Die "VeloStages" würden Musik auf Augenhöhe an mitunter ungewöhnlichen Lokalitäten ermöglichen. "Es ist sehr zufriedenstellend als Künstler, Intimität zu kreieren", meinte Skielboe.  - © APAweb, Daniel Domig
Die "VeloStages" würden Musik auf Augenhöhe an mitunter ungewöhnlichen Lokalitäten ermöglichen. "Es ist sehr zufriedenstellend als Künstler, Intimität zu kreieren", meinte Skielboe.  - © APAweb, Daniel Domig

In Zeiten, in denen dicht gedrängter Kulturgenuss in Innenräumen für Sorgenfalten bei Virologen sorgt, ist Kreativität gefragt, um Kunst zu den Menschen zu bringen. Jonas Skielboe hat mit seiner "VeloStage" eine Möglichkeit gefunden, Bühnenperformances unkompliziert im Freien zu ermöglichen. Seine in einem Lastenfahrrad integrierte, ausklappbare Bühne samt Ton- und Lichtsystem existierte zwar bereits vor Ausbruch der Corona-Pandemie, ist nun aber aktueller als gedacht.

"Wenn wir frei sind, können wir innerhalb von zwei Stunden bereit sein. Wir haben eine sehr flexible Lösung, um Kultur rasch hinauszubringen", warb der Gründer von "VeloConcerts", Jonas Skielboe, im Gespräch für seine drei in Wien stationierten "VeloStages". Geübte Personen können die fahrenden Bühnen innerhalb von eineinhalb Minuten vor Ort aufbauen. Das sei ein nicht zu unterschätzender Vorteil, nun da eine Anti-Corona-Maßnahme die nächste jage und viele Veranstaltungen spontan organisiert oder auch abgesagt würden, meinte der gebürtige Däne. Freilich muss bedacht werden, dass die Bühne der Umwelt zuliebe noch zur Eventlokalität geradelt werden muss.


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Skielboe ist selbst seit 20 Jahren als Gitarrist in der Musikszene aktiv. Die damit einhergehenden Flugzeugreisen waren ihm ein Dorn im Auge. "Ich wollte ein Format auf die Beine stellen, das nachhaltig ist und gleichzeitig das Fahrradfahren bewirbt", schilderte der Unternehmensgründer die Ausgangslage für "VeloConcerts". Im Vorjahr kreierte er gemeinsam mit Jakob Illera von "Inseq Design" die erste "VeloStage". Um Konkurrenz muss sich das junge Unternehmen bisher keine Gedanken machen. "Abseits von Bastelprojekten weiß ich von keinen Nachahmern", so Skielboe.

Die Bühne fügt sich in die Umgebung ein

"Die Bühne fügt sich, egal ob in einer Altstadt oder in der Natur, immer schön in die Umgebung ein und hinterlässt keine Spuren", so der 41-Jährige. Erprobt hat er es bereits zur Genüge. Nach dem ersten Lockdown brach er sofort zu einer Reise durch Österreich auf. "Ich wollte ein Statement setzen, dass Kultur wieder möglich ist", erklärte Skielboe. Dabei radelte er 750 Kilometer in einer Woche von Wien nach Hallstatt und wieder retour. Gespielt habe er an Flüssen, vor Bergen und in Dörfern. Meistens ist er aus naheliegenden logistischen Gründen jedoch in Wien und Umgebung unterwegs.

Von Künstlern und Veranstaltern erhalte "VeloConcerts" gutes Feedback. Die "VeloStages" würden Musik auf Augenhöhe an mitunter ungewöhnlichen Lokalitäten ermöglichen. "Es ist sehr zufriedenstellend als Künstler, Intimität zu kreieren", meinte Skielboe. Performt haben auf den Lastenfahrrad-Bühnen-Hybriden unter anderem bereits die Rapperin Esrap, die Band Dunkelbunt oder auch die "Donaupiraten", die speziell Kinder zu verzücken wussten. Auch elf Blockflötisten fanden auf der ausklappbaren Bühne Platz und loteten deren Kapazitätsgrenze aus.

Ein Event darf bis zu fünf Stunden in Anspruch nehmen – so lange läuft der Akku für die integrierte Licht- und Tonanlage. Letztere sei laut dem Dänen trotz berechtigter Zweifel "sehr gut". Skeptisch stimmt auch die Wetterabhängigkeit. Doch habe es heuer lediglich zwei Schlechtwetterabsagen gegeben: "In so einem Fall bieten wir einen Ersatztermin an oder wir spielen unter einer Brücke oder etwas Ähnlichem. Wir sind flexibel, weil der Aufbau so schnell geht."

Große Nachfrage

Im September dieses Jahres wurden die "VeloStages" für fünf bis sechs Events pro Woche gebucht. Auch in den Monaten davon war die Nachfrage groß. Ob die Auslastung coronabedingt so hoch war, ist für den seit zehn Jahren in Wien lebenden Familienvater schwer zu beantworten. Schließlich habe man erst heuer so richtig "Vollgas gegeben". Dass man gut auf diverse Hygienebestimmungen Rücksicht nehmen könne, sei jedoch offensichtlich. In der kalten Jahreszeit ging die Nachfrage zwar zurück, so manches Konzert fand aber dennoch statt. "Als Gitarrist muss man auf unserer Bühne im Winter hart im Nehmen sein, aber davon gibt es in Wien eh genug", schmunzelte Skielboe.

Als Profiteur der Pandemie will sich der Wahlwiener nicht verstanden wissen. Schließlich fielen auch für ihn viele Pläne ins Wasser. Aus Events auf Skipisten oder Weihnachtsmärkten wurde nichts. "Die Lage ist extrem frustrierend für die Künstlerbranche. Wir sind paralysiert", bedauerte er. Die strikten Schließungen von Konzert- oder Theaterhäusern erachtet er als problematisch: "Alle haben sich so sehr bemüht und kreative Lösungen erarbeitet. Der Kulturmangel ist hart für die Seele."

Die unfreiwillig gewonnene Zeit nutze "VeloConcerts", um sich für 2021 vorzubereiten. Mehrere Touren sind geplant, wobei nicht nur auf Konzerte gesetzt werde. "Für mich ist das eine offene Bühne", meinte der passionierte Radler. Auch wolle man international tätig werden. Längere Wegstrecken könnten mit Ausnahme der letzten Kilometer mit dem Zug zurückgelegt werden. "Mal schauen, ob es schlussendlich wirklich so weit kommt. Für mich muss das Unternehmen ein gesundes Wachstum haben, mit dem ich persönlich mitwachsen kann", sagte Skielboe. (apa)