in diesem Jahr. - © APAweb / afp/Michal Cizek

TSCHECHIEN:

Der wegen der Coronavirus-Pandemie ausgerufene Notstand in Tschechien wurde vorerst bis 20. November verlängert, könnte allerdings laut Innenminister Jan Hamacek zumindest bis Weihnachten andauern. Es gilt eine Ausgangssperre zwischen 21 Uhr und 5 Uhr früh. Neben Schulen, Restaurants und den meisten Geschäften (Ausnahmen für Lebensmittel, Drogerien und Apotheken) sind auch sämtliche Kulturinstitutionen geschlossen und alle Kulturveranstaltungen abgesagt. Auch die Spezialausgabe des bereits einmal abgesagten Filmfestivals Karlovy Vary (KVIFF 541⁄2), die für 18. bis 21. November geplant war, wird nicht stattfinden. Nun nimmt man Kurs auf die nächste reguläre Ausgabe. Die 55. Festivaledition soll von 2. bis 10. Juli 2021 stattfinden.

Während Museen, Galerien, Theater und Kinos also dichtgemacht haben, bieten zahlreiche Häuser Online-Präsentationen von Ausstellungen oder virtuelle Besichtigungen an, so z.B. das Technisches Nationalmuseum in Prag, die Villa Tugendhat in Brünn oder das Jüdische Museum in Prag. Im Rahmen der tschechischen Corona-Hilfen wurde ein zweiter Kulturfonds aufgelegt, der bis 50 Prozent der Kosten, die im Zeitraum zwischen 1. Oktober und 20. November entstanden sind, für verschobene oder abgesagte Kulturveranstaltungen und -Projekte gewährleistet. Für "kontinuierlichen Tätigkeit im Kulturbereich" werden bis 80 Prozent der Ausgaben für den Zeitraum zwischen 1. März und 20. November ersetzt. Dazu gibt es eine mögliche "einmalige Förderung für Kunstberufe und fachbezogene technische Berufe in der Kultur".

SLOWAKEI:

Einen Sonderweg geht die Slowakei: Dort setzt man auf flächendeckende Corona-Tests für die gesamte, rund 5,4 Millionen Einwohner zählende, Bevölkerung. In etwa 5.000 Testzentren im ganzen Land standen rund 45.000 medizinische Fachkräfte, Soldaten und Polizisten bereit, um alle Bürger ab zehn Jahren kostenlosen Schnelltests zu unterziehen. Als zusätzliche Maßnahme ist am 24. Oktober eine Ausgangssperre in Kraft getreten, die voraussichtlich zumindest bis 15. November aufrecht bleiben wird. Geschäfte, die nicht zur Grundversorgung dienen (wie Lebensmittel, Apotheken etc.), dürfen nur bei Vorliegen eines negativen Coronatests betreten werden. Maskenpflicht herrscht auch im Freien. Alle Veranstaltungen, darunter auch Kulturveranstaltungen und Gottesdienste, sind verboten. Nur für Taufen, Hochzeiten und Begräbnisse gibt es eine Ausnahme mit Sonderregeln.

Das private ABBA Museum in Stockholm kann noch besucht werden. - © APAweb / afp/Jonathan Nackstrand
Das private ABBA Museum in Stockholm kann noch besucht werden. - © APAweb / afp/Jonathan Nackstrand

SCHWEDEN:

Der "schwedische Weg" in der Coronakrise, also der Verzicht auf einen harten Lockdown und stattdessen staatliche Empfehlungen und der Appell an die Eigenverantwortung, wurde und wird heiß diskutiert. So sehr sich in manchen Bereichen dieses nordische Modell als weniger restriktiv denn andernorts erwies - etwa angesichts des Verzichts auf eine Maskenpflicht - so wenig unterscheiden sich die Auswirkungen auf die Kultur. So machten Theater, Oper und Museen auch in Schweden Mitte März die Schotten dicht. Mit Anfang September nahmen dann Institutionen wie die Königliche Oper Stockholm den Betrieb zwar wieder auf - allerdings unter der Maßgabe harter Einschränkungen.

So wurde vom zuständigen Epidemiologen Anders Tegnell die Grenze von 50 Personen bei Veranstaltung festgelegt - und zwar für Veranstaltungen jedweder Art. Eine für Anfang Oktober erhoffte Erhöhung dieser Grenze kam ob der steigenden Infektionszahlen dann nicht zustande. Und so spielen auch große Häuser vor lediglich 50 Gästen - finanziell klarerweise ein Desaster. Das Großprojekt der "Meistersinger von Nürnberg" für kommendes Frühjahr hat man deshalb in Stockholm bereits gestrichen. In dicht besiedelten Regionen wie Stockholm rufen die Behörden überdies derzeit zu einem Verzicht auf Museumsbesuche auf, und so sind etwa das Vasa-Museum, das Moderna Museet oder das Nationalmuseum derzeit bis mindestens 19. November geschlossen. Immerhin für das private ABBA-Museum kann der Fan noch Tickets kaufen.

Demonstrationen von Künstlerinnen und Künstlern blieben im konsensorientierten Schweden bis dato allerdings aus. Dafür gibt es von staatlicher Seite im Gegenzug finanzielle Unterstützung. Bereits im März wurde eine erste Tranche von 500 Mio. Kronen (48,30 Mio. Euro) für den Kultursektor freigegeben, dem nun eine zweite in Höhe von 881 Mio. Kronen (85,10 Mio. Euro) nachgeschossen wurde. Diese ist u.a. als Kompensation für Events gedacht, die zwischen 1. Juni und 30. September coronabedingt entfallen mussten. Verteilt werden die Gelder durch Institutionen wie den Schwedischen Kunstrat, das Filminstitut oder den Autorenfonds, da sie sich ebenso an Einzelkünstlerinnen und -künstler wie Institutionen richten.

USA:

In den USA hat der Staat in der Kunst traditionell nicht viel zu melden - schon gar nicht der Bund. Zu föderal sind die Vereinigten Staaten hier organisiert. Hinzu kommt, dass auch die Covid-Unterstützungen wie vieles in den USA derzeit zwischen den Blöcken polarisiert und damit blockiert sind. So sind die meisten Kulturinstitutionen gewöhnt, ohne Staatsgeld auszukommen - was zur Folge hat, dass auch die Rechnung in der Covid-Krise gänzlich anders ausfällt als in Europa.

Laut der American Alliance of Museums haben in den ersten Monaten der Schließung die großen Museen der USA pro Tag 33 Mio. US-Dollar (28,49 Mio. Euro) verloren. Schließlich mussten die meisten Einrichtungen im März sperrten, worauf erst im Sommer bei manchen die vorsichtige Wiedereröffnung unter strengen Auflagen folgte. Allen voran hier fraglos Max Holleins Metropolitan Museum, das mit Ende August wiedereröffnete - jedoch massiv Stellen strich und von einem Verlust von 100 Mio. US-Dollar ausgeht.

Die Antwort in den USA, um dies zu kompensieren, wäre in Kontinentaleuropa ein Tabu: der Verkauf von Kunstwerken, um den Betrieb zu finanzieren. So hat das New Yorker Brooklyn Museum im Oktober bereits zwölf Werke beim Auktionshaus Christie's versteigern lassen, darunter einen Lucas Cranach für über 5 Mio. US-Dollar. Zuvor hatte der US-Verband der Museumsdirektoren wegen der Pandemie eine Regelung für zwei Jahre ausgesetzt, nach der Werke aus dem Bestand nur zum Ankauf neuer Werke verkauft werden dürfen. Und dann hängt über den Ausstellungshäusern das Damoklesschwert der erneuten Schließung, sollten die Zahlen weiter steigen - eine Entscheidung, die dann wieder vom einzelnen Bundesstaat abhängt. Die lange geplante Eröffnung des neuen "Oscar"-Museums in Hollywood ist jedenfalls bereits von Dezember auf 30. April 2021 verlegt worden.

Anders als die Museen sind manche Bereiche des kulturellen Lebens aber jetzt schon härter getroffen, weil ihnen der Betrieb untersagt ist: MET-Operndirektor Peter Gelb schockierte mit der Ankündigung, die gesamte Saison bis Ende September 2021 in der weltberühmten New Yorker Institution zu streichen, die Broadway-Theater haben bis Ende Mai 2021 alle Aufführungen gecancelt, da Theater anders als Museen nicht einmal unter strengen Auflagen öffnen dürfen. Und auch die renommiertesten Orchester des Landes sind zumindest einstweilen verstummt - das Cleveland Orchestra und das Pitsburgh Symphony Orchestra werden zumindest 2020 nicht mehr spielen, die New Yorker Philharmoniker gehen gleich von einer Pause bis Mitte 2021 aus. (apa)