Eine kurze Verzögerung ist arbeitstechnisch notwendig, eine Verschleppung indessen unmöglich: Zwar wird der Abschlussbericht der Historikerkommission über NS-belastete Straßennamen in der Stadt Salzburg nicht Ende dieses Jahres, sondern erst im Frühjahr 2021 vorliegen, aber eine Aktion des Vereins für aktive Gedenk- und Erinnerungskultur Alpine Peace Crossing hat das Thema jetzt wieder ins Gedächtnis der Allgemeinheit gerufen.

Ursprünglich hätten die Biografien von 65 NS-nahen Namenspaten bis Ende 2020 aufgearbeitet worden sein sollen. 15 Biografien wurden bereits ins Internet gestellt. Auch die Recherchen zu den fehlenden Namenspaten gelten als weitgehend abgeschlossen. Dabei geht es um Personen, die nachweislich Mitglieder der NSDAP oder Parteianwärter waren oder unterschiedlich stark ausgeprägt mit dem NS-System verstrickt waren. Allerdings hat die Corona-Epidemie für Verzögerungen im Zeitplan gesorgt.

Auf der Namensliste der NS-nahen Personen befinden sich etliche prominente Namen, etwa der des Dirigenten Herbert von Karajan, des Bildhauers Josef Thorak oder des Autokonstrukteurs Ferdinand Porsche. Nach derzeitigem Stand könnten sieben bis acht Straßen umbenannt werden.

Alpine Peace Crossing hat im Lauf der Woche mit einem über 60 Quadratmeter großen Memory-Spiel Passanten am Residenzplatz zum Nachdenken über das problematische Erbe eingeladen: 64 Karten mit 64 Salzburger Straßennamen lagen auf, die bis heute Personen mit Verstrickungen im NS-Regime ehren. Wer wollte, war eingeladen, das Schild mit der dazugehörigen historischen Information zu finden. (apa)